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Königsbrunn

16.03.2019

Heimpremiere für einen tiefgründigen Film

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2 Bilder
Diese Szene aus dem Film "Sandmädchen" ist das Lieblingsbild von Veronika Raila.
Bild: worklights media Production/Mark Michel

Die Königsbrunnerin Veronika Raila gibt den Zuschauern in „Sandmädchen“ Einblicke in ihre Gefühlswelt. Das Werk  soll anderen behinderten Menschen Mut machen.

Der 24. März wird ein besonderer Tag im Leben von Veronika Raila – was durchaus etwas heißen will bei einer jungen Frau, der man zunächst Intelligenzquotient null bescheinigte und die heute Literaturwissenschaft studiert, Gedichte schreibt und als Co-Autorin eines preisgekrönten Films in ganz Deutschland Auftritte hat. Doch dass ebendieser Film „Sandmädchen“ am Sonntag, 24. Mai, um 10.30 Uhr erstmals in ihrer Heimatstadt Königsbrunn im Kino gezeigt wird, vor Freunden und Familie, das ist schon eine ganz eigene Hausnummer.

Dem wird im Vorfeld alles untergeordnet. Das Vorgespräch macht Mutter Petronilla ohne ihre Tochter. Die liegt mit Grippe im Bett und soll sich auskurieren, damit sie am großen Tag wieder fit ist. Bei der Gästeliste hat sie fleißig mitgeholfen: „Und sie freut sich jedes Mal, wenn wieder eine Zusage kommt.“ Ein schickes Kleid für die „Heimpremiere“ des Spielfilms hängt ebenfalls schon im Schrank.

Aus acht Minuten wurde ein abendfüllender Film

„Sandmädchen“ ist ein Werk von Filmemacher Mark Michel und Veronika Raila. Der Leipziger Dokumentarfilmer hatte bereits einen Kurzfilm mit der Königsbrunnerin gedreht. Doch es waren viel mehr Ideen da, als in die acht Minuten passten. Daher entschied man sich, eine Langversion zu schaffen. Seit 2011 wurde immer wieder gedreht, Veronika Raila braucht immer wieder längere Pausen, um sich geistig und körperlich von den Strapazen zu erholen. Sechs Jahre dauerte es, bis der Film abgedreht war. Auch, weil die Königsbrunnerin immer wieder an den Texten feilte: „Das kann bei Autisten schon etwas länger dauern, bis wirklich jedes Wort perfekt ist“, sagt Petronilla Raila und lächelt. Gezeigt werden im Film Szenen, die Veronikas Gefühlswelt beschreiben und anderen zeigen, wie sie die Welt wahrnimmt.

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Das Hauptanliegen ist, zu zeigen, dass man auch mit schwerer Behinderung ein erfülltes Leben führen kann. Und, dass es Menschen mit gestützter Kommunikation ermöglicht werden kann, sehr selbstbestimmt, dieses Leben anzugehen. Diese Botschaft komme an, sagt Petronilla Raila: Man habe schon viele positive Rückmeldungen von Menschen mit Behinderung bekommen.

Unterm Apfelbaum und in der Unibibliothek

Bei den Einblicken in Veronika Railas innere Welt sind viele besondere Einstellungen zusammengekommen: Eine Szene mit Oma und Mutter unter einem Apfelbaum war ihr sehr wichtig, ebenso eine Einstellung in der Unibibliothek, wo sie sich von den Büchern beschützt fühlt. Ein besonderer Ort für die 27-Jährige ist Kirche San Antonio in Padua samt dem Klostergang, weil er ihr ein Gefühl von Zeitlosigkeit, von Ewigkeit gibt.

Ein Lieblingsbild, auch von Mutter Petronilla, entstand zudem auf einer Wanderdüne in Polen. Die Mutter war lange gegen den Vorschlag der Filmfirma – die lange Fahrt, die Anstrengung, den Rollstuhl auf die Sanddüne zu bugsieren. Doch Tochter und Vater paktierten mit dem Filmteam, eine spezielle Konstruktion wurde entwickelt, um Veronika Railas Rollstuhl wie einen Schlitten auf der Düne herumziehen zu können. „Veronika hat darauf bestanden. Was unmöglich scheint, sieht sie als Herausforderung“, sagt Petronilla Raila. Letztlich habe es sich aber gelohnt. Im Film steht sie mit ihrer Mutter und einem roten Sonnenschirm auf dem endlos scheinenden Sandmeer.

Unterwegs in ganz Deutschland

Seit der Premiere auf dem Dokumentarfilm-Festival in Leipzig sind die Railas immer wieder bei Vorführungen in Deutschland zu Gast. Kurz nach der Vorführung in Königsbrunn geht es zum Bundesbehindertenbeauftragten nach Berlin. Eine weitere Besonderheit des Films ist, dass er als erster abendfüllender Kinofilm komplett inklusiv auch für hör- und sehbehinderte Menschen bearbeitet ist. Danach geht es noch zu einer Vorführung nach Potsdam. Durchaus ein strammer Zeitplan, sagt Petronilla Raila: „Wegen der räumlichen Nähe ging es mit den zwei Terminen an zwei Tagen. Danach braucht Veronika dann aber wieder einige Tage Pause.“

Allzu oft gesehen, haben die Railas „Sandmädchen“ aber noch nicht. Bei vielen Veranstaltungen kommen sie erst nach Ende des Films in den Kinosaal für Diskussionsrunden. Zu viel des Guten schade nur, sagt Petronilla Raila: „Man sieht ja im Nachhinein immer etwas, das einem nicht gefällt. Wenn man das Doppelkinn sieht oder die eigene Stimme komisch klingt.“

Bei der Matinée am 24. März, die das Königsbrunner Kulturbüro gemeinsam mit dem Cineplex-Kino organisiert, ist nach dem Film eine Diskussionsrunde angedacht. Regisseur Mark Michel ist dabei ebenso vor Ort, wie Veronika Raila nach hoffentlich auskurierter Krankheit. Gefreut haben sich Mutter und Tochter, dass sich Staatssekretärin Carolina Trautner angekündigt hat. Karten gibt es an der Kinokasse. Veronika Raila und ihre Mutter freuen sich auf den Vormittag und hoffen, auf ein volles Kino. „Ich bin vor allem froh, wenn der Termin endlich da ist, weil es im Vorfeld so viel zu organisieren gibt“, sagt Petronilla Raila. Doch dann möchte die Familie ihre Heimpremiere voll auskosten.

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