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Königsbrunn

28.06.2020

In Königsbrunner Supermarkt eskaliert Streit um Maskenpflicht

In einem Königsbrunner Supermarkt eskaliert ein Streit um die Maskenpflicht.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Plus In Königsbrunn will eine Filialleiterin einen Mann ohne Schutzmaske aus dem Laden werfen. Doch dieser ist von der Maskenpflicht befreit. Die Polizei muss eingreifen.

Daniel Baltres ist immer noch sauer. Der 39-jährige Schwerbehinderte aus Nürnberg wollte in einem Supermarkt in Königsbrunn einkaufen. Weil er an einer chronischen Lungenkrankheit leidet, ist er von der Maskenpflicht befreit. Doch das wollte ihm die Filialleiterin nicht glauben und drohte, ihn des Marktes zu verweisen. Andere Kunden mischten sich ein – bis die Polizei kam.

So etwas hatte Baltres noch nicht erlebt. Wenn er einkaufen geht, Bus fährt oder Behördengänge erledigen muss, hat er seinen Schwerbehindertenausweis immer dabei. Er trägt ihn in einer Klarsichthülle um den Hals. So auch, als er am vergangenen Samstag einen Bekannten in Königsbrunn besucht hatte und mit ihm in den Supermarkt ging.

Streit um Maske in Königsbrunn: Filialleiterin droht, den Mann des Ladens zu verweisen

Seinen Schwerbehindertenausweis hat Daniel Baltres immer bei sich. Trotzdem bekam er Ärger in einem Supermarkt in Königsbrunn.
Bild: Baltres

Der 39-Jährige stand gerade am Leergutautomaten an, als ihn die Filialleiterin darauf hinwies, dass er eine Maske tragen müsse. Nach Angaben von Baltres zeigte er seinen Ausweis vor und erklärte der Frau, dass er von der Maskenpflicht befreit sei. Doch dann begann der Streit: „Die Frau wurde immer hysterischer und sagte mir, die Zentrale habe eindeutig klargestellt, es gäbe keine Ausnahmen“, erinnert sich Baltres.

Sie habe ihm gedroht, ihn des Hauses zu verweisen, sollte er nicht sofort eine Maske aufsetzen. „Ich erklärte ihr, dass sie mich des Hauses nur verweisen darf, wenn ich unrechtmäßig handele, was nicht der Fall sei, da ich vom Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung befreit bin“, sagt Baltres. Er sei der Aufforderung, das Geschäft zu verlassen, nicht nachgekommen, weil er nicht unrechtmäßig gehandelt habe.

Andere Kunden mischten sich in den Streit um die Maske in Königsbrunn ein

Anschließend sei die Frau weggegangen, mit einer Maske zurückgekommen und habe ihn aufgefordert, diese anzuziehen. „Sie hat damit wild herumgestikuliert und mich einige Male im Gesicht berührt“, erinnert sich Baltres. Er habe ihr klargemacht, dass er sich zur Wehr setzen würde, sollte sie nicht damit aufhören, und abermals erklärt, ihrer Aufforderung nicht nachzukommen. Daraufhin sei die Filialleiterin gegangen. Doch als er ihr kurze Zeit später im Gang des Supermarktes begegnete, ging der Streit weiter.

Baltres Schilderung zufolge mischten sich andere Kunden ein. So habe eine Frau behauptet, vom Ordnungsamt zu sein und zu wissen, dass es keine Ausnahmen gebe. Sie habe gedroht, ihre Kollegen zu rufen, sollte Baltres die Maske nicht aufsetzen, was schlimme Folgen für ihn hätte. „Ich sagte ihr, sie könne dies gerne tun. Doch rief sie offenbar bei der Polizei, und nicht beim Ordnungsamt, an“, sagt Baltres.

Als die Polizeistreife am Supermarkt eintraf, wollten die Beamten seinen Schwerbehindertenausweis sehen. Außerdem ließ Baltres seinen Bekannten ein ärztliches Attest holen, womit sich die Polizisten zufriedengaben. Gegenüber unserer Zeitung bestätigt ein Polizeisprecher: „Wir wurden in den Markt gerufen und haben festgestellt, dass der Mann von der Maskenpflicht befreit ist.“

Königsbrunner Supermarkt nimmt Stellung zu dem Vorfall

In einer schriftlichen Stellungnahme betont die Supermarktkette, dass sie sich an alle aktuellen Vorgaben halte. Dazu gehöre auch die Maskenpflicht während des Einkaufens. Sollten Kunden aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nasen-Maske tragen können, sei ein Einkauf selbstverständlich auch ohne möglich. In diesen Fällen sollten Kunden, wenn möglich, einen ärztlichen Beleg vorweisen.

„Nach interner Klärung mit der genannten Filiale konnte der Kunde leider kein Attest nachweisen. Unsere zuständige Filialleiterin hatte dem Kunden alternativ angeboten, ihm eine Maske für den Einkauf zur Verfügung zu stellen oder den Einkauf für ihn sogar selbst zu tätigen. Der Kunde wollte dieses Angebot nicht annehmen“, heißt es weiter in der Stellungnahme.

 

Baltres kann darüber nur den Kopf schütteln. Auf eine Entschuldigung wartet er bis heute. „Obwohl ich im Recht war, musste ich mich als schwerbehinderter Mensch den Anfeindungen der Filialleiterin aussetzen, wurde von einer Gruppe umzingelt, öffentlich gedemütigt und von einer außer Dienst stehenden Beamtin des Ordnungsamts der schweren Ordnungswidrigkeit beschuldigt“, ärgert sich der 39-Jährige. Durch den sinnlosen Vorfall habe sich sein psychischer Zustand in den letzten Tagen massiv verschlechtert. Baltres sagt: „Mein Schlafrhythmus wurde komplett aus der Bahn geworfen, und ich muss mehr Medikamente zu mir nehmen.“

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29.06.2020

Warum wird einem Troll in einer seriösen Zeitung eine Bühne gegeben?

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28.06.2020

>> Durch den sinnlosen Vorfall habe sich sein psychischer Zustand in den letzten Tagen massiv verschlechtert. Baltres sagt: „Mein Schlafrhythmus wurde komplett aus der Bahn geworfen... <<

Prima, dann haben Sie ja Zeit zum nachdenken....

Sie haben künftig einfach die erforderliche Bescheinigung dabei und und bereinigen die Situation proaktiv mit dem Filialleiter, der die Verantwortung für die Einhaltung gesetzlicher Regeln in seinem Geschäft hat.

>> Außerdem ließ Baltres seinen Bekannten ein ärztliches Attest holen, womit sich die Polizisten zufriedengaben. <<

Ja warum denn nicht gleich?



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28.06.2020

Ach Gottchen, der arme Herr Baltres. Wie oft er wohl schon diese Nummer abgezogen hat? Ein Schwerbehindertenausweis allein sagt doch nichts über die Unmöglichkeit aus, einen MNS zu tragen. Eine entsprechende Befreiung tut das und die führt man halt mit, wenn man sich darauf berufen möchte, wenn man in ein Geschäft geht. Aber es ist ja viel schöner, sich im Recht zu fühlen und Streit herauf zu beschwören.

Auf jeden Fall, geht vom Nichttragen einer Maske, auch wenn es der Einzelfall erfordert, ein schlechtes Signal aus, weil ja keinem auf der Stirn geschrieben steht, aus welchem Grund er keine trägt. Nach diesem Berich, wird künftig also jeder, den man darauf anspricht, warum er keine Maske trägt antworten: Ich habe wegen xyz eine Befreiung. Herzlichen Dank auch.

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28.06.2020

Hätte er halt seine Bescheinigung über die Befreiung von der Maskenpflicht dabei gehabt, dann hätte es auch keinen Stress gegeben. Der Behindertenausweis sagt ja NULL darüber aus. Für mich hört es sich an, ob er unbedingt provozieren will damit er danach jammern kann.

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