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Großaitingen

08.10.2019

Kabarettabend: Lustig hoch drei

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3 Bilder
Die Band Shipmates zeigte ein eigenes Eröffnungsprogramm und unterhielt die Besucher in der Pause.
Bild: Hieronymus  Schneider

Zwei Diakone und die Shipmates nehmen sich selbst und ihre Pfarrgemeinde in Großaitingen auf unterhaltsame Weise auf den Arm.

Dass die Großaitinger Pfarrei mit ihrem Diakon Jürgen Zapf seit mehr als zehn Jahren nicht nur einen exzellenten Prediger, sondern auch einen vorzüglichen Kabarettisten in ihren Reihen hat, ist seit Langem bekannt. Heuer feiert der 55-jährige gebürtige Franke sein 25-jähriges Bühnenjubiläum beim Kabarett „Kontraste“ in Neuburg an der Donau. Sein spezielles Soloprogramm exklusiv für seine Großaitinger Pfarrgemeinde präsentiert er nicht jedes Jahr. „Nur wenn der Stoff dafür ausreicht“, wie er bei seinem vorletzten Auftritt sagte. Nach einem Jahr Pause sollte der „Bunte Abend“ etwas besonderes sein und so wurde die Veranstaltung von der Mehrzweckhalle in den Pfarrsaal verlegt, um die Identität der Pfarrei herauszustellen. Viele Ministranten und Mitglieder der Jugendgruppen arbeiteten fleißig bei der Vorbereitung und Durchführung mit und ihnen wurden auch die Spenden am Ausgang gewidmet.

Die Band Shipmates, an deren Entstehung Jürgen Zapf maßgeblich beteiligt war, durfte diesmal den „Bunten Abend“ eröffnen und nicht nur wie bisher der Pausenfüller sein. Nach ihrer Ouvertüre mit dem Klassiker „Willkommen – Bienvenue – Welcome im Cabaret“ bewiesen die drei jungen Damen und vier Männer ihr eigenes kabarettistisches Talent bei der musikalischen Schilderung ihrer Terminprobleme für die Proben und auf welchen abenteuerlichen Fahrzeugen sie aus Lagerlechfeld, Wehringen und Großaitingen dorthin gelangten.

Armin Pfänder in Hawaii-Hemd und Hut

Nach der Band betrat der andere Diakon, Armin Pfänder, im Hawaii-Hemd mit Hut und Sonnenbrille die Bühne. Er sang „Arrivederci Roma“ und begrüßte die Gäste auf Italienisch, bis er merkte, dass er nicht mehr im Urlaub, sondern schon wieder in Großaitingen ist. Seine Urlaubserinnerungen aus Italien („Na ja vom Gardasee, wo ja deutsch gesprochen wird“) beschrieben das typische Verhalten deutscher Touristen. Diese mühen sich ab, ein Acqua Minerale auf italienisch zu bestellen, worauf prompt die Frage des Kellners kommt: „Mit oder ohne Kohlensäure?“. Pfänder ahmt die Körpersprache der Männer nach, wenn sie ihre Frauen beim Shoppen oder beim Besuch einer Kirche begleiten (müssen). Aber auch eine italienische Dame, die in einer Anbetungskapelle ungeniert mit dem Handy telefoniert, kommt nicht gut weg.

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Beim Verweilen an Eisständen und Bars fiel ihm auf, dass viele Touristen Hunde dabei haben, denn es war ja schon nach den Ferien und die Familien mit Kindern waren schon wieder daheim. „Die Hunde werden immer mehr vermenschlicht, einer wurde sogar wie ein Baby im Kinderwagen gefahren. Dafür lässt die Kommunikation mit den Menschen im Hotel nach, man will möglichst keine Berührung mit den anderen“, stellte Armin Pfänder in seinem Urlaub fest. Deutsche Autofahrer achten nach seiner Beobachtung im Gegensatz zu den Italienern auch nicht auf Fußgänger auf Zebrastreifen. „Aber der Urlaub war schön und die Hauptsache ist Italien, egal ob Mailand oder Barcelona“, sagte der Diakon zum Schluss in Anspielung an ein Fußballer-Interview.

Die Spitze der Kabarett-Trilogie setzte der Jubilar Jürgen Zapf selbst drauf. Er bekannte, dass er es inzwischen vom Vater und Schwiegervater und seit neuestem sogar zum Großvater gebracht hat. Das war für ihn Anlass genug, sich selbst als „innerer Beobachter“ reflektierend zu betrachten. So ertappte er sich dabei, wie er als selbst ernannter Parkplatzwächter gerne anderen die zehn Gebote des Parkens beim Supermarkt erklärt. Dabei erinnerte er sich, dass er sich früher im Fasching gerne als „Kommissar Schimanski“ verkleidete und betrunkenen jungen Autofahrern die Schlüssel abnahm. Als er einen dann aus Mitleid nach Hause fahren wollte, hatte der große Probleme, seine Adresse verständlich zu sagen, sank aber vor der Frau in der Haustüre mit den Worten „Verzeih mir Mutter“ in die Knie. Worauf diese antwortete: „Das ist nicht mein Sohn.“

Die Nöte eines Diakons

Höchst unterhaltsam schildert Zapf die Nöte eines Diakons, der viele Kilometer in der Diözese als Gemeinde-Entwickler oft bis spät abends im Auftrag „seiner Majestät Jesus“ unterwegs ist. Weil er oft zur Aufgabe von selbstständigen Pfarrämtern und zur Zusammenlegung von Pfarreien raten muss, wird er oft auch als „Gemeinde-Abwickler“ bezeichnet. Dabei berichtet er vom Kampf gegen die „Alphas“ der Gemeinden, die schon jahrzehntelang ihren Pfarrer regierten und wünscht sich manchmal, die Kirchendiener im Stile einer Kabinenpredigt eines Fußballtrainers zu motivieren. Einblicke in sein Privatleben gewährt er, wenn er seinen Wochenendeinkauf schildert, bei dem noch etliche Termine für Tauf-, Hochzeits- oder sonstige Gespräche vereinbart und alle möglichen Wünsche berücksichtigt werden. Ganz privat ist er erst beim Rasenmähen, da folgt er wie ein Slalomfahrer den Anweisungen seiner Frau, um alle Schwünge um die zu schützenden Blumen herum zu meistern. Seine Reportage vom Start an der Gartenhütte bis ins Ziel sorgt für große Heiterkeit im Publikum.

Nach vielen heiteren Anekdoten sagt er, dass sein Ohnmachtspreis nach 25 Jahren Bühne und 55 Jahren Leben nur mit Liebe dotiert ist. Seiner Frau bekennt er, dass er seit vielen Jahren ein Verhältnis mit Theresa von Avila hat, deren Texte und Gebete er sehr schätzt. Zum Abschluss dürfen ihm noch Kinder aus der ersten Reihe Wörter zu rufen, aus denen er eine kleine Geschichte macht. Beim Wort Binomialkoeffizient erklärt er, dass er diesen Begriff als Schüler in seinem Vielzweckheft mit Mathematik auf den vorderen und Physik auf den Seiten von hinten noch nicht aufgenommen hatte. Jedenfalls gingen die Besucher aus „Great- und Little-Aitingen“ wie Zapf es den indischen Aushilfspfarrern immer erklärte, sehr vergnügt nach dem bunten Abend nach Hause.

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