Newsticker

Gesundheitsminister: Keine Fans in Bundesliga-Stadien bis 31. Oktober
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Hausbesuche: Ihr Haus spiegelt ihre Reiseleidenschaft wider

Königsbrunn

20.10.2019

Hausbesuche: Ihr Haus spiegelt ihre Reiseleidenschaft wider

Roland Krätschmer und seine Frau Anita im Essbereich ihres Hauses - auf seinen Reisen hat der heutige Sachgebietsleiter des Ordnungsamtes akribisch Tagebuch geführt.
4 Bilder
Roland Krätschmer und seine Frau Anita im Essbereich ihres Hauses - auf seinen Reisen hat der heutige Sachgebietsleiter des Ordnungsamtes akribisch Tagebuch geführt.
Bild: Claudia Deeney

17 Länder und 30 Inseln der Welt hat Roland Krätschmer aus Königsbrunn bereist und dabei faszinierende Mitbringsel gesammelt, die nun sein Haus schmücken.

Wenn man als Besucher zum ersten Mal bei Roland Krätschmer und seiner Frau Anita in Königsbrunn eingeladen ist, weiß man gar nicht wohin man zuerst schauen soll.

Wohnzimmer, Esszimmer, Wintergarten – nirgendwo schaut es so aus, wie in normalen deutschen oder bayerischen Räumlichkeiten. Die diversen Möbel, Schränke, Sitzgelegenheiten, Tische stammen ist zum größten Teil aus Bali. Statt Bildern hängen an den Wänden jede Menge ungewohnte und faszinierende Mitbringsel aus der ganzen Welt, vor allem aus Südostasien und Afrika. Und wie der Gastgeber liebenswürdig aber bestimmt betont: „Kein Touristennepp.“ Das glaubt man auch sofort, denn sogar der Laie sieht: In diesem Haus im Süden der Brunnenstadt haben sich besondere Gegenstände angesammelt und das über Jahrzehnte hinweg.

140 Wochen lang war der Königsbrunner in der Welt unterwegs

Eindrucksvolle Zahlen nennt der in Königsbrunn als Sachgebietsleiter des Ordnungsamtes bekannte Krätschmer zu seinem Dasein als Globetrotter: „29 Reisen nach Südostasien, davon 22 nach Bali, dazu sechsmal nach Afrika und eine Reise um die Welt.“ In 17 verschiedenen Ländern und auf mehr als 30 Inseln hat er Station gemacht und verbrachte dort rund 140 Wochen Gesamtaufenthalt. Und überall wo der Weltenbummler Station machte, hat er Kultur in den verschiedensten Formen und jede Menge Erinnerungen mit nach Hause gebracht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Schon bei seiner ersten Reise hat er akribisch Tagebuch geführt und kann so wirklich jeden einzelnen Gegenstand erklären. Er weiß genau, auf welcher Reise er welche Dinge mitgenommen hat und er unterhält sein Gegenüber amüsant und fundiert zu seinen Kulturgütern. Einfach daheim aufstellen ist nicht seins, er will schon wissen, was er in den Händen hält.

Gute Vorbereitung auch ohne Internet als Quelle

Dazu passt auch sein Interesse generell an Menschen und vor allem natürlich an den Menschen die er auf seinen Reisen getroffen hat. So lässig er oft wirkt, er hat sich schon bevor es das Internet als allzeit verfügbare Informationsquelle gab bestens auf seine Reisen vorbereitet.

1987 machte er sich beispielsweise auf den Weg nach Westneuguinea, genauer gesagt nach Irian Jaya den indonesischen Teil der Insel. „Jung und ungebunden bin ich der Reiseroute von Dr. Weiglein, beschrieben in seinem Reisebuch von 1986, gefolgt“, sagt Krätschmer. Er hatte die geforderten Empfehlungsschreiben dabei, die nötig waren um überhaupt die Erlaubnis des zuständigen Generals in Jakarta zu bekommen, das indonesische Gebiet zu bereisen. Ebenfalls im Rucksack: Kaffee, Zigaretten und Salz. Das brauchte der Gast aus Deutschland zum Tauschen.

Roland Krätschmer wurde von Stamm zu Stamm weitergereicht

Er wurde mit Papieren ausgestattet und dann von Stamm zu Stamm einfach weitergereicht. Eine sprachliche Verständigung war zwar unmöglich – aber zusammen abends rauchen, das war Völkerverständigung die klappte. Mitgebracht hat Krätschmer von dieser ganz besonderen Erlebnistour Pfeile und Bogen, sowie eine Steinaxt, Kopfbedeckung und Kleidung. „Weniger schön und ohne Tausch zu haben waren Flöhe und die Krankheit Malaria“, sagt er. Auch das Essen war gewöhnungsbedürftig: „Ungefähr zwanzig verschiedene Arten Süßkartoffeln gab es und zwar immer aufgeteilt morgens, mittags, abends. Ich habe keinen Unterschied gemerkt, die haben alle gleich geschmeckt“.

Weihnachten 1987 hat er auf den Molukken verbracht und wurde bei einem Festakt persönlich als Königsbrunner begrüßt und überreichte seine mitgebrachte Medaille der Brunnenstadt, wie er sich erinnert: „Das war ein Traum. Ich habe das einzige Hemd getragen, das ich überhaupt dabei hatte.“ Borneo lag dann auch noch auf der Route und von dort hat er Giftpfeile und ein Blasrohr mitgenommen. Das Blasrohr ging auf den diversen Flügen nach Hause verloren und wurde Wochen später vom Briefträger im Ordnungsamt abgegeben.

Aus Borneo brachte er einen Schulranzen mit nach Königsbrunn

In Borneo wurde dem Reisenden die Übernachtung in Balikpapan (Neuguinea) organisiert, seinem Abflughafen auf dem Weg Richtung Heimat. „Nur die Familie wusste gar nichts davon, dass ich kommen soll und dann stand ein weißer vollbepackter 30-Jähriger vor deren Tür, mitten in der Nacht, und die haben mich tatsächlich reingelassen und sich so gefreut, dass ein Deutscher zu Besuch ist.“ Der elfjährige Sohn des Hauses schenkte ihm seinen ganz neuen Schulranzen und diesen hat Krätschmer immer noch und in Ehren gehalten. Als Pilotentasche hatte der Ballonfahrer dieses gute Stück immer mit im Korb.

„Die Freundlichkeit der Menschen generell auf all meinen Reisen hat mich immer angenehm überrascht.“ In Bali fand der Königsbrunner fast eine zweite Heimat. Dort hat er heute noch viele Freunde, die er regelmäßig besucht. Daher sind ein Großteil seiner Möbel und Dekogegenstände aus Bali. Krätschmer verbindet viele schöne Erinnerungen an Begegnungen und schätzt die Kunst der Balinesen.

Sandsteinrelief wurde in zwölf Teilen aus Asien verschifft

Davon hat er sich auch selbst inspirieren lassen und ein großes Sandsteinrelief entworfen, das heute im Wintergarten steht. Er hat den Entwurf um die Legende eines Prinzenpaares und des Affengottes Hanuman selbst gezeichnet und ein Freund auf Bali hat das Werk dann ausgearbeitet. Der Transport ist natürlich generell aufwendig, so wurde das Gemälde in zwölf gleiche Stücke aufgeteilt und von Roland Krätschmer mit Originalsand aus Bali wieder gespachtelt und zusammengesetzt.

So wurde das Haus langsam zum Museum: Masken aus Sri-Lanka, Dolche aus Bali, geschnitzte Echsen auf einem Baumstamm (Bali), Geschirr aus Singapur, Figuren aus Sumatra und tatsächlich auch ganz oben und hinten auf einem Schrank ein paar Bierkrüge von der Königsbrunner Gautsch. Dazwischen hängt eine Gipsmaske, die einem verstorbenen Gorilla vor vielen Jahrzehnten abgenommen und dem 62-jährigen von einem Freund als Zeichen der Wertschätzung geschenkt wurde. Was sich im ersten Moment sehr chaotisch und exotisch anhört, ist trotzdem sehr harmonisch sowie unglaublich faszinierend anzuschauen und passt auch sehr gut zur Persönlichkeit von Anita und Roland Krätschmer. Unkonventionell einerseits, aber sehr liebevoll und akribisch andererseits.

Liebevoll pflegen muss man solche Schätze nämlich auch, wie Anita Krätschmer sagt: „Staubwischen ist ganz schön viel angesagt bei uns.“ Akribisch sein ist hilfreich, weil alle schönen und auch skurrilen Mitbringsel ordentlich deklariert ihren Weg aus ihren Heimatländern nach Königsbrunn angetreten haben. Das gilt auch für Familienhund Minni: Der Rhodesian Rigdeback Rüde ist riesengroß und sehr freundlich, aber auch ein prima Wachhund und natürlich importiert – diesmal aus Südafrika.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren