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Satzung und Gebühren

06.07.2019

Königsbrunn stellt seinen Friedhof für die Zukunft auf

Friedhofskonzept Königsbrunn 2050Für den Königsbrunner Friedhof gibt es eine neue Satzung.
Bild: Marion Kehlenbach

Die neuen Satzungen regeln zeitgemäße Bestattungsformen und eine neue Gebührenstruktur auf dem Königsbrunner Friedhof. 

Seit Anfang November 2018 ist das neue Feld mit Urnenstelen im nordwestlichen Bereich des städtischen Friedhofs fertig, ab sofort können dort nun Urnen beigesetzt werden. Einstimmig beschloss der Stadtrat am Dienstagabend eine neue „Satzung über das Friedhofs- und Bestattungswesen der Stadt Königsbrunn“ und die zugehörige Gebührensatzung. Der Rat schloss damit einen Prozess weitgehend ab, in dem während der zurückliegenden zwölf Monate neue Perspektiven für den städtischen Friedhof entwickelt wurden. Die Stadt reagierte damit auf deutlich spürbare Veränderungen bei den gewählten Bestattungsformen.

„Sie hatten in 2018 nur 14 Sargbestattungen, über 70 Prozent waren Urnengräber“, nannte Friedhofsexperte Tobias Weiher dazu ein Detail. Er entwickelte für die Stadt seit Mitte 2018 ein umfassendes Konzept für den „Friedhof 2050“. Vor drei Wochen wurde es bei einer sehr gut besuchten Bürgersprechstunde im Infopavillon 955 vorgestellt (wir berichteten). Schon vor Jahren hat die Stadt die ersten Weichen für eine Weiterentwicklung des Friedhofs gestellt, die Pachtverträge für die südlich angrenzenden Kleingärten schrittweise gekündigt und ab März 2018 das Areal mit Urnenstelen entwickeln lassen. Das kann aber erst belegt werden, wenn die entsprechenden Satzungen gelten. Deshalb beschloss der Rat auch, dass sie umgehend in Kraft treten wird. Beim Informationsabend hatte eine Bürgerin geschildert, dass sie seit März darauf wartet, die Urne mit der Asche ihres Vaters beisetzen zu können.

Tobias Weiher berät bundesweit Kommunen bei neuen Konzepten für ihre Friedhöfe. Er hat sich intensiv mit dem städtischen Friedhof auseinandergesetzt, der in den späten 1970er Jahren an der westlichen Lechleite mit parkartigen Elementen angelegt wurde. Er bescheinigt ihm, bei manchen Schwächen im Detail, „das Flair eines Kurparks“. Das solle die Stadt unbedingt erhalten. Gleichzeitig müsse sie auch auf neue Trends in der Bestattungskultur reagieren. „Es gibt eine große Nachfrage nach pflegefreien, naturnahen Bestattungsformen“, so Weiher.

Erscheinungsbild des Königsbrunner Friedhofs wird sich verändern

Das werde das Erscheinungsbild des Friedhofs verändern - und den städtischen Kräften deutlich mehr Arbeit bescheren, wenn sich etwa in den kommenden Jahrzehnten die Reihen der genutzten traditionellen Gräber lichten. „Gepflegte Sarggräber tragen aber zum Erscheinungsbild bei“, stellte Bürgermeister Franz Feigl fest. In der Gebührensatzung sind deshalb die Kosten für Sarggrabstätten tendenziell niedriger angesetzt als für Urnenstätten. So werde der Pflegeaufwand für Sarggräber berücksichtigt. „Wir müssen auch die Kosten für die Aufstellung der Urnenstelen korrekt umlegen“, ergänzte Feigl. Er wies darauf hin, dass ein Friedhof per Gesetz als „kostendeckende Einrichtung“ zu führen ist.

Die neuen Friedhofsgebühren

Mit einem umfangreichen Zahlenwerk hat Weiher die vielen Aufwendungen für den Friedhof erfasst und in eine Kalkulation eingearbeitet. Er zeigte auf, dass in 2017 und 2018 die Einnahmen nur 56 beziehungsweise 45 Prozent der Aufwendungen deckten. Mit der neuen Gebührenstruktur sei eine Kostendeckung von 70 Prozent wahrscheinlich. Den Rest können die Stadt angemessen als Aufwand für öffentliches Grün verbuchen.

Alle Fraktionen stimmen zu

Sprecher aller Fraktionen stimmten Weihers Ausführungen und seinen Satzungsentwürfen zu. Bei einigen Details gab es Nachfragen. So erlaubt die neue Satzung die Mitnahme von Hunden (an der Leine) und Rädern (geschoben) auf den Friedhof. „Bislang war beides verboten, aber viele haben sich nicht daran gehalten“, so Weiher. Nun habe man eine „Kommunikationsebene“, man könne Friedhofsbesucher darauf ansprechen. „Wir appellieren hier an die Vernunft der Menschen.“

Peter Henkel (CSU) fand die Öffnungszeiten mit „von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“ zu vage formuliert. Das lasse Spielraum für Interpretationen. „Sonst müssten wir alle zwei Monate andere Zeiten angeben“, erläuterte Weiher. Der Friedhof werde ja nie komplett abgeschlossen, „aber nur in diesem Zeitraum hat die Stadt die Verantwortung“.

Helmut Schuler (Freie Wähler) wandte sich gegen den Beschlussvorschlag, eine vertiefte Machbarkeitsstudie zur Renovierung der Aussegnungshalle und eine Ausgestaltung von Teilen mit Innenraum-Urnennischen in Auftrag zu geben. „Einige leichte Bauschäden sind kein Grund für eine Generalsanierung.“ Feigl und Weiher erläuterten, dass etwa die Hälfte der Aussegnungshalle seit Langem nicht für Bestattungen genutzt werden, aber in die Kostenkalkulation einbezogen werden muss. Durch eine andere Nutzung, zum Teil als Aufenthaltsräume für Mitarbeiter, zum Teil als ein „Kolumbarium“ für Urnennischen, können man Kosten sparen und zusätzliche Einnahmen generieren. Weil sich mehrere Stadträte skeptisch zeigten, soll über diesen Punkt mit zusätzlichen Informationen später nochmals beraten werden.


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