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Graben

19.11.2019

Hart gesottener Ermittler ist bei der Weinlese zu hören

Vorleserin Anna Biedermann schlüpfte in die Rollen der Protagonisten und versetzte die Zuhörer ins Geschehen des Kriminalromans.
Bild: Petra Manz

Anna Biedermann liest in Graben einen „hard-boiled“ Krimi – am Ende der Veranstaltung in Graben gibt es eine Rotwein-Bombe.

Mit lockerem Jazz wurden die fast 100 Gäste zur 35. Weinlese-Veranstaltung im Gräbinger Büchereibistro begrüßt. Die Band A’n’D Sharp Trio & Friends mit Hebbe Heim, Andi Scharf, Vicky Konrad, Wolfi Weber, Heiner Lehmann und der Stimme von Special Guest Sabine Olbing umspielte die Weinverkostung des Abends. Kulinarisch mit einer exquisiten fruchtgarnierten Käseplatte unterlegt und kulturell mit Literatur überbaut, dem Motto von Jean Paul folgend: „Der Wein wirkt verstärkend auf den Geisteszustand, den er vorfindet“, konnte es zweifelsohne nur heiter werden in den kommenden Stunden.

Die Gäste hatten schon den Sauvignon Blanc auf dem Tisch und die Gaumen versuchten das Aroma von Gras, Kräutern, Stachelbeeren und grünen Früchten zu erspüren, als Anna Biedermann das erste Kapitel des Vorlesevergnügens an diesem Abend begann. Der von Andreas Scharf ausgesuchte Roman „Das Schlangenmaul“ des Autors Jörg Fauser (1944-1987) ist dem Genre der „hard-boiled“ Kriminalromane zuzuordnen. Hauptprotagonist der Story, Heinz Harder, seines Namens „Bergungsexperte für außergewöhnliche Fälle“ entspricht dem „hart gesottenen“ einzelgängerischen Ermittler, ein abgebrannter Journalist, der bei seinem ersten Fall, die Suche nach der 18-jährigen Tochter der reichen und schönen Nora Schäfer-Scheunemann, in das West-Berliner Finanz- und Politikmilieu der 80er-Jahre eintaucht. Vorleserin Biedermann zeigte ihr Talent, sich in Person und Situation so einzufühlen, dass Dialoge wie das Gespräch Harders mit dem Steuerfahnder Wiglaff oder der Besuch Harders beim kranken Paul Scheunemann, Vater des verschwundenen Mädchens, das Publikum einfing.

Grabens Bürgermeister Andreas Scharf kündigt die "Bombe des Abends" an

Je weiter der Abend fortschritt umso kräftiger in Farbe und Prozentgehalt waren die verkosteten Weine, was die Gäste sichtlich beschwingte und die Gespräche an den Tischen in immer heiterere Bahnen lenkte. Mit der „Bombe des Abends“, so Moderator Scharf, einem 15 Prozent starken Rotwein aus Apulien, kamen würziger Duft von Thymian, Waldpilzen und Erde und kräftig, feuriger Geschmack von Beeren, Pfeffer und Lorbeer in die Weingläser. Gut, dass dazu die letzte Vorlesesequenz mit Witz und Leichtigkeit dagegenhielt und die Zuhörer weiter erheiterte, als Biedermann professionell im Dialog zwischen Harder und seiner Exfrau Evelyn in Rolle und Stimme hin und her wechselte und die feinen sarkastischen Spitzen der Geschiedenen abfeuerte.

Zu später Stunde gab es unter anderem eine wunderbare Version des französischen Chansons „Les feuilles mortes“, das Sabine Olbing, von Heiner Lehmann auf der Gitarre begleitet, einfühlsam vortrug.

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