Newsticker

Bund und Länder beschränken Feiern in öffentlichen Räumen auf 50 Teilnehmer
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Hiltenfingen musste den Schwabmünchnern helfen

20.07.2010

Hiltenfingen musste den Schwabmünchnern helfen

Ein Blick in die Pumpstation. Das Foto stammt aus dem Jahr 1911. Fotos: Stadtarchiv
2 Bilder
Ein Blick in die Pumpstation. Das Foto stammt aus dem Jahr 1911. Fotos: Stadtarchiv

Schwabmünchen "Am Sonntag, den 4. April 1909, nachmittags 3 Uhr, fand in dem geräumigen Postkellersaale dahier eine von der hiesigen Einwohnerschaft sehr zahlreich besuchte Versammlung statt (...)."

Eine Bürgerversammlung also. Einberufen hatte sie der Wasserversorgungsausschuss der Marktgemeinde. Zweck der Versammlung war es, die Wasserversorgungsanlage "vor der breiten Öffentlichkeit zu besprechen und das Interesse der Hausbesitzer für den Anschluss an die Wasserleitung zu fördern".

Gefährliche Pumpbrunnen

Es war ein wenig Öffentlichkeitsarbeit notwendig, um den Schwabmünchnern den Anschluss an eine so moderne Einrichtung schmackhaft zu machen. Beschlossen war der Bau der Wasserversorgungsanlage zu diesem Zeitpunkt allerdings schon lange. Und das aus gutem Grund.

Hiltenfingen musste den Schwabmünchnern helfen

Die Praxis, das Wasser über Pumpbrunnen zu beziehen, wurde zunehmend als Ursache für Erkrankungen ausgemacht. Abfallstoffe aus Haushalt, Handwerk und Landwirtschaft versickerten - zusammen mit dem Inhalt undichter Versitzgruben - im Boden und drangen in das Wasser ein, das sich die Menschen als Trinkwasser aus ihren Brunnen pumpten.

Eine flächendeckende Untersuchung aus dem Jahr 1906 hatte ergeben, dass von sämtlichen Wasserproben aus 27 Pumpbrunnen nur zwei genießbar waren. Alle anderen waren schwer belastet und "als Nutz- und Trinkwasser nicht geeignet", wie es im Gutachten hieß.

Dennoch dauerte es eine Weile, bis sich das kostenpflichtige Wasser aus der Leitung in den Schwabmünchner Haushalten durchsetzte. Noch in den 1960er Jahren waren längst nicht alle angeschlossen.

Doch zurück zu den Anfängen der Wasserversorgung: Was ist zu tun, wenn das Wasser im eigenen Boden vergiftet ist? Man holt sich Wasser von anderswo. Bereits Jahre zuvor hatte man sich nach geeigneten Gebieten umgesehen und drei Örtlichkeiten ins Auge gefasst: ein Gebiet bei Schwabmühlhausen, die Afraquelle in Schwabmünchens Süden und das "Saugriesle" bei Hiltenfingen.

Der Afrabrunnen wäre nicht ergiebig genug gewesen, die Schwabmühlhauser Lösung zu teuer. Es blieb das Saugriesle. Probebohrungen verliefen erfolgreich und lieferten hervorragende Ergebnisse. Doch Schwabmünchens Trinkwasserparadies lag auf Hiltenfinger Grund. Eine Anfrage musste gestartet werden, ob das kleine Hiltenfingen bereit war, der großen Marktgemeinde aus ihrer peinlichen Lage zu helfen. Man verhandelte und schließlich ging die Quelle mit umliegendem Gebiet für 5500 Mark über den Tisch.

Als im März 1910 die öffentliche Wasserversorgung in Betrieb genommen wurde, wollte auch Hiltenfingen angeschlossen werden. Der Magistrat stimmte zu, und 1927 war es so weit. "Schwabmünchner" Wasser sprudelte nun auch in Hiltenfingen aus dem Wasserhahn.

Auch Mittelstetten will Wasser

Schwabmünchen hatte im Winter 1933/34 eine Erweiterung des Wasserwerkes ins Auge gefasst und umliegende Gemeinden angeschrieben, ob sie an einem Anschluss interessiert seien. Großaitingen hatte abgelehnt. Der Mittelstetter Gemeinderat befürwortete den Anschluss. Birkach, Klimmach und Schwabegg schlossen sich später dem 1967 gegründeten Zweckverband Staudenwasserversorgung an.

In der Folge galt das Augenmerk der Stadt der Sicherstellung der Wasserversorgung (siehe Info) und der Wasserqualität. 1991 konnte die neue Versorgungsanlage mit Wasseraufbereitung in Betrieb genommen und die Sanierung des Hochbehälters im Wasserturm durchgeführt werden. Wasser steht nun nicht nur in ausreichender Menge, sondern auch in hervorragender Qualität zur Verfügung.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren