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Königsbrunn

18.07.2020

Handel: Wie Geschäfte in Königsbrunn der Konkurrenz großer Läden standhalten

Angelika Haiss-Wüst hat ihren Uhren-Schmuck Laden in der Rosenstraße und ist seit über 35 Jahren als Geschäftsfrau in Königsbrunn tätig.

Plus Augsburg ist nah und das Internet überall: Wie sich Händler in Königsbrunn mit ihren Geschäften behaupten und wie die Stadt die Zukunft sieht.

Auf die Frage: „Wie hat sich die Geschäftswelt in der Vergangenheit in Königsbrunn verändert?“, finden Bürgermeister Franz Feigl und sein Stellvertreter Maximilian Wellner eine überraschend kurze Antwort: „Entweder sind bei uns die Geschäfte im Laufe der Jahre umgezogen oder die Inhaber haben gewechselt.“

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber beide Herren belegen ihre Aussage mit Beispielen. Den Standort gewechselt hat unter anderem der Supermarkt Lidl. War der einst im Seilerhof untergebracht, befindet er sich heute in der Guldenstraße. Die alteingesessene Metzgerei Hell an der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße hingegen, hat kürzlich den Besitzer gewechselt.

In Königsbrunn haben relativ viele kleinere Geschäfte überlebt

Überhaupt gibt es in Königsbrunn trotz der großen Supermärkte im Gewerbegebiet Nord nach wie vor einige Metzgereien und Bäckereien. Die Bäckerei Forster zum Beispiel, ebenfalls an der Hauptstraße, ist laut Feigl, der älteste noch existierende Familienbetrieb. Dass es relativ viele Geschäfte dieser Art geschafft haben zu überleben, liege an der Struktur der Stadt. Das einst längste Straßendorf Bayerns musste Strukturen schaffen für die Bewohner. Weil alle Häuser entlang der Hauptstraße gebaut wurden, gab es jeweils im Norden, in der Mitte und im Süden entsprechende Läden.

Und einige sind auch noch heute vorhanden. „In Königsbrunn gibt es eine Vielzahl von Betrieben und Mittelstandsgeschäften“, freut sich auch Johannes Dietrich, Vorsitzender des Königsbrunner Bundes der Selbstständigen: „In der letzten Zeit wurden sehr viele davon durch einen Generationenwechsel wieder neu belebt.

Auch alteingesessene Betriebe wurden an junge Handwerker verkauft beziehungsweise abgegeben.“ Einige hätten sich auch in die angrenzenden Städte und Gemeinden verlagert, neue seien hinzugekommen: „Unser Stadtrat hat ein gutes Händchen, um ein Übermaß an gleichen Angeboten zu vermeiden.“

Die Nähe zu Augsburg erschwert die Situation

Das erste SB-Kaufhaus „Stadtmarkt“ eröffnete 1968 seine Pforten auf dem Gelände des heutigen Kauflandes. Die Baugenehmigungen waren damals noch etwas lockerer und so steht das Gebäude leicht schief auf dem Grundstück, was aus der Luft gut zu erkennen ist. Die großen Supermärkte sollten damals wie heute, auch die Haunstetter zum Einkaufen in die Brunnenstadt holen, was auch dazu führte, dass später der Real-Supermarkt an der Grenze zu Haunstetten eröffnete.

Die Nähe zu Augsburg sei aber umgekehrt auch ein schwieriger Punkt, gerade für die Geschäftswelt, sind sich die beiden Bürgermeister einig, wie Wellner erklärt: „Die City-Galerie ist nur ein Katzensprung weg, die Auswahl der Läden breit gefächert und die Parkgebühren sehr niedrig. Viele Königsbrunner fahren mal eben dorthin.“

Die langgezogene Form Königsbrunns beeinflusst auch die Entwicklung: Bürgermeister Franz Feigl (links) und sein Stellvertreter Maximilian Wellner vor der großen Karte von Königsbrunn.

So hätten Bekleidungsgeschäfte oder Händler abseits von Lebensmitteln in der Brunnenstadt einen schweren Stand. Die Boutique Vogue, Schuh Seitz, das Bekleidungsgeschäft Rossmann, Rosemoden, sowie Sport Treutler sind nur ein paar Beispiele, die im Laufe der Zeit ihre Läden geschlossen haben. Derzeit gibt es in der Innenstadt, die Feigl zwischen den beiden Kirchen ansiedelt, nur noch ein Damenbekleidungsgeschäft.

Selbstverständlich existieren noch zahlreiche andere Geschäfte, die trotz des Wandels der Strukturen immer noch ihre Produkte in Königsbrunn verkaufen. Dazu gehören unter anderem die beiden Elektrohandel Frisch und Rasche + Richter. Und das, obwohl es in Augsburg sehr große Konkurrenzableger von Global Playern gibt und nicht zu vergessen das Internet.

Die Entwicklung der Innenstadt wird immer wieder neu überdacht

Und weil es so viele Unabwägbarkeiten im Strukturwandel generell gäbe und sich auch ständig alles sehr schnell ändere, sei es klug, die Entwicklung der Innenstadt neu zu überdenken. „Ob sich eine Ansiedlung von kleinen Geschäften im Stadtkern trägt, ist alles andere als sicher. Eine grüne Innenstadt beispielsweise gäbe der Brunnenstadt auch ein Gesicht, sowie ein Alleinstellungsmerkmal“, erklärt der Bürgermeister.

In die Innenstadt zurückziehen mit ihrem Schmuckgeschäft, das würde Inhaberin Angelika Haiss-Wüst ganz sicher nicht. Sie fühlt sich in der Rosenstraße sehr wohl und sagt: „Ich habe zahlreiche Parkplätze vor meinem Geschäft, die Kunden kennen mich und kommen gezielt zu mir.“

Vor etwa 15 Jahren hat sie sich ihren lang gehegten Wunsch erfüllt und sich selbstständig gemacht. Zuvor hat sie 20 Jahre als Filialleiterin im Schmuckshop „Selva“ gearbeitet. Und damit vereint Angelika Haiss-Wüst gleich beide Komponenten der Kernaussage von Bürgermeister Franz Feigl und seinem Stellvertreter Maximilian Wellner. Nämlich, dass die Inhaber oder die Geschäfte umziehen in der Stadt.

Geschäftsinhaber wissen: Um zu überleben braucht es gute Ideen

Der Schmuckshop „Selva“ hatte seinen Standort angrenzend am Hotel Zeller. Als die damaligen Besitzer aus familiären Gründen den Shop aufgaben, eröffnete Haiss-Wüst ihren eigenen Laden. Die Kunden seien mitgegangen, den Leuten sei wichtig, wer in einem Geschäft ist und wie sie bedient werden. „Ganz besonders nett ist es, wenn Erwachsene heute ins Geschäft kommen, um sich beispielsweise Trauringe auszusuchen, denen ich vor vielen Jahren Ohrlöcher gestochen habe“, sagt sie.

Man müsse Ideen haben und deshalb hat Haiss-Wüst im Hotel Zeller und im Restaurant „Gordion“ Vitrinen mit Schmuck stehen, die Lust auf ihr Geschäft machen sollen und sagt, noch einmal auf die Frage eines Standortwechsels in die Innenstadt: „Nein, denn auf Laufkundschaft setze ich nicht.“

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