Newsticker

Söder fordert bundesweit einheitliche Regeln für regionale Corona-Gegenmaßnahmen
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Jetzt kommt die Schultasche in den Müll

31.07.2010

Jetzt kommt die Schultasche in den Müll

Schwabmünchen Eigentlich gab es keine spezielle Begründung, warum sich Walter Schwab nach dem Abitur für das Lehramtsstudium entschied. "Die Berufsberatung riet mir, dass das richtig für mich wäre. Dann hab ich es eben gemacht", erinnert sich der gebürtige Schwabmünchner, der mit seinen Eltern während seiner Schulzeit oft umziehen musste und damals zuletzt in München landete. "Und weil ich in Biologie und Chemie gute Lehrer hatte und mir die Fächer gefielen, studierte ich sie."

Obwohl die Berufswahl also eher willkürlich war, sie stellte sich als genial heraus: "Ich bin jeden Tag gerne in die Schule gegangen." Wer so eine Aussage nach 37 Jahren Lehrerdasein trifft, der kann auf keinen Fall den falschen Job ergriffen haben, auch mit Blick auf seine Schüler. "Ich wollte ihnen immer das Gefühl geben, wichtig zu sein und ihnen unvoreingenommen gegenübertreten, aber auch eine klare Linie vorgeben. Das schaffte Vertrauen und gegenseitige Anerkennung." Dass sein klares Konzept immer das richtige war, das zeigte sich sehr schnell an den Reaktionen seiner Oberstufler. Denn niemand sonst an der Schule erhielt von ihnen den Ehrentitel "Papa", den Schwab sehr schätzt.

25 Jahre lang organisierte er für seine Schüler einfach alles, ob fachlich oder menschlich, und zwar zur Zufriedenheit aller. Schulleiterin Germana Winkelbauer würdigt ihren Kollegstufenbetreuer als kompetent, engagiert, umsichtig, menschlich und einfühlsam. "Mein wichtigstes Ziel war, neben dem Abiturzeugnis für alle, immer, aus Halbwüchsigen passable junge Erwachsene zu machen." Für dieses pädagogische Ansinnen verwendete er gerne nicht nur Schulstunden, sondern auch so manchen Nachmittag oder Abend bei sich zu Hause oder ganze Tage bei Bergwanderungen.

Dicke Bretter werden immer seltener gebohrt

Jetzt kommt die Schultasche in den Müll

Dass sich die Schüler in all seinen Berufsjahren geändert hätten, das kann er nicht bestätigen: "Die Umstände sind andere geworden. Die vielen Ablenkungsmöglichkeiten ließen die Konzentrationsfähigkeit leiden. Deshalb bohren sie seltener dicke Bretter, bleiben also nicht mehr so an einer Sache dran." Schwab bemängelt auch, dass die Eltern den Lehrern immer mehr Erziehungsaufgaben überlassen. "Manche Kinder sind nicht einmal mehr gewohnt, dass jemand nein zu ihnen sagt."

Trotz aller Liebe zur Schule, jetzt ist der 62-Jährige froh, in die Freistellungsphase gehen zu können, auch wegen des neuen Gymnasialkonzepts: "Ich habe mich über das G 8 nur allgemein informiert. Ich hielt die 13. Klasse für wichtig, weil sie der Reifung der Persönlichkeit extrem diente. Ich fürchte, jetzt wird einfach mehr Stoff gepaukt." Mit Lebensweisheiten für künftige Generationen will er sich eher zurückhalten: "Für Probleme Lösungen finden und dabei menschlich bleiben und Freundschaften pflegen", das hält er am Beginn seines neuen Lebensabschnitts für wichtig. "Ich will jetzt mehr auf meine Gesundheit achten, mich um meinen Garten kümmern und in Urlaub fahren, ganz gemütlich, und zwar während der Schulzeit, zum Beispiel nach Südtirol."

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren