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02.07.2010

Historie zeigt sich unter dem Strohdach

Oberschönenfeld Einst lebten Bauern im Gessertshauser Ortsteil Döpshofen in dem kleinen, strohgedeckten Gebäude. Nun hat es seit mittlerweile 30 Jahren ein neues Domizil in Oberschönenfeld gefunden: Am Sonntag, 4. Juli, werden von 11 bis 17 Uhr 30 Jahre Bauernmuseum Staudenhaus groß gefeiert.

Nur wenige Bewohner Döpshofens erinnern sich heute noch daran, dass an der Scheppacher Straße bis zum Jahr 1975 das letzte strohgedeckte Bauernhaus des Landkreises Augsburg gestanden ist. Zu den Besonderheiten dieses Gebäudes gehört das wetterseitig bis zum Erdgeschoss heruntergezogene Dach. Dieser in Schwaben einst weitverbreitete kleinbäuerliche Haustyp hat sich im Südwesten von Augsburg - in den Stauden - am längsten erhalten, was ihm nachträglich den Namen Staudenhaus eintrug.

Ursprünglich gehörte das Döpshofener Wohnstallhaus zur Dorfschmiede. Es wurde allerdings mehrfach umgebaut und diente zeitweise sogar als Dorfschule.

Eigentümer waren arm

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Wie Staudenhaus-Museumschefin Claudia Ried erklärt, handelte es sich um eine Sölde. Die Eigentümer waren zu arm, um Pferde zu halten, es habe aber immer zwei bis drei Kühe gegeben, deren Milch man verwenden konnte. Das Strohdach sorgte dafür, dass im Haus immer ein reichlich zugiges Klima herrschte. Nur in der Stube gab es, wie damals üblich, eine Heizmöglichkeit. Bad und Wasseranschluss waren ebenfalls nicht vorhanden. "Als im März 1973 beim Landratsamt Augsburg der Abbruchantrag für dieses Haus eingereicht wurde, war es höchste Zeit zum Handeln", schreibt Professor Hans Frei in einem Beitrag zur Heimatkunde des Landkreises Augsburg im Jahr 1985. Der frühere Bezirksheimatpfleger setzte sich gegen viele Widerstände für die Rettung des Gebäudes ein und schaffte es auch, dass es seine endgültige Bleibe im Umfeld des Schwäbischen Volkskundemuseums Oberschönenfeld fand. Dafür wurde es Stein für Stein und Strohhalm für Strohhalm abgebaut und neben der Schwarzach wieder aufgestellt. Das Grundstück zwischen Schwarzach und dem Waldrand wurde dem Landkreis vom Kloster in Erbpacht überlassen.

Das Staudenhaus hat sich inzwischen als beliebtes Ausflugsziel in den Westlichen Wäldern etabliert. Die Besucher - jährlich werden davon jeweils rund 3000 gezählt, und das obwohl lediglich Samstag, Sonntag und an Feiertagen geöffnet ist - können sich, nicht zuletzt anhand von Gegenständen des alltäglichen Brauchs, einen Eindruck vom Leben armer Bauern im 19. Jahrhundert machen.

Zum Jubiläumsfest bietet das Staudenhaus ein besonderes Zuckerl: Dieter Rothenfußer hat aufgrund von Fotos der früheren Eigentümer des Gebäudes ein Modell gebaut, welches das Haus in allen Details zeigt. Es ist am Sonntag zu bewundern.

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