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Graben

07.02.2019

Impro-Theater zeigt „Alternatiefen“ im Leben

Gestik, Mimik und Sprache sind die einzigen Werkzeuge der Improvisations- Schauspieler Monika Eßer-Stahl und Markus Zett (rechts). Lukas Maier untermalt ihre Szenen am Piano.
Bild: Hieronymus Schneider

Drei Künstler überzeugen mit Mimik, Gestik und sprachlichen Vielfalt. Geschichten von Speed-Dating, ledigen Lehrern und dem letzten Abend als Jungfrau.

Das Gräbinger Kulturzentrum ist schon länger als Forum für kulturelle Veranstaltungen der etwas anderen Art bekannt. Nun wagten Bürgermeister Andreas Scharf und Sabine Biedermann mit einem Improvisationstheater einen Schritt in eine neue Richtung. Das Thema „Alternatiefen im Leben“ mit der rückwärtsgewandten Frage „Was wäre, wenn ich es damals ganz anders gemacht hätte?“ durchzog den Theaterabend auf äußerst unterhaltsame Weise.

Monika Eßer-Stahl und Markus Zett gehören zum Ensemble des Münchner ImprovisationstheatersFastfood“. Bei ihrem Auftritt brauchen sie weder Bühnenbilder, noch Kostüme. Ihre Verwandlungsfähigkeit in der Interpretation verschiedenster Rollen beweisen sie allein durch Mimik, Gestik und sprachlicher Vielfalt.

Impro-Theater „Fastfood“ führt einen einmaligen Abend in Graben auf

Untermalt und verstärkt werden ihre Szenen vom Pianisten Lukas Maier, der intuitiv auf die Rollenspiele der Darsteller eingeht und sie in Töne umsetzt. „Alles entsteht heute Abend und nur hier und ist somit einmalig“, erklärt Eßer-Stahl dem Publikum und fordert gleich einen Herrn aus der ersten Reihe auf, sie und ihren Partner in eine von ihm bestimmte Position zu bringen. Aus dieser Grundhaltung heraus spielen sie kurze Szenen in verschiedenen Rollen, die ihnen von den Zuschauern zugerufen werden. Daraus entwickelt sich eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Der letzte Abend als Jungfrau“, die in den drei Varianten „nervös“, „schrecklich“ und „ideal“ jeweils einen anderen Verlauf nimmt.

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Beim anschließenden Speed-Dating mit zugerufenen Rollen stellen die Schauspieler nach jeder Szene die Frage: „Kommen die beiden zusammen?“ und spielen dann eine Szene aus deren Ehe nach vielen Jahren.

Markus Zett spielt einen ledigen Lehrer mit dem Lebenstraum Pizzabäcker

Im zweiten Teil entwickeln Eßer-Stahl und Zett das Thema „Alternatiefen“ mit einer längeren Geschichte. Die Hauptfigur wird wieder vom Publikum definiert. Markus Zett soll einen 45-jährigen, ledigen Lehrer spielen, dessen eigentlicher Lebenstraum Pizzabäcker ist. Seine Partnerin erfindet dazu vier Frauenrollen – die frustrierte, alkoholkranke Kollegin, die griesgrämig-egoistische Mutter, die Pizzabäckerin und die nette Nachbarin. So bleibt der Lehrer beispielsweise in einer Variante wegen der Versorgung der Mutter bei seinem ungeliebten Beruf und endet unglücklich. Mit einem Gong wird die Zeit zurückgedreht und die Geschichte so gespielt, als wenn sich der Lehrer zu einem bestimmten Zeitpunkt dafür entschieden hätte, seinen Lebenstraum zu verwirklichen und sein Glück gefunden hätte.

Die beiden Improvisationskünstler überzeugen in ihren Rollenspielen mit unglaublicher Kreativität und Wortwitz, wozu auch der österreichische Dialekt des Wieners Markus Zett sorgt. So sagt die Mutter in einer Szene „Ich bin krank, ich habe einen Gendefekt“ und der Sohn erwidert „Kannst nimmer geh’n?“. Eßer-Stahl zeigt in der Interpretation der verschiedenen Charaktere von der bösen Mutter bis zur verliebten Nachbarin große Schauspielkunst aus ihrer über 20-jährigen Erfahrung. Seit 2002 gehört sie zum Ensemble des Impro-Theaters Fastfood. Die Wahlmünchnerin erzählt im Gespräch nach der Vorstellung von ihrer Herkunft Untermeitingen. Denn hier ist sie als Tochter des Spediteurs Anton Stahl aufgewachsen.

Markus Zett ist seit 2011 bei Fastfood und auch auf österreichischen Bühnen unterwegs, sowie in Film- und Fernsehrollen präsent. Demnächst ist er bei der Berlinale in dem Film „Der Boden unter den Füßen“ zu sehen. Auf die Frage nach dem Sinn ihres Programms antworten beide, dass es durchaus eine therapeutische Wirkung habe, wenn Weichenstellungen im Leben rückblickend in ihren Alternativen durchdacht werden.

Andreas Scharf überraschte die drei Improvisationskünstler nach ihrem Auftritt mit der Verleihung des „Gräbinger Schweißtuches“ für ihre gelungene heiter-tiefsinnige Darbietung.

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