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Großaitingen

11.11.2019

In Großaitingen hängt ein nadeliges Geschenk am Haken

Kurz nach 8 Uhr in Großaitingen: Die Nordmanntanne schwebt auf den 20 Meter langen Spezialtransporter, der sie am späten Vormittag dann über die B 17 nach Augsburg fährt.
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Kurz nach 8 Uhr in Großaitingen: Die Nordmanntanne schwebt auf den 20 Meter langen Spezialtransporter, der sie am späten Vormittag dann über die B 17 nach Augsburg fährt.
Bild: Maximilian Czysz und Josef Rindle

Plus Die Tanne für den Augsburger Christkindlesmarkt kommt aus Großaitingen. Als sie in einem Privatgarten fällt, gibt es große Gefühle. Und ein Versprechen.

Wer sich in den kommenden Wochen einen Christbaum fürs Wohnzimmer kauft, lässt ihn sich in ein Netz packen. Ganz praktisch. Beim Baum für den Augsburger Christkindlesmarkt ist das etwas anders: Er passte gestern weder in ein Netz, noch fand er Platz im Kofferraum.

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Die etwa 17 Meter hohe Nordmanntanne aus einem Großaitinger Privatgarten musste auf einen Spezialauflieger gehievt werden. Um den Baum etwas handlicher zu machen, banden die Mitarbeiter der Forstverwaltung Augsburg Ast für Ast zusammen. Beim Abschied vom etwa 40 Jahre alten Baum gab’s auch große Gefühle.

Seit vielen Jahrzehnten an den Anblick der Tanne gewöhnt

„Jetzt bin ich schon ein bisschen traurig“, sagte Maria Locher, die gestern Vormittag den Abtransport in Großaitingen mit Nachbarin Monika Egger verfolgte. Seit vielen Jahrzehnten ist sie an den Anblick der großen Tanne im Garten von Margarete Wilhelm gewöhnt. Letztere hatte vor 42 Jahren gebaut und dann kurze Zeit darauf die Tanne gepflanzt.

In Großaitingen hängt ein nadeliges Geschenk am Haken

Aus dem Bäumchen ist ein stattlicher Baum mit einem geschätzten Durchmesser von 80 Zentimetern geworden. In wenigen Minuten lag er flach. Forstwirtschaftsmeister und Ausbilder Hermann Rieger vom Forstamt sägte, trieb einen Keil in den Spalt und schon baumelte die Tanne am Haken.

Zuvor wurde mit der Drehleiter der Feuerwehr Bobingen ein Halteseil angebracht, mit dem der Autokran die schwere Last anschließend weich landen ließ: Nur hin und wieder knackte es, als sich die Tanne auf dem Sattelzug senkte – der ein oder andere Ast gab unter dem Gewicht nach und brach. Nachbarin Monika Egger beruhigte: Die schlechten Stellen würden später meistens kaschiert. Dazu werden Löcher in den Stamm gebohrt, in die dann ganz gebliebene Äste kommen. Monika Egger hat Erfahrung: Eine Tanne aus ihrem Garten war bereits Großaitinger Weihnachtsbaum.

Der Durchmesser des Baums ist zu groß

Auch Margarete Wilhelm hätte ihre Nordmannstanne gerne der Gemeinde vermacht. Es hätte allerdings ein Problem gegeben: Der Durchmesser des Baums ist so gewaltig, dass er nicht in die vorgesehene Bodenhalterung gepasst hätte. Über einen Großaitinger Gärtner kam dann der Kontakt zum Augsburger Christkindlesmarkt. Die Experten begutachteten dann im Frühjahr den 17-Meter-Stamm. Ihre Meinung: „Der passt.“

Innerhalb von drei Stunden wurde die Tannen gestern reisefertig gemacht und dann von Ronny Liem nach Augsburg gefahren. Für ihn war es eine Premiere – normalerweise hat er Container oder Kranzubehör Huckepack auf seinem mehrachsigen Auflieger. Auf einer vorher genau festgelegten Route steuerte Liem über die B17, Ackermannstraße und Klinkerberg das Stadtzentrum an.

Damit der 5,40 Meter breite und 4,25 Meter hohe Spezialtransport überall problemlos durchkam, ging’s im Konvoi mit Polizei und Begleitfahrzeug die 30 Kilometer in die Stadt. Am Nachmittag stand der Baum, der jetzt den Christkindlesmarkt schmückt.

Das letzte Bild gehört ins Album

Dort werden ihn Margarete Wilhelm und der ein oder andere Großaitinger nach der Eröffnung am kommenden Montag bewundern. „Natürlich ist das etwas Besonderes“, sagt Margarete Wilhelm, die sich für den Advent fest vorgenommen hat: Mit den Familien ihrer drei Töchter will sie gemeinsam unter ihrer Tanne stehen und die Atmosphäre des Christkindlesmarkt genießen. Der Fotoapparat darf dann nicht fehlen: Ein letztes Bild vom geschmückten Baum gehört ins Album. „Es war Zeit geworden“, sagte Margarete Wilhelm. Der Baum sei zuletzt ihrem Wohnhaus gefährlich nahe gekommen. Und die Nadeln hätten außerdem immer wieder die Dachrinnen verstopft.

Ganz ohne Baum im Garten geht es in Zukunft übrigens nicht: Die Hausbesitzerin will etwas neues pflanzen, „vielleicht eine Esche“. Doch die wird es in den nächsten Jahrzehnten wohl kaum mehr auf den Augsburger Christkindlesmarkt schaffen.

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