Newsticker
Ämter melden 15.974 Corona-Neuinfektionen und 1148 neue Todesfälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Hochwasser vor 15 Jahren: Gestrandet in der Flutnacht in den Stauden

Stauden

23.08.2020

Hochwasser vor 15 Jahren: Gestrandet in der Flutnacht in den Stauden

Bilder einer dramatischen Nacht in den Stauden: Starke Regenfälle ließen Bäche über die Ufer treten. Straßen wurden überschwemmt und viele Keller geflutet.
5 Bilder
Bilder einer dramatischen Nacht in den Stauden: Starke Regenfälle ließen Bäche über die Ufer treten. Straßen wurden überschwemmt und viele Keller geflutet.

Plus Vor 15 Jahren war in vielen Teilen der Region Land unter. Zwei Mitarbeiter kamen nicht mehr weiter. Sie erinnern sich an eine aufregende Nacht in den Stauden

Vor 15 Jahren kam das Wasser: Es regnete in Strömen. Von vielen Hängen tobten Sturzbäche ins Tal, rissen Kies und Schlamm mit und unterspülten Straßen. Besonders die Stauden waren betroffen: Der Pegel der Neufnach stieg so weit an, dass sämtliche Übergänge gesperrt werden mussten. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, viele Anwesen gingen regelrecht unter, Menschen standen hüfthoch im Wasser. Die dramatische Nacht haben Mitarbeiterin Karin Marz und Redakteur Maximilian Czysz nicht vergessen.

„Auch wenn es mittlerweile 15 Jahre her ist, habe ich die Nacht auf den 23. August 2005 noch sehr gut in Erinnerung. Es regnete damals bereits seit Tagen anhaltend, aber dies störte mich noch nicht, saß ich doch den ganzen Tag an meinem Büro-Arbeitsplatz in Augsburg im Trockenen“, sagt Karin Marz. Sie entschied sich, wegen der vielen Arbeit Überstunden zu machen – ein Fehler, wie sich später herausstellte. „Denn wäre ich an diesem Abend früher noch Hause gefahren, vielleicht hätte ich es noch ohne Probleme geschafft, in Walkertshofen anzukommen.“ Gegen 18.30 Uhr machte sie sich auf den Nachhauseweg in die Stauden. Es schüttete wie aus Kübeln. Weil auf der Straße zwischen Fischach und Wollmetshofen bereits ziemlich hoch das Wasser stand, entschied sich Karin Marz, umzudrehen und über Siegertshofen nach Hause zu fahren.

Karin Marz strandete wegen des Hochwassers in Siegertshofen.
Bild: Marz

In Siegertshofen war die Schmutter über die Ufer getreten

Doch auch diese Strecke war alles andere als besser. Die Fahrbahn war teilweise nicht mehr zu erkennen, so hoch stand das Wasser. Doch gleich am Ortseingang von Siegertshofen war die Straße abgeriegelt, und die Feuerwehr erklärte, dass die Schmutter über die Ufer getreten sei und es kein Durchkommen mehr gebe. „Meine Schuhe waren bereits triefnass, als Bewohner eines angrenzenden Wohnhauses mich einluden, die Wartezeit in ihrem Haus zu überbrücken. Über diese nicht selbstverständliche Hilfsbereitschaft habe ich mich nicht nur damals sehr gefreut, sondern erinnere ich mich auch heute noch dankbar daran.“ Anfangs dachte Karin Marz noch, dass sie nur eine kurze Zeit warten müsste. Weit gefehlt. „Mein Mann versuchte zwar noch nach Siegertshofen zu gelangen, um mich abzuholen. Doch alle Wege waren mittlerweile überflutet.“

So vergingen die Stunden mit Warten. Als es gegen 23 Uhr noch immer keine Entwarnung seitens der Feuerwehr gab, boten ihr die Gastgeber freundlicherweise an, in ihrem Wohnzimmer übernachten zu dürfen. Sie holten Matratzen, Decken und Kissen, „denn nicht nur ich war bei der Familie in Siegertshofen gestrandet, sondern auch eine junge Frau mit ihren beiden kleinen Kindern, die ebenso nicht nicht mehr nach Hause fahren konnte“. Doch an Schlafen war zuerst nicht zu denken, denn eines der Kinder konnte ohne seinen Schnuller nicht einschlafen. Der lag aber zu Hause. Die Tochter der Gastgeber hatte schließlich eine zündende Idee: Zu ihrem Geburtstag hatte sie aus Spaß einen Schnuller geschenkt bekommen. Dieser wurde kurzerhand ausgekocht, und das Kind konnte schließlich einschlafen. „So verbrachte ich die Nacht mit mir völlig fremden Menschen im Wohnzimmer von mir ebenfalls Unbekannten, bevor ich am nächsten Morgen endlich nach Hause fahren konnte. Doch das war mir in dieser Ausnahmesituation egal, schließlich war ich einfach froh darüber, ein Dach über dem Kopf zu haben und im Trockenen zu sein.“

Am Bahnübergang in Walkertshofen hatte sich ein See gebildet

Gestrandet war in dieser Nacht auch Redakteur Maximilian Czysz. Er hatte sich auf der Fahrt in die Stauden schon über die schwarzen Wolken gewundert, die den früheren Abend zur finsteren Nacht machten. In Mickhausen schossen Sturzbäche vom Hang auf die Straße. Unglaublich! In Richtung Fischach und Langenneufnach waren die Straßen gesperrt. Was tun? Umdrehen. Über die kleinen Staudensträßlein ging es nach Walkertshofen. Dort hieß es, dass nur noch Straßen im oberen Neufnachtal frei seien. Mit jeder weiteren Minute verschlechterte sich die Situation. „Die Sicht wurde immer schlechter, die Straßen verschwanden zusehends“, sagt Czysz, der sich entschloss, das Auto in Walkertshofen abzustellen.

Maximilian Czysz verbrachte den Abend im Gerätehaus der Walkertshofer Feuerwehr.
Bild: Jochen Aumann

Dort hatte sich am Bahnübergang ein riesiger See gebildet, durch den sich nicht einmal mehr die Traktoren wagten. Am Feuerwehrhaus wollte sich Czysz erkundigen, welche Straßen noch passierbar seien. Im Gespräch wurde klar, dass es viel zu gefährlich ist, in der Nacht noch einmal loszufahren. „Spontan wurde ich eingeladen, im Gerätehaus zu warten.“ Dort saßen bereits andere gestrandete Autofahrer. Aus Minuten wurden Stunden. Die versüßten Anwohner mit heißen Getränken und Kuchen. Czysz: „Eine tolle Gastfreundschaft, die ich nicht vergessen werde.“ Gegen 2 Uhr in der Nacht hatte sich die Situation entspannt, und der damals 30-Jährige konnte weiter.

Mehr zum Thema Hochwasserschutz lesen Sie hier

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren