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Königsbrunn

28.08.2018

Ihre Freundschaft fliegt weit

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3 Bilder
Bernd Pommé (rechts) flog nach Arizona/USA, um seinen Freund und Medizinmann Tom Warcloud zu suchen. Der ehrte seinen weißen Freund mit dem nun offiziellen Indianernamen "Flys far" - Fliegt weit.
Bild: Bernd Pommé

Durch einen Schicksalsschlag lernt Bernd Pommé einen indianischen Medizinmann aus den USA kennen. Als der Kontakt abbricht, macht er sich auf die Suche.

Als Polizeibeamter im Kriminaldauerdienst suchte Bernd Pommé nach Spuren, die ihn zu den Verbrechern führten. Im Ruhestand nun, ging er Spuren nach, um einen verschollenen Freund wieder zu finden. Am Ende flossen Tränen und Pommé erhielt den Indianernamen Flys Far, „fliegt weit“. Denn sein Freund ist Medizinmann bei den Sioux-Indianern und Pommé flog nach Arizona/USA, um ihn zu finden.

Doch zur ganzen Geschichte: Der Königsbrunner Bernd Pommé und seine Frau hatten schon immer ein Faible für die USA. Sie heirateten in Los Angeles, ein befreundeter amerikanischer Polizist wurde Trauzeuge und im Ruhestand wollten beide dorthin auswandern. Sie kauften ein Haus, das dort auf sie wartete und zwischenzeitlich vermietet wurde. Doch dann kam alles anders. Pommés Frau erkrankte schwer und lag lange Zeit im Krankenhaus. Freunde organisierten in der Zeit eine Indianer-Zeremonie für die Schwerstkranke – eine nette Geste, wie Pommé fand. Als er dann ins Krankenhaus kam und seine Frau ihn im Bett sitzend begrüßte, war er schon verwundert und als abends noch der Anruf kam, dass sechs Medizinmänner drei Tage und drei Nächte eine Zeremonie abgehalten und Energie geschickt hätten, wusste er nicht mehr, was er glauben sollte.

Gefühl der Verbundenheit wie bei Brüdern

2004 flog das Ehepaar dann wieder in die USA, um sich bei den Medizinmännern zu bedanken. Dazu gehörte auch Tom Warcloud, „Gewitterwolke“. Pommé und Warcloud spürten sofort eine Seelenverwandtschaft: „Als wenn wir Brüder gewesen wären.“ Der 65-Jährige lächelt viel, wenn er seine Geschichte erzählt und seine Begeisterung für das Leben und die Kultur der Indianer ist in jedem Satz zu spüren.

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„Indianer respektieren die Natur und leben mit ihr“, erklärt Pommé. Warcloud kämpfte für die Rechte der Indianer, sagte Drogen und Alkohol in den Reservaten den Kampf an, ist kundig im Umgang mit Heilpflanzen und spielt neun Musikinstrumente. Eine seiner veröffentlichten CDs flog sogar mit dem Space Shuttle zur Raumstation ISS. Und Warcloud stellte für Pommé den Kontakt zur Tribal Police her, der Stammespolizei in den verschiedenen Reservaten. Denn der pensionierte Polizist sammelt mit Begeisterung Polizei-Abzeichen der Stammes-Polizei – aber das ist eine andere Geschichte.

Pommés Frau starb 2013 und das Haus in USA hat er verkauft. Aber der E-Mail-Kontakt mit Warcloud war immer noch intensiv. Umso erschrockener war der Königsbrunner, als er plötzlich keine Antworten mehr bekam. „Ich wusste nicht, ist er tot, ist er schwer krank“, sagt Pommé, der sich daraufhin ins Flugzeug setzte. Tom Warcloud war zwischenzeitlich umgezogen und Pommé kannte weder die Telefonnummer noch die Adresse. Im Gepäck hatte er nur ein Foto von 2004, das ihn, Tom Warcloud und einen Cop des Yaqui-Stammes zeigt, mit dem er Polizei-Abzeichen tauschte.

Mit diesem Bild fuhr er zur Polizeistation, vor der es aufgenommen wurde. Doch die Polizisten erkannten den Kollegen zuerst nicht, lagen doch 14 Jahre zwischen den Aufnahmen. Pommé hatte dann aber Glück und traf den Polizisten von damals im Nachtdienst an. Dieser besorgte ihm die vermeintlich neue Adresse, die sich zuerst aber auch als Sackgasse entpuppte. Pommé fragte Passanten, zeigte das Foto. Alle waren freundlich, konnten aber nicht helfen. In eine abgeschlossene Wohnsiedlung kam er nicht hinein und das dazugehörige Büro war übers Wochenende geschlossen.

Auf die unfreundliche Begrüßung folgt ein Freudenschrei

Aber dann traf er ein paar ältere Männer, sprach sie an, einer telefonierte und nannte ihm die Hausnummer des vermissten Freundes. Schon auf dem Weg zur Tür sah Pommé die Rampe und den schweren Rollstuhl und wusste, dass es dem Freund nicht gut gehen kann. Der Königsbrunner klopfte an die Tür, Toms Frau Barbara öffnete und fragte nicht besonders freundlich durch das Fliegengitter „What do you want?“ „Was wollen Sie? „I’m Bernd from Germany“, erklärt der Deutsche und erhält zur Antwort erst einen Freudenschrei von Barbara und dann von Tom.

„Als wir uns umarmten, haben wir beide geweint“, gesteht Pommé und erzählt weiter: Auf dem Weg nach Tuscon habe er sieben Adler, die heiligen Tiere der Indianer, kreisen gesehen. Da wusste er, dass er den Freund wiedersehen würde. Auch Tom habe das gespürt, wie er seinem deutschen Freund berichtete, denn er habe in den letzten Nächten von ihm geträumt und eine innere Unruhe verspürt. Warum der E-Mail-Kontakt abbrach, war schnell geklärt: Tom hatte einen Computer-Absturz und alle Daten verloren.

Der Medizinmann war so überwältigt von seinem deutschen Freund, der so weit flog, um ihn zu suchen, dass er ihn in einer Zeremonie mit dem Indianer-Namen Flys Far ehrte. Und Tom habe durch den Besuch zu neuer Energie gefunden und wieder angefangen zu komponieren. „Seine neue CD wird unserer Freundschaft gewidmet“, sagt Pommé. Kontakt halten die Männer nun wieder regelmäßig – diesmal über WhatsApp.

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