Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Kleine Wesen brauchen große Freunde

Großaitingen

16.04.2015

Kleine Wesen brauchen große Freunde

Die Gelbbauchunke benötigt Kleinstgewässer wie Pfützen und nasse Wegmulden zur Fortpflanzung.
2 Bilder
Die Gelbbauchunke benötigt Kleinstgewässer wie Pfützen und nasse Wegmulden zur Fortpflanzung.
Bild: Britta Richert

Großaitinger Naturschützer gestalten frische Laichgewässer. So entsteht mehr Lebensraum für eine seltene Krötenart. Es war höchste Zeit.

Kaum einer weiß, dass es sie gibt. Doch dem Landschaftspflegeverband Landkreis Augsburg sind die kleinen Tierchen ein besonderes Projekt wert. So meldet er nun: Gute Zeiten für die Gelbbauchunke. In Großaitingen rollte wieder der Bagger des Bauhofs an, um frische Laichgewässer zu gestalten. Die in der Region stark gefährdete Art der Gelbbauchunke ist nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtinie (FFH) geschützt.

Es sei fünf Minuten vor 12 Uhr für die kleine, isoliert gelegene Gelbbauchunken-Population gewesen, sagten Fachleute, als Ende 2011 der Startschuss für das von der Regierung von Schwaben geförderte Amphibienhilfsprojekt fiel. Die Trägerschaft übernahm der Landschaftspflegeverband mit einer eigens engagierten Projektmanagerin. Die Förderung endete zwar 2013, doch Pflegeverband, Bund Naturschutz Großaitingen, Gemeinde und die von Lotzbeck’sche Forstverwaltung kümmern sich weiterhin gemeinsam um die Biotope.

„Nach einer Lebensraumanalyse war klar – es fehlte vor allem an geeigneten Laichgewässern“, sagt Projektmanagerin Britta Richert. Die Gelbbauchunke sei eine ausgesprochene Pionierart, das heißt, sie benötige immer wieder neue Kleinstgewässer wie Pfützen und nasse Fahrspuren zur Fortpflanzung. „Diese entstehen heutzutage aber kaum noch neu.“ Als Ursache sei vor allem die fehlende Dynamik in der aufgeräumten Kulturlandschaft zu nennen. Bei der Bewirtschaftung der Wälder werden aus Bodenschutzgründen Reisigmatten in die Rückegassen eingebracht, sodass vernässte Fahrspuren erst gar nicht mehr entstehen können. Pfützen auf Wegen würden oft beseitigt. „Auch die Fließgewässer wurden weitestgehend reguliert, sodass Hochwasser fehlen, die früher immer wieder neue Strukturen geschaffen haben“, so Richert. All das habe zu einem kontinuierlichen Rückgang der Population geführt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Überhaupt geht es unseren Amphibien nicht gut“, warnt Richert. Von 19 heimischen Arten stünden bereits zwölf Arten auf der bayerischen „Roten Liste“.

Werner Burkhart, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes, beobachtet die Entwicklung der Unkenvorkommen schon seit Jahren: „Die Populationsgröße wurde zusehends kleiner, vor allem fehlte es an genügend Unken-Nachwuchs.“ Über das Amphibienprojekt ergab sich dann ein Zugriff und durch rasche gezielte Hilfsmaßnahmen konnte man gemeinsam dem Negativtrend entgegen steuern. Seit 2012 würden jedes Jahr neue Laichmöglichkeiten für die Gelbbauchunke geschaffen. „Mit Erfolg, wie die letztjährige Bestandsaufnahme gezeigt hat.“ Die Population habe sich, wie es scheint, annähernd verdoppelt. „Wenn man klein ist, ist es eben gut, wenn man große Freunde hat“, sagt Richert. (SZ)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren