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Ustersbach

17.09.2018

Kinder und Jugendliche fordern Politiker raus

Neun Vertreter von Parteien diskutierten mit Kinder und Jugendliche im Ustersbacher Forum zur U18-Landtagswahl über aktuelle Themen. Rund 50 Besucher folgten der Debatte.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Vor der U18-Landtagswahl: Vertreter von neun Parteien stellen sich den Fragen des Nachwuchses in Ustersbach. Warum die AfD nicht dabei war

Die Positionen waren unterschiedlich, zuweilen konträr. Dennoch verlief die Podiumsdiskussion im Forum von Ustersbach zur bevorstehenden U18-Landtagswahl mit Kandidaten oder Vertretern der jeweiligen Partei harmonisch und unaufgeregt. Harte Wortgefechte blieben aus. Kinder und Jugendliche unter der Leitung der beiden Jugendbeauftragten der Gemeinde hatten Vertreter von neun Parteien eingeladen und dazu vier Themen vorbereitet. Dabei führten die Moderatoren Philipp Teut und Jakob Ellenrieder unter dem Motto „Wir sind bunt“ souverän durch die zweistündige Veranstaltung.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Diskussionsteilnehmer und einer Videoeinspielung, bei der unter anderem Bürgermeister Maximilian Stumböck eindringlich vor der politischen Gefahr von rechts warnte, kam die Debatte mit der Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen schnell in Fahrt. Hier forderte Gabi Olbrich-Krakowitzer (ÖDP) rasche Integration und umfassende Sprachkurse, aber auch einen Crashkurs über den Lebensstil in Deutschland. Ähnlich argumentierte Eva Lettenbauer (Bündnis 90/Die Grünen). Sie trat dafür ein, Flüchtlinge spätestens nach drei Monaten aktiv am Alltagsleben teilnehmen zu lassen und für sie eine Ausbildungsgarantie zu schaffen.

Auch Kerem Billor (Die Linke) und Andreas Jung (Piraten) bestanden darauf, den Asylbewerbern eine Perspektive zu geben. Das sei der Schlüssel zum Erfolg, so Jung. Fabian Mehring (Freie Wähler) sagte, mit dem Thema müsse pragmatischer als bisher umgegangen werden. Ludwig Lenzgeiger (CSU) sprach sich für Humanität und Ordnung aus. Gleichzeitig gelte es, die aktuelle Gesetzeslage durchzusetzen, betonte er.

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Maximilian Funke-Kaiser (FDP) glaubte nicht, dass die gegenwärtigen Gesetze dafür ausreichen. Für ihn sei ein Einwanderungsgesetz unumgänglich. „Damit steuern wir dem Rechtsruck entgegen.“ Roland Wegner (V-Partei³) sah die Thematik global: „Um Europa vor Flüchtlingen zu schützen, müssen wir Afrika retten.“ Herbert Woerlein (SPD) strebte ebenfalls die Bekämpfung der Fluchtursachen an. Zudem müsse man die Ängste der deutschen Bevölkerung ernster nehmen.

Einigkeit herrschte bei den Parteivertretern dagegen bei der Förderung des Ehrenamts. Durch die Bank wurde festgestellt, dass ohne ehrenamtliches Engagement in der Gesellschaft nichts gehe und es mehr als bisher gestärkt werden müsse.

Deutlich unterschiedlicher waren die Positionen beim Themenkomplex Umweltschutz und Erderwärmung. Hier reichten die Meinungen von einem fahrlässigen Umgang mit Umweltschutz über nachhaltige Landwirtschaft bis zum Themenkomplex Fahrverbote in Städten.

Beim Thema Digitalisierung im schulischen Sektor wünschten sich viele Teilnehmer die Förderung von medialer, digitaler und sozialer Kompetenz. Nicht nur die Anwendung sei wichtig, auch das Wissen, wie man sich davor schützt, meinte Kerem Billor. Maximilian Funke-Kaiser forderte die Ausstattung aller Schüler mit Tablets. Herbert Woerlein entgegnete, dass die Digitalisierung in den Schulen überschätzt werde: „Wichtiger ist das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer, Schüler und Eltern.“ Die ÖDP-Vertreterin verwies auf die Handy-Sucht: „Sechsjährige brauchen noch keine Digitalkompetenz und nicht den Dauerblick aufs Display.“

Bei der Publikumsfragerunde unterstellte ein AfD-Anhänger den Veranstaltern eine bewusste Ausgrenzung der Partei. Zugleich monierte er, dass die Politiker nicht auf wichtige Themen wie Altersarmut und Wohnungsnot eingegangen seien. Angelika Ortner, neben Andrea Braun Jugendbeauftragte der Gemeinde Ustersbach, verdeutlichte, dass die Diskussionsrunde auch für die AfD offen gewesen sei, diese aber das Angebot nicht genutzt habe. Zum Politikervorwurf konterte Fabian Mehring: „Wir haben auf die Fragen geantwortet, die uns gestellt worden sind.“ Themen wie Armut, Wohnen, Arbeitslosigkeit, Mindestlohn, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit seien diesmal auf der Agenda der Kinder und Jugendlichen nicht vertreten gewesen.

Angelika Ortner und Andrea Braun waren über Resonanz und Inhalt der Podiumsdiskussion zufrieden. „Es handelte sich um eine Informationsveranstaltung für die U18-Wahl, die am 5. Oktober, also neun Tage vor den Bezirks- und Landtagswahlen, im Forum stattfindet und zu der alle Kinder und Jugendliche vor Ort und aus der Umgebung zur Abgabe ihrer Wahlstimmen eingeladen sind“, so die Jugendbeauftragten.

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