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Kreis Augsburg

12.07.2020

Handel im Wandel: Wie Geschäfte in der Innenstadt überleben können

Die Fuggerstraße in Schwabmünchen wird umgebaut, die Verkehrsbeschränkungen sind für den Einzelhandel eine Belastung. Auf lange Sicht soll das Zentrum jedoch an Attraktivität gewinnen und damit auch den Geschäftsleuten mehr Kundenfrequenz bringen.
Bild: Reinhold Radloff

Plus Die Online-Konkurrenz und die Corona-Krise setzen vielen Einzelhändlern in den Orten zu. Doch es gibt Rezepte für die Zukunft.

In Graben investiert der Online-Riese Amazon in die Verdreifachung seines Versandlagers 150 Millionen Euro. In Untermeitingen steht im Lechpark ein ganzes Einkaufszentrum leer. Und in Gersthofen kreist die Diskussion über eine bessere Innenstadt seit einem Jahrzehnt um ein Loch, das ungenutzt blieb und immerhin beträchtlich an Wert gewonnen hat. Drei Beispiele, ein Thema: Der Handel steckt mitten in einem tief greifenden Wandel.

Geschäftsnachfolge: Wer macht weiter?

Das hat Folgen für die Zentren von Märkten und Städten im Augsburger Land. Die Faktoren, die den alt eingesessenen Händlern das Leben schwer machen, sind überall ähnlich, sagt Einzelhandelsexpertin Franziska Behrenz von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Zum einen stehe die Nachfolgefrage im Raum: Findet sich jemand, der das Geschäft fortführen will, bei der schon bestehenden Konkurrenz auf der grünen Wiese und der immer weiter wachsenden Wettbewerbern aus dem Internet? Behrenz: „Kaum einer geht heute noch in die Innenstadt und sucht dort, was er braucht. Jeder googelt.“ Der aus dieser Entwicklung resultierende Schwund an Geschäften mache sich in kleiner Städten schneller bemerkbar als in großen Orten wie Augsburg. Vorhanden sei dieser Trend dort aber auch.

In Schwabmünchen ist der Wandel im Handel besonders deutlich: Ende Februar machte das Sportgeschäft Fasser dicht. Im Dezember schloss das traditionsreiche Modehaus Weckmer, weil das Inhaberehepaar in Rente ging. Geschäftsleute klagen auf der einen Seite über die Dauerbaustelle in der Fuggerstraße – sie soll auf der anderen Seite das Zentrum auf lange Sicht schöner machen und so die Attraktivität für einen Einkauf in der Mitte der Stadt wieder erhöhen.

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Einkauf zum Erlebnis machen

Nicht nur Schwabmünchen, sondern viele Orte in Schwaben haben im Augenblick ähnliche Probleme: Der Ortskern, als gute Stube der Kommune konzipiert, droht zur Problemzone zu werden. IHK-Expertin Behrenz drückt es direkter aus: „Es wird hart für die Innenstadt.“

Sie rät deshalb zu einem aufwendigen Pflegeprogramm. Die Händler müssten den Einkauf in ihren Geschäften zum Erlebnis machen: Zur Buchvorstellung gibt es leckeren Wein, der Schuhladen erklärt, wie man die edlen Treter richtig pflegt. Klingt alles nach viel Aufwand und hat einen Zweck: Sich einen Stamm treuer Kunden zu schaffen, die gerne zum Einkauf kommen. Und natürlich müsse man auch im Internet vertreten sein. Einfach die Waren ins Schaufenster zu stellen, das reiche heute nicht mehr, erklärt Behrenz.

Genauso ergebe eine lose Ansammlung von Geschäften noch keine funktionierende Innenstadt. Gastronomisches Angebot, Parkplätze, Nahverkehr, Ruhezonen und eine ansprechende Gestaltung seien wichtige Themen. Alles müsse Hand in Hand gehen und das sei unterm Strich eine „riesige Herausforderung.“ Zumal es nach Ansicht der IHK-Expertin damit immer noch nicht getan ist.

Der City-Manager als Bindeglied

Größere Städte sollten sich einen City-Manager leisten, der als Bindeglied zwischen Gastronomen, Geschäftsleuten und Verwaltung fungiert und nicht zuletzt dafür sorgt, dass die Stadtkerne mit Veranstaltungen belebt werden. Denn in Zeiten, in denen verkaufsoffene Sonntage längst keine Selbstläufer mehr sind, seien Ideen und neue Ansätze gefragt, sagt Behrenz.

Das gilt auch für die Mischung der Geschäfte. Galten früher einmal Kaufhäuser in zentraler Lage als Kundenmagnet, müssen die Ortskerne heute auf Anbieter bauen, die sich auch in den Fachmarktzentren auf der grünen Wiese tummeln. Gut sortierte Supermärkte und Drogeriemärkte ziehen die Kundschaft noch in Scharen an, sagen die Experten.

In Schwabmünchen übrigens bald nicht mehr: Der Drogeriemarkt Müller kündigte an, die Innenstadt zu verlassen, um sich an einem neuen Standort in Schwabmünchen auf einer größeren Fläche ausbreiten zu können. Die Innenstadt verliert zwar an Kundenfrequenz, die Stadt behält aber den Drogeriemarkt am neuen Standort. Bürgermeister Lorenz Müller: „Besser dort, als nirgends.“ (mit mcz)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Einzelhändler müssen zu Kundenhütern werden

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12.07.2020

Die Aussage von Bürgermeister Müller erinnert doch sehr an das berühmte "Pfeifen im Walde".
Die ehemalige Kreisstadt hat in den letzten beiden Jahrzehnten schlichtweg den Anschluss an den "Zug der Zeit" verpasst.
Da kann sie die Innenstadt jetzt noch so ausbauen und auf eine Wende hoffen - der Zug ist ohne sie abgefahren.
Und leider ohne die Menschen und Geschäfte und Betriebe, die in ihr beheimatet sind. Traurig, aber leider wahr.

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