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Bobingen

12.09.2019

Hier wird aus Abwasser wieder Wertachwasser

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3 Bilder
Vom Turm des Klärwerks hat Wasserversorgungschef  Bernhard Langert eine gute Aussicht über die gesamte Anlage.
Bild: Elmar Knöchel

Die Bobinger Kläranlage steht ein wenig abseits. Doch das Werk ist technisch hochwertig. Die Mitarbeiter können es bei Bedarf sogar vom Wohnzimmer aus steuern.

123 Liter Trinkwasser – das ist die Menge, die jeder Deutsche statistisch gesehen am Tag verbraucht. Die meisten Einwohner Bobingens wissen, woher ihr Wasser kommt. Spätestens seit dem Abkochgebot im vorigen Jahr kennen alle die Brunnen im Wald bei Straßberg und den Hochbehälter am Grillplatz. Doch wohin geht das Wasser, wenn es seinen Zweck erfüllt hat und nicht mehr als Trinkwasser gilt, sondern mehr oder weniger verschmutzt durch den Abfluss rauscht? - Richtig.

Durch das ungefähr 135 Kilometer lange Kanalsystem der Stadt kommt es irgendwann in der Kläranlage an. Im Auwald beim Bobinger Krankenhaus liegt die Anlage gut versteckt im Wald. Dabei bräuchte sich das große und moderne Klärwerk gar nicht zu verstecken. Denn es leistet einen äußerst wichtigen Beitrag zum sorgenfreien Leben in der Stadt, zum Umweltschutz und natürlich auch für die Sauberkeit der Wertach, in die das Wasser nach der Reinigung schließlich entlassen wird. Die Anlage stammt zwar schon aus dem Jahr 1978, wurde aber durch ständige Erweiterung, Nachrüstung und Modernisierung auf dem neuesten Stand gehalten.

Bobinger Rechenanlage gehört zum Modernsten auf dem Markt

Abwassermeister Dieter Panhans ist stolz auf die 2018 erneuerte Rechenanlage. „Das ist das Modernste, was derzeit am Markt ist“, erklärt er. Dieser Rechen ist dafür zuständig, feste Bestandteile aus dem Abwasser zu fischen, damit die Pumpen und Wasserwege im Klärwerk frei bleiben. Aber auch die anderen technischen Einrichtungen in der Bobinger Anlage können sich durchaus sehen lassen. So wurde im Jahr 1996 ein zweites Nachklärbecken in Betrieb genommen. Somit sind nun Wartungsarbeiten an den Becken jederzeit möglich, ohne den Betrieb unterbrechen zu müssen.

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Die Hälfte seines Betriebsstromes erzeugt die moderne Technik selbst. Im Blockheizkraftwerk werden die anfallenden Fäulnisgase aus der Abwasserklärung zu Strom und Heizwärme umgewandelt. Bereits 2011 wurde die gesamte Steuerungsanlage digitalisiert. Wer in der Leitwarte viele blinkende Lämpchen und Bedienknöpfe erwartet, der wird bitter enttäuscht. Lediglich zwei große Bildschirme und eine Tastatur sind zu sehen. Von hier aus wird das Werk gesteuert, über Servomotoren werden Schieber betätigt, Pumpen aktiviert und deaktiviert. Nicht einmal eine Bereitschaft muss nachts im Werk sein. Denn im Notfall lässt sich die Anlage auch vom Computer von zu Hause aus steuern.

Mikroorganismen sind die wichtigsten Mitarbeiter

Geklärt wird das Wasser in Bobingen in drei Arbeitsschritten. Bei der mechanischen Klärung werden über den Rechen Feststoffe entfernt. Im Sandabscheider werden Sand und Leichtstoffe abgezogen. Über das Vorklärbecken geht es dann in die biologische Reinigung. Im Belebungsbecken werden unter Zuhilfenahme biologischer Effekte Verunreinigungen entfernt. „Unsere wichtigsten Mitarbeiter sind die Mikroorganismen, die in unseren Klärbecken leben“, erklärt Panhans.

Diese Mikroorganismen würden letztlich die ganze Arbeit erledigen. Die Zusammensetzung dieses Konglomerates aus Bakterien und Kleinstlebewesen sei laut Panhans in jeder Kläranlage anders. Sie würde im Laufe der Zeit durch die vorherrschenden Bedingungen entstehen. „Was in einer Anlage gut funktioniert, kann in einer anderen Anlage absolut fehl am Platz sein“, sagt der Leiter. Denn die Anforderungen seien je nach Aufkommen der verschiedenen Abwässer durchaus unterschiedlich.

In Bobingen muss neben dem normalen Abwasser auch das Industrieabwasser geklärt werden

So seien die Anforderungen, die an die Bobinger Anlage gestellt werden durchaus vielfältig. Schließlich seien nicht nur die „normalen“ Abwässer der Bevölkerung zu klären, es gäbe auch noch die Industrieabwässer aus der Textilverarbeitung aus dem Bobinger Werk. Und das Krankenhaus stelle einen weiteren Faktor dar. Doch „seine“ Mikroorganismen hätten das alles wunderbar im Griff, freut sich Panhans. In der dritten Reinigungsstufe, einer chemischen Klärung, würden dann die im Wasser enthaltenen Phosphate durch den Einsatz von Eisen-III-Chlorid ausgefällt. Jeder Liter Wasser bliebe ganze drei Tage in den jeweiligen Anlagenteilen bis er am Ende dann guten Gewissens in die Wertach entlassen werden könne.

Auch Bürgermeister Bernd Müller ist stolz auf die moderne Anlage in Bobingen. Obwohl es über die Jahre immer wieder Angebote gegeben habe, die Anlage zu privatisieren, sei das für ihn nie eine Option gewesen: „Historisch gesehen gehört die Wasserwirtschaft zu den Grundversorgungsaufgaben einer Gemeinde. Die hierfür nötige Infrastruktur sollte unbedingt in kommunaler Hand bleiben. Es muß immer der Bürger im Mittelpunkt stehen und nicht die Rendite.“

Bobingens Bürgermeister will bei der Wasserversorgung keine Kompromisse machen

Was passieren könne, wenn es Probleme im Bereich der Wasserversorgung gebe, hätten die Bobinger Bürger im letzten Jahr drastisch vor Augen geführt bekommen. Aktuell müssten die Gersthofer Bürger mit einem Abkochgebot leben. Dies zeige, dass im Bereich Wasserversorgung, wozu auch die Entsorgung des Abwassers gehöre, keine Kompromisse gemacht werden dürften. Daher sei es immens wichtig, dass solche Anlagen in kommunaler Hand blieben. Letztlich würde dies auch langfristig Arbeitsplätze sichern.

Immerhin arbeiten in der Bobinger Kläranlage fünf Mitarbeiter. Regelmäßig werden dort auch Auszubildende beschäftigt. Auf diese Weise könne man den nötigen Nachwuchs selbst an die späteren Aufgaben heranführen. Denn nur durch ständige Modernisierung und engagiertes Personal könne die Leistungsfähigkeit der Bobinger Kläranlage in Zukunft erhalten werden, gibt Bernd Müller zum Abschluss zu bedenken.

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