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Bobingen

08.05.2015

Im Aquamarin: Trainieren wie ein Profi

Triathlon-Weltmeisterin Gabriela Harnischfeger erklärt unserem Autor, wie man richtig krault. Die Bobingerin gibt Schwimmkurse.
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Triathlon-Weltmeisterin Gabriela Harnischfeger erklärt unserem Autor, wie man richtig krault. Die Bobingerin gibt Schwimmkurse.

Weltmeisterin Gabriela Harnischfeger will in Bobingen aus einem Reporter einen „Torpedo im Wasser“ machen. Das wird für beide schwer.

Schwimmkurse im Aquamarin in Bobingen sind durch die Wasserwacht vor allem bei Kindern und Jugendlichen längst heiß begehrt. Erwachsenen vermittelt die Volkshochschule die rechte Kunst am Badevergnügen. Auch für Fortgeschrittene. Und am Beckenrand steht dabei eine Weltmeisterin. Ein Selbstversuch unseres Kollegen Alexander Sing:

Es ist wenig los im Bobinger Hallenbad, als ich zu meinem Schnupperkurs bei der Triathlon-Weltmeisterin Gabriela Harnischfeger komme. Ein paar Kinder planschen im Becken, eine Handvoll Schwimmer zieht ihre Bahnen. Viel Platz also, um zu lernen, wie die Profis kraulen. Schließlich geht die Freibadsaison bald wieder los und es schadet sicher nicht, dabei eine gute Figur zu machen.

Die Trainerin wartet bereits. Gabriela Harnischfeger aus Bobingen, Jahrgang 1964, ist Welt- und Europameisterin in verschiedenen Triathlon-Distanzen. 2012 gewann sie den Ironman auf Hawaii in ihrer Altersklasse. Und auch wenn sie mittlerweile den Sport nicht mehr so ambitioniert betreibt, macht sie dabei immer noch eine gute Figur. Neben der drahtigen Athletin mit den kurzen, braunen Haaren komme ich mir am Beckenrand etwas deplatziert vor. Doch schließlich hat auch die Mutter von drei Töchtern spät zu ihrer Berufung gefunden. „Ich wurde eher zufällig erfolgreich“, meint sie. Mehr aus Neugier startete sie im Alter von 38 Jahren beim Jedermann-Triathlon (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, fünf Kilometer Laufen) am Augsburger Kuhsee. Sie wurde auf Anhieb Dritte, im Jahr darauf war sie Erste. Dann begann sie, ernsthaft zu trainieren. „Mir fiel vieles leicht. Ich konnte es selbst oft nicht fassen. Aber im Grunde ist man sehr viel allein mit sich.“

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Heute widmet sie sich stark ihrer zweiten Leidenschaft, dem Reiten. Seit 17 Jahren gibt sie Unterricht im klassisch barocken Stil. Außerdem gibt sie im Aquamarin in Bobingen Schwimmkurse für alle Altersklassen. Das Schwimmen ist beim Triathlon stets die erste Disziplin. Beim Ironman sind knapp vier Kilometer im Wasser zurückzulegen. Wir starten erst einmal mit der 25-Meter-Bahn im Hallenbad. „Sport im Wasser ist gesund“, sagt Gabriela Harnischfeger. „Durch den Wasserdruck werden die Herz-Kreislauf- und die Lungenfunktion verbessert. Außerdem sind die Gelenke kaum belastet.“ Dazu muss man es aber auch richtig machen. Wie, das erfährt man bei ihr im Detail.

Als Kind habe ich das Brustschwimmen gelernt und sogar das goldene Schwimmabzeichen gemacht. Ich halte mich für einen guten Schwimmer. In den vergangenen Jahren bestand mein Schwimmpensum aber eher aus gemütlichem Planschen. Entsprechend fällt das Urteil von Gabriela Harnischfeger vernichtend aus, als ich ihr meinen Kraulstil vorführe: „Das ist desolat.“ Denn wer mit den Armen Kraulbewegungen macht, hat es noch lange nicht raus. Auch die Beinarbeit muss stimmen, eine Paddelbewegung ist gefragt. Als ich versuche, mich nur mit Hilfe der Beine über Wasser zu halten, gehe ich fast postwendend unter. Also heißt es erst einmal üben: Abstrampeln am Beckenrand. Und dabei immer schön auf die Körperspannung achten. „Man soll im Wasser möglichst wenig Widerstand bieten. Wenn der Körper da nicht angespannt ist, sackt man ab“, so Harnischfeger. Dann der erste Versuch. Ich soll mich „wie ein Torpedo“ vom Beckenrand abstoßen, möglichst lange gleiten und dann anfangen, zu paddeln. Der Kopf bleibt dabei unter Wasser. Das klappt eigentlich ganz gut. Als dann die Armbewegung dazukommt, gerate ich aus dem Rhythmus. „Das ist ganz normal“, beruhigt mich meine Trainerin. Denn beim Kraulen muss man sich auf vier Dinge gleichzeitig konzentrieren: die Lage im Wasser, die Beinarbeit, den Armzug und die Atmung. Da kann ein Anfänger schon einmal Probleme mit der Koordination bekommen. Man kann die einzelnen Schwerpunkte gezielt angehen. In ihrem Kurs verwendet Gabriela Harnischfeger allein drei Übungsstunden nur auf den Armzug. „Da kann jeder individuell an sich arbeiten und macht so Fortschritte. Es macht mir Spaß, wenn die Leute mit sich zufrieden sind.“ Auch ältere Menschen könnten so etwas noch schaffen. Die bisher älteste Kursteilnehmerin war immerhin 80 Jahre alt.

Bei mir meint Gabriela Harnischfeger derweil, ein Talent ausgemacht zu haben. Vor allem die Tatsache, dass ich eine gesamte Beckenlänge schaffe, obwohl ich, mangels Technik, kein einziges Mal vernünftig geatmet habe, erstaunt sie. Ich verrate ihr mein Geheimnis: 16 Jahre Saxophon spielen sind ebenfalls ein gutes Training für die Lunge. Aber eigentlich sollte regelmäßig bei jedem vierten Armzug geatmet werden. Dann ist die Trainingsstunde auch schon wieder vorbei. Das ist gut, denn nach einigen Bahnen macht sich mangelnde Kondition bemerkbar. Zum Triathleten werde ich wohl eher nicht. Aber die Tipps einer echten Top-Athletin nehme ich aber auf jeden Fall mit zum nächsten Freibadbesuch.

Kurse Die nächsten Kraulkurse bei Gabriela Harnischfeger werden von der VHS Augsburger Land wieder ab Herbst ausgeschrieben. Kontakt zu ihr für Privatstunden unter der E-Mail-Adresse Gabriela.Harnischfeger@freenet.de

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