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Neuburg/Lagerlechfeld

29.04.2015

„Ich hätte es hier auch noch länger ausgehalten“

Oberst Frank Gräfe nach seinem letzten Flug mit einem Eurofighter. Ziel war der Fliegerhorst Lechfeld, wo er von engen Vertrauten und Geschwaderangehörigen mit fliegerischem Brauch verabschiedet wurde. Gestern folgte das militärische Zeremoniell in Neuburg an der Donau.
Bild: Habermeier

Frank Gräfe verlässt heute das Taktische Luftwaffengeschwader und übergibt den Stab an seinen Nachfolger Holger Neumann. So ganz loslassen kann er aber noch nicht.

Besser wird es nicht. Darin waren sich alle bisherigen 17 Kommodores des Luftwaffengeschwaders in Neuburg einig. 1000 Soldaten unter sich, als aktiver Pilot den Himmel über sich und eine Region hinter sich, die für ihr gutes Verhältnis zur Bundeswehr bekannt ist. Kommodore in Neuburg oder am Lechfeld zu sein – das war für so manchen ein Traumjob. Auch Oberst Frank Gräfe wäre gerne noch länger geblieben. Seit der Auflösung des Tornado-Geschwaders gehörte auch der Fliegerhorst am Lechfeld zu seinem Eurofighter-Geschwader und er hat oft deutlich gesagt, wie er die Verwurzelung der Bundeswehr in der Bevölkerung am Lechfeld und an der Heimatbasis in Neuburg schätzt.

Doch für ihn geht es weiter nach Berlin ins Kommando Luftwaffe, der höchsten Ebene der Luftwaffe unter dem Verteidigungsministerium. Heute übergibt er seinen Stab beim Geschwaderwechsel an seinen Nachfolger Oberstleutnant Holger Neumann. Im Gespräch mit unserer Zeitungschwärmt Gräfe vom Geschwader, von Neuburg, vom Fliegen – und ein bisschen auch von Frauen und von seiner eigenen Heimat.

Herr Gräfe, in vier Tagen geht es für Sie nach Berlin. Der wievielte Umzug ist das für Sie?

Gräfe:Da muss ich kurz rechnen: Von Roth nach Fürstenfeldbruck, nach Neubiberg, nach Amerika, in Amerika bin ich auch noch mal umgezogen, dann nach Rheinland-Pfalz, nach Rostock, nach Neuburg, nach Hamburg, nach Wittmund, nach Aurich, nach Bonn und jetzt nach Berlin - der 13., und das in 27 Jahren.

Hatten Sie nie das Bedürfnis, einmal heimisch zu werden?

Gräfe: Also im Nachhinein betrachtet waren meine Stationen immer toll, denn das waren ja alles tolle Standorte.

Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Gräfe: Zum einen hatte ich hier die Führungsverantwortung über 1000 Soldaten, und zusammen mit ihnen habe ich auch viel gemacht. Ich bin beispielsweise zu Übungen nach Norwegen oder Schleswig-Holstein mitgeflogen. Am 14. Juli 2013 sind wir zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags über die Champs-Élysée geflogen. Das sind Sachen, die macht man ja sonst nirgends, als auf der Geschwaderebene. Zum anderen habe ich noch nie so ein gutes Verhältnis zwischen Bevölkerung und Militär erlebt, wie es hier der Fall ist.

Welches Ereignis in den vergangenen zwei Jahren würden Sie als Ihr persönliches Highlight bezeichnen?

Gräfe: Oh, das ist wirklich schwierig! Aber der Flug über Paris mit 60 Flugzeugen war schon wirklich cool.

Der Ruf nach Berlin: Hätte er nach Ihrem Geschmack auch später kommen können oder kommt er gerade zur rechten Zeit?

Gräfe: Wenn’s nach mir gegangen wäre, hätte er auch später kommen können, weil das hier eine Traum-Verwendung ist, weil ich hier eine Personalverantwortung über 1000 Leute habe, weil ich hier selbst fliegen kann und weil das Umfeld in Neuburg toll ist. Deshalb hätte ich es hier auch noch länger ausgehalten.

In Berlin übernehmen Sie im Kommando Luftwaffe das Referat für fliegende Waffensysteme. Ist das eine Aufgabe, die Sie sich auch selbst ausgesucht hätten?

Gräfe:Das Schöne ist, dass ich weiß, wie es da zugeht, weil ich von 2008 bis 2012 schon einmal als Referent dort war. Aber wenn man den neuen Job vom Fliegerherz her betrachtet, ist er halt insofern nicht mehr so toll, weil man selbst nicht mehr fliegen darf. Dafür hat man aber direkt mit den fliegenden Waffensystemen zu tun.

Wie geht es in den nächsten Jahren weiter mit Frank Gräfe?

Gräfe:Das Schicksal ist durch irgendwelche göttlichen Fügungen vorherbestimmt (lacht). Nein, im Ernst: Kann ich nicht sagen. Ich gehe jetzt erst mal nach Berlin. Was danach passiert, dafür gibt es keinen – zumindest mir – bekannten Plan.

Werden Sie mit Neuburg in Verbindung bleiben?

Gräfe:Hoffe ich doch, schließlich habe ich hier so viele nette Leute kennengelernt. Außerdem gibt es so viele tolle Sachen, wofür man immer wieder herkommen kann – zum Beispiel das Schlossfest.

Gibt es einen Rat, den Sie Ihrem Nachfolger, Oberstleutnant Holger Neumann, gerne mit auf den Weg geben möchten?

Gräfe: Das Schöne an meinem Nachfolger ist, dass er schon seit zwei Jahren da ist. Wenn ein Neuer kommt, ist das normalerweise ja erst mal ein bisschen unruhig, weil derjenige eingearbeitet werden muss und alle Leute kennenlernen muss. Insofern wird das jetzt ein sehr ruhiger und harmonischer Übergang, weil Holger Neumann in allen Prozessen drin ist.

Was fällt Ihnen spontan bei folgenden Schlagworten ein? Zum Beispiel Afghanistan?

Gräfe: Das war eine super positive Erfahrung für mich.

Fliegen?

Gräfe: Das ist ein tolles Erlebnis – vor allem mit dem Eurofighter.

Frauen?

Gräfe: (lacht) Das ist auch ein tolles Erlebnis.

Freizeit?

Gräfe: Hatte ich in den vergangenen zwei Jahren sehr wenig. Aber mein Beruf war mein Hobby.

Heimat?

Gräfe: Das ist natürlich trotz aller Umzüge mein Saarland, wo meine Familie schon seit ein paar Hundert Jahren wohnt. Ich bin der Erste aus meiner Familie, der dieses Dorf verlassen hat.

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