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Schwabmünchen

22.07.2019

Harald Wieczorek: Ein Häuptling geht unter die Autoren

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Ein Multitalent als Autor, Schauspieler und Stuntman ist Harald Wieczorek.

Plus Mit 70 schreibt Harald Wieczorek, der einen Indianer bei den Karl-May-Spielen mimt, ein neues Buch. Er spricht über seinen tragischen Unfall als Stuntman.

„Ich habe mich in meinem langen Leben schon öfter neu erfunden“, sagt Harald Wieczorek. In einem Alter, in dem andere längst ihren Ruhestand genießen, ist der ehemalige Seemann und Stuntman immer noch als Schauspieler aktiv und seit Kurzem auch als Buchautor erfolgreich. Sein aktuelles Werk „Jakob, der stumme Krieger“ spielt während des 30-jährigen Krieges in der Zeit von 1618 bis 1648. Wieczorek spricht über den Wendepunkt in seinem Leben und sein berufliches Schaffen - vom Bootsjungen bis zum Stuntman.

Das blutrote Titelbild lässt schon ahnen, dass es auf den 226 Seiten teilweise brutal und grausam zugeht, „so wie Kriege nun mal sind“, stellt der 70-jährige fest. „Geschichte war schon als Kind eines meiner Lieblingsfächer und ich wollte deutlich machen, was die Menschen damals alles erleiden mussten.“ Als Kontrast dazu geht es in seinem Historienroman um wichtige Werte wie Freundschaft, Hoffnung und Treue. Der Titelheld Jakob ist ein Findelkind, das in einem Kloster aufgezogen und bei einem Überfall von Räubern entführt wird. „Fortan muss er mit den Räubern leben, bis diese gefangen genommen und erhängt werden“, verrät der Autor.

Ein Gutsherr wird in Notwehr getötet

Der dafür verantwortliche Gutsherr schenkt ihm das Leben und lässt ihn für sich arbeiten. Jakob verliebt sich verbotenerweise in eine Magd, wird hart bestraft und tötet in Notwehr den Gutsherrn. Um seinen Verfolgern zu entgehen, schließt er sich als Söldner Tillys Heer an und verliert in der letzten Schlacht durch einen Schwerthieb auf den Kopf seine Stimme. Im weiteren Verlauf der spannenden Geschichte muss Jakob dann Gaukler verfolgen, die einen Zwölfjährigen entführt haben.

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So lebendig das Buch geschrieben ist, so schwierig war sein Entstehungsprozess. „Denn ich musste mir für alle Hauptfiguren eine komplette Biografie mit Alter, Beruf, Lebensumständen und so weiter ausdenken“, erzählt Wieczorek. Sein ursprüngliches, mit der Hand geschriebenes Manuskript war in der ersten Fassung fast 500 Seiten stark. „Ohne die Hilfe meiner Frau Monica, die das Meiste abgetippt hat, wäre kein Buch daraus geworden“, sagt er. Es ist bereits sein zweites, nachdem er vergangenes Jahr in der Autobiografie „Windstärke 13“ seine wilden Jugendjahre auf See geschildert hatte.

Harald Wieczorekt finanziert die Schauspielschule als Stuntman

1948 in einem kleinen fränkischen Dorf geboren, ging er als 15-Jähriger gegen den Willen seiner Eltern auf die Seemannsschule nach Bremervörde und heuerte nach der strengen Ausbildung als Bootsjunge an. Als „Moses“ musste er nicht nur gegen die Seekrankheit kämpfen, sondern sich auch gegen die damals üblichen Schikanen gegen den Jüngsten an Bord zur Wehr setzen. Der Wendepunkt in seinem Leben kam 1973, als er sich zwischen der Liebe zu seinem Beruf und der zu seiner späteren Frau Monica entscheiden musste. Der Seemann blieb fortan an Land und schlug sich unter anderem als Leibwächter und Lastwagenfahrer durch, bevor er die Schauspielschule in Stuttgart absolvierte und seine Ausbildung dort als Stuntman finanzierte.

Gern erinnert er sich an seine Auftritte beim Piraten-Theater in Grevesmühlen sowie bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, wo er seit 1979 in unterschiedlichsten Rollen zum Ensemble gehört. Als er 1985 die Titelrolle als „Ölprinz“ spielte, kam es zu einem tragischen Unfall. „Auf einem Ölturm wurde zwischen meinen Beinen eine Vier-Liter-Benzinbombe zu früh gezündet und ich stürzte brennend elf Meter in ein nur eineinhalb Meter tiefes Wasserbecken.“ Das Publikum glaubte an einen besonders gelungenen Stunt, doch Wieczorek war nur dank seines Neopren-Anzuges mit dem Leben davongekommen.

Zahn Jahre lang lebte er mit seiner Frau in Wehringen, heute hat das Paar seinen Wohnsitz in Schwabmünchen sowie zeitweise auch in Andalusien und Bad Segeberg, wo die Proben für die Karl-May-Spiele liefen. „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers“ heißt das Stück, das vom 29. Juni bis zum 8. September gezeigt wird.

Wieczorek sielt den Schoschonen-Häuptling "Schwarzer Hirsch"

In rund 70 Vorstellungen wird Wieczorek zwei Rollen übernehmen: „Ich spiele den vom Schicksal gebeutelten Schoschonen-Häuptling Schwarzer Hirsch und den Juwelier David James Owens. Nach vier Jahrzehnten auf der Freilichtbühne bin ich der älteste aktive Karl-May-Darsteller in Deutschland.“ Um fit zu bleiben, absolviert er fast täglich ein Trainingsprogramm oder schwimmt in seiner spanischen Wahlheimat im Meer.

Während seiner langen Schauspiel-Karriere hat er weit mehr als 7000 Vorstellungen gegeben – besonders erfolgreich als Winston Churchill und König George V. im preisgekrönten Schauspiel „The King’s Speech“ an der Seite von Götz Otto und Steffen Wink. Im Fernsehen sah man ihn in beliebten Serien wie „Forsthaus Falkenau“, „Marienhof“, „Tatort“ oder „Großstadtrevier“.

Auch mit 70 Jahren ist noch lange nicht Schluss für Wieczorek, der im Streifen „Seniorenparadies“ eine Hauptrolle übernommen hat; er wird bei den nächsten Oberhauser Kurzfilmtagen zu sehen sein. Wenn die Karl-May-Spiele vorüber sind, wartet schon das nächste Projekt: „Ich habe meinen dritten Roman mit dem Titel Orca schon im Kopf und ein 20-seitiges Konzept dazu fertig.“ In der spannenden Geschichte wird es um einen Einhandsegler, Flüchtlinge und Piraten gehen – und natürlich ums Überleben auf rauer See, das der Autor aus eigener Erfahrung kennt. „Nach einem Schiffbruch trieb ich stundenlang hilflos im Meer und konnte buchstäblich in letzter Minute gerettet werden.“

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