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Königsbrunn/Untermeitingen

30.05.2017

Grüne Suppe und Pappreis zum Frühstück

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4 Bilder
Der Pilgerweg führte die drei Freunde rund im die Insel Jeju.
Bild: Josef Heirich

Drei Freunde aus Königsbrunn und Untermeitingen pilgern 422 Kilometer auf einer Insel in Südkorea. Die Schwaben lernen unter anderem die koreanische Hilfsbereitschaft kennen.

Josef Heirich hat schon viele Wanderungen hinter sich: Er ist nach Santiago de Compostela gepilgert, war im Südwesten Australiens unterwegs und im Norden Englands. Eine Pilgerreise nach Südkorea war für den Königsbrunner trotzdem etwas Besonderes: Der 69-Jährige war sonst immer alleine unterwegs. „Und jetzt hat er uns am Hals gehabt“, sagen Rita und Peter Schlecht aus Untermeitingen und schmunzeln. Die drei Freunde pilgerten einen Monat lang auf der südkoreanischen Insel Jeju den sogenannten Jeju Olle Trail. 422 Kilometer legten sie zu Fuß zurück.

Jeju ist die größte Insel Südkoreas und etwa halb so groß wie Mallorca. 24 Etappen führen laut Heirich rund um die Insel. Ein Jahr lang haben sich die Freunde mit der Insel beschäftigt. Sie hätten deshalb gewusst, was sie erwartet, sagt Rita Schlecht. Die Realität sei dann aber doch komplett anders gewesen.

Koreaner helfen bei Suche nach Unterkunft

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Beeindruckt hat die drei Freunde vor allem die Hilfsbereitschaft der Koreaner. Es sei manchmal beschämend gewesen, welches Übermaß an Hilfe ihnen entgegengebracht worden ist, sind sie sich einig. Weil alle sie die Wegweiser in koreanischen Schriftzeichen nicht lesen konnten, mussten die Pilger oft nach dem Weg fragen. „Wir waren dann immer umringt von Menschen. Die Leute sind überall von den Häusern gekommen“, erzählt Peter Schlecht. Jeder hätte sofort sein Handy gezückt, um den Reisenden zu helfen. Oft begleiteten einige Südkoreaner die drei Schwaben direkt zur jeweiligen Unterkunft oder waren bei der Suche nach einem Quartier behilflich. Geschlafen haben die Drei in unterschiedlichen Pensionen, die auf dem Pilgerweg lagen.

Ein weiterer Höhepunkt war für die Schwaben die Osternacht. „Wir wurden mit Handschlag begrüßt und haben sofort einen Platz zugewiesen bekommen“, erinnert sich Heirich. Dann sei der Pfarrer feierlich mit Weihrauch und Osterkerze in die Kirche eingezogen. Alles sei dunkel gewesen. Nach dem Gottesdienst verteilte der Pfarrer an jeden ein gekochtes Ei. Für die Gäste aus Schwaben hatte der Geistliche sogar noch einen extra Korb mit mehr gekochten Eiern parat. „Da waren die nächste Tage dann gerettet“, sagt Peter Schlecht und lacht.

Brot war Mangelware in den Supermärkten

Denn das Essen auf der Insel war für alle gewöhnungsbedürftig. Es sei alles scharf gewesen. Zum Grundnahrungsmittel Reis gab es viel Fisch und auch Gemüse. Mit Schaudern erinnern sie sich an ein Abendessen: Die Drei bestellten eine Suppe und erwarteten eine warme Mahlzeit. Sie bekamen jedoch eine eiskalte Fischsuppe mit Eiswürfeln. „Die konnten wir nicht essen“, meint die 68-jährige Rita Schlecht. „Es war schon immer spannend, und wir haben uns jeden Abend gefragt, was wir wohl diesmal zum Essen bekommen“, sagt Heirich.

Reis gab es nicht nur abends. Einmal bekamen die Drei eine grüne Suppe, wahrscheinlich aus Algen oder Seetang, klebrigen Pappreis und kleine Beeren zum Frühstück. Brot war dagegen Mangelware in den Supermärkten. Wenn sie einmal Toastbrot ergattern könnten, hätten sie es sofort gebunkert, erzählt Heirich. Einmal fuhr der Königsbrunner zusammen mit einem Südkoreaner zehn Kilometer ins nächste Dorf, nur um dort Brot kaufen zu können.

Die Drei betonen, dass es auch leckere Mahlzeiten gab. Vieles wäre nur leider nichts für ihre Geschmacksrichtungen gewesen. „Und wenn gar nichts mehr ging, eine Suppe ging immer“, erzählt Peter Schlecht. In den Supermärkten kauften sie eine Art Fünf-Minuten-Suppe mit aller Art Nudeln. Das heiße Wasser dafür gab es fast überall aus Automaten: Bei der Post, in der Bank und auch in Kirchen.

Schwaben haben den Alltag miterlebt

Der Pilgerweg führte die Drei an mehr Tempeln als Kirchen vorbei, worüber sie sehr verwundert waren. Schließlich sei der Jeju Olle Trail als christlicher Pilgerweg ausgeschrieben. Neben Gottesdiensten haben sie deshalb auch Zeremonien in buddhistischen Tempeln miterlebt. „Da wir nicht mit einer Reisegruppe unterwegs waren, haben wir den Alltag auf der Insel gut mitbekommen“, meint Heirich. Auf dem Pilgerweg waren die Drei oft alleine und auch fast die einzigen Europäer. Sie wären deshalb überall sofort aufgefallen. Der Weg an sich sei hervorragend angelegt und ausgeschildert gewesen. Manchmal musste man aber über Steine wandern.

Das führte dazu, dass Rita Schlecht Probleme mit dem Fuß bekam. Er war überbelastet. Die beiden Männer fragten deshalb zwei Polizisten nach dem Weg zur nächsten Apotheke. Auch in dieser Situation zeigte sich die große Hilfsbereitschaft der Einheimischen. Die Polizisten begleiteten Heirich und Schlecht nicht nur zu einer Krankenstation. Sie blieben auch bei den Schwaben, als sie Rita Schlecht abholten und zur Krankenstation brachten. „Da war die Polizei wirklich unser Freund und Helfer“, sind sich die drei Pilger einig.

Vorfreude auf das Essen in Deutschland

Nach vier Wochen, in denen die drei Freunde Tag und Nacht zusammen waren, ziehen sie ein positives Fazit. Durch die Reise hätten sie sich zwischenmenschlich noch näher kennengelernt. Auch Heirich bereut es nicht, diesmal in Begleitung unterwegs gewesen zu sein. Die Chemie habe gestimmt, sind sich die Drei einig.

Am Ende ihres Südkoreaaufenthaltes gingen die Drei dann zusammen zum Friseur. „Damit wir nicht verwildert heimkommen“, erklärt Rita Schlecht und lacht. Auf dem Heimflug freuten sie sich dann schon auf das Essen in der Heimat.

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