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Königsbrunn
19.02.2020

Gymnasiumsweiher: Wie viel Eingriff in die Natur ist zu viel?

Das Dickicht (Bild oben) das bis vor Kurzem den Königsbrunner Gymnasiumsweiher umgab wurde nun gelichtet. Die teils massiven Eingriffe in die Uferzone rufen allerdings deutliche Kritik hervor. Auch beim Landratsamt ist man nicht einverstanden mit dem Ausmaß der Modellierung.
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Das Dickicht (Bild oben) das bis vor Kurzem den Königsbrunner Gymnasiumsweiher umgab wurde nun gelichtet. Die teils massiven Eingriffe in die Uferzone rufen allerdings deutliche Kritik hervor. Auch beim Landratsamt ist man nicht einverstanden mit dem Ausmaß der Modellierung.

Die Büsche am Ufer des Königsbrunner Gewässers sind zurück geschnitten. Doch an den Arbeiten gibt es harsche Kritik. Wo die Probleme liegen.

Der Königsbrunner Gymnasiumsweiher liefert weiteren Anlass für Diskussionen. Wie berichtet wurden in der vergangenen Woche Teile der Uferbereiche des kleinen Gewässers entbuscht und das nördliche und Ufer mit schwerem Gerät modelliert. Das bringt die Königsbrunner Grünen auf: Die Umgestaltung des Ufers geht ihnen deutlich zu weit. Das sei nicht genehmigt gewesen und gefährde Laichgründe für diverse Amphibien. Aus dem Landratsamt kommt Zustimmung für diese Ansicht.

Die erste Reaktion der Grünen fiel durchaus heftig aus: „Es ist ein Skandal wie hier vorgegangen und der Artenschutz ignoriert wurde. Die Verantwortlichen müssen zur Verantwortung gezogen werden“, schrieb Stadtrats-Fraktionschef Alwin Jung in einer Pressemitteilung. Mit Entbuschungen sei man einverstanden, die Eingriffe ins Ufer seien zu drastisch. Dort seien teils einige Zentimeter Erdreich abgefräst worden. Anton Hofreiter, der Chef der Bundestagsfraktion, sei bei seinem Besuch kürzlich in Königsbrunn und am Weiher angesichts des rigorosen und vorschriftswidrigen Vorgehens der Arbeiter ziemlich fassungslos gewesen.

Stadt Königsbrunn: Haben uns an den Bescheid gehalten

In einer Stellungnahme der Stadt Königsbrunn klingt das etwas anders: Man habe bei einem Ortstermin Ende vergangenen Jahres die Rodungsarbeiten besprochen und von der Unteren Naturschutzbehörde einen Bescheid erhalten, in dem die Maßnahmen detailliert zusammengefasst waren. Auf diesen Grundlagen habe die beauftragte Firma die Auslichtungen vorgenommen. „Hierbei wurde die Flachwasserzone im Nord-Westen des Weihers unangetastet belassen, da sie als Laichzone genutzt wird. Der Bereich im Nord-Osten mit sumpfähnlicher Vegetation wurde komplett ausgelichtet und trocken gelegt, soll aber in den Planungen von Brugger Landschaftsarchitekten wieder als Sumpf- und Wassergarten ausgebildet werden“, teilt Werner Lohmann, Leiter des Technischen Bauamts und der Stadtplanung, mit. Man habe sich inhaltlich an den Bescheid und die Aussagen der Unteren Naturschutzbehörde gehalten und lediglich versäumt, die Behörde bei der Umsetzung hinzuzuziehen.

Das Dickicht (Bild oben) das bis vor Kurzem den Königsbrunner Gymnasiumsweiher umgab wurde nun gelichtet. Die teils massiven Eingriffe in die Uferzone rufen allerdings deutliche Kritik hervor. Auch beim Landratsamt ist man nicht einverstanden mit dem Ausmaß der Modellierung.

Bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt sieht man das etwas anders: Dort war man wenig angetan über die Art und Weise der Umgestaltung des Uferbereichs. Die Auslichtung des Buschwerks war tatsächlich mit der Behörde abgestimmt. Der deutliche Eingriff in die Struktur des Ufers war durch diesem Bescheid allerdings nicht abgedeckt. Betroffen davon sind Frösche, Kröten und andere Tiere, die das flache Gewässer und seine Randbereiche zum Überwintern und zur Laichablage nutzen.

Nach Vor-Ort-Gespräch soll am Gymnasiumsweiher gegengesteuert werden

Am Montag trafen sich alle beteiligten Parteien – Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde, der Grünen, Bund Naturschutz, Brugger Landschaftsarchitekten und Werner Lohmann – am Gymnasiumsweiher um nach Wegen zu suchen, weitere Schäden für die Natur zu vermeiden. Die Gespräche seien sehr konstruktiv und versöhnlich verlaufen, teilte ein Sprecher des Landratsamtes mit: „Es besteht Einigkeit darüber, dass die Arbeiten so und in diesem Umfang nicht mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen waren.“ Es habe wohl ein Missverständnis zwischen der Stadtverwaltung und dem Unternehmer gegeben, der die Arbeiten durchgeführt hat. „Der Unternehmer hat wohl keine Einweisung zu den Gegebenheiten bekommen und die Arbeiten wurden nicht überwacht“, sagt Alwin Jung.

Jetzt soll „sehr zeitnah und konstruktiv“ gegengesteuert werden, heißt es vom Landratsamt. In zwei bis drei Wochen beginnt die Brutsaison der Amphibien. Bis dahin soll der Uferbereich mit verschiedenen Maßnahmen so hergerichtet werden, dass die Tiere, die die Baumaßnahmen überlebt haben, ausreichend Laichgründe vorfinden.

Die Königsbrunner Stadträte wollen in den nächsten Monaten entscheiden, wie es mit dem Weiher weitergehen soll. Gedankenspiele reichen vom reinen Spazierweg am Ufer über einen Bereich für Naturkunde bis hin zu einer Gastronomie im nordwestlichen Bereich des Sees. Die Firma Brugger Landschaftsarchitekten hat dazu Vorschläge erarbeitet und im Stadtrat präsentiert.

Einig waren sich die Stadträte in einem Punkt: Der Weiher soll seinen Status als Treffpunkt der Party- und Drogenszene verlieren. Bei den Rodungsarbeiten wurden in dem dichten Gebüsch an mehreren Stellen zahlreiche Drogenutensilien gefunden und der Polizei übergeben. Nun ist das Gelände gut einsehbar, sodass an dieser Stelle kein Drogentreffpunkt mehr möglich sein wird.

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