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Lagerlechfeld

05.11.2017

Katholischer Kindergarten, evangelischer Gottesdienst

Bei der Aktion „Schranken überwinden“ bauten die Gemeindemitglieder eine symbolische Brücke.
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Bei der Aktion „Schranken überwinden“ bauten die Gemeindemitglieder eine symbolische Brücke.
Bild: Hieronymus Schneider

Pfarrer Leander Sünkel spricht in Lagerlechfeld über die Herausforderungen in seinem ökumenischen Leben. Was bei der Nacht der offenen Kirchen sonst noch alles geboten war.

Das 500. Reformationsjubiläum wurde in Lagerlechfeld von der evangelischen Versöhnungskirche und der katholischen St.-Martins-Kirche gefeiert. Beide Gemeinden öffneten ihre Kirchen füreinander, um sich besser zu verstehen und Schranken zu überwinden. Die Glocken beider Gotteshäuser läuteten die Nacht der offenen Kirchen ein und Pfarrer Leander Sünkel, ganz im Stile Martin Luthers gekleidet, führte den Fackelzug der Kinder mit ihren Eltern von der Versöhnungskirche über die B17-Brücke hinüber zu den katholischen Nachbarn.

Dort wurden sie von Pfarrer Thomas Demel und Pater Thomas empfangen. Nach einem Tanz erhielten die Kinder ihren Lohn in Form von Martinshörnchen und Kinderpunsch. Nach einem vom Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Hermann Franze geleiteten Gemeinschaftsgebet tauschten die Pfarrer ihre Kirchen. Der bisherige Militärseelsorger und ab Januar neuer evangelischer Gemeindepfarrer im Lechfeld, Leander Sünkel, erzählte seine ökumenische Autobiografie in St. Martin. Pfarrer Demel begleitete in der Versöhnungskirche die Losung und Lesung von Bibelworten und das Taizé-Gebet. „Mein Schicksal und mein Auftrag ist die Ökumene“, so fasste Pfarrer Sünkel seine Erzählung aus seinem Leben zusammen.

Auf Wunsch der Mutter evangelisch getauft

Als Kind eines evangelischen Vaters und einer katholischen Mutter in einem ganz überwiegend katholischen Dorf in Oberfranken geboren, fühlte er sich in beiden Kirchen wohl. Er und seine Geschwister wurden auf Wunsch der katholischen Mutter evangelisch getauft: „Das war wohl eine Reaktion auf mancherlei Anfeindungen und übler Nachreden, die sie erfahren musste.“ Als die Familie in die Oberpfalz umzog, besuchte Sünkel den katholischen Kindergarten und ging am Sonntag in den evangelischen Kindergottesdienst. Er nahm an Fronleichnamsprozessionen teil und spielte im Posaunenchor, wo auch seine katholischen Freunde mitspielen durften.

Als er nach dem Theologiestudium 1997 in Poppenricht im Landkreis Amberg-Sulzbach evangelischer Gemeindepfarrer wurde, schenkte ihm seine katholische Oma den Talar. Mit seinem katholischen Amtsbruder betete er mit den Arbeitern der Maxhütte für eine gute Zukunft in der Gemeinde, die etwa je zur Hälfte aus Katholiken und Protestanten bestand. Später kehrte Sünkel als Pfarrer in die Oberpfalz an den Ort seiner Kindheit zurück und baute dort ökumenische Brücken auf. 2009 wechselte er in die Militärseelsorge, wo er Soldaten unterschiedlicher Glaubensrichtungen auch bei Einsätzen in Afghanistan begleitete. „Ich halte stets Freundschaft mit der katholischen Kirche. Bei gegenseitigem Respekt soll die Vielfalt in Einheit münden“, setzt er auch auf dem Lechfeld ein klares Zeichen für die Ökumene.

Posaunenchor als Markenzeichen

Mit dem Markenzeichen evangelischer Gemeinden, einem Posaunenchor, wurden Choräle aus der Reformationszeit wie „Befiehl du deine Wege“ von Paul Gerhardt in St. Martin intoniert und Erwin Gundlach hielt einen Kurzvortrag „Blitzlichter aus dem Leben Martin Luthers“. Mit „Sing and Pray“ wurde zum Singen in St. Martin eingeladen, während in der Versöhnungskirche die Lechfeldharmonie aus den katholischen Gemeinden stimmungsvoll musizierte.

An den beim Verpflegungsstand am Kreisverkehr aufgebauten Schranken begegneten sich alle Besucher, die zwischen beiden Kirchen hin und her wanderten, zur Abschlussaktion mit der Gruppe „(R)aus-geh-Zeit“. Menschen beider Gemeinden berichteten von guten Erfahrungen, die Schranken überwunden haben und bauten eine Lichterbrücke über die Schranken.

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