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Königsbrunn

26.06.2020

Königsbrunner Autokino: So war der erste Abend mit Will Smith

Ein Kinobesuch im Auto auf dem Gautschplatz in Königsbrunn. Die Corona-Krise sorgt für das Revival eines scheinbar ausgestorbenen Freizeitvergnügens. Die Autos parken zwischen aufgemalten Punkten, um den Abstand einzuhalten.
Bild: Piet Bosse

Plus Auf dem Königsbrunner Gautschplatz startete am Donnerstag das Autokino, es läuft bis zum 5. Juli. Wie es sich anfühlt, beim Actionstreifen im Autositz zu versinken.

Viele Menschen, laute Musik, der Geruch von Bratwurst: Das ist einmal im Jahr Normalität auf dem Königsbrunner Gautschplatz. Aber jetzt ist alles anders. Es es ruhig. Ab und zu fährt ein Auto vorbei. Eine ältere Dame wundert sich, dass sie nicht ihren gewohnten Abendspaziergang machen kann. Heute kann sie den Gautschplatz nicht überqueren. Er ist gesperrt für das Autokino.

39 Wagen stehen dort. Sie kommen aus Augsburg, Nördlingen, Landsberg, Donauwörth, München und sogar Mönchengladbach, um „Bad Boys for Life“ zu sehen. Um 21.30 Uhr geht’s los – eine Viertelstunde später als geplant. Der Grund: Die Sonne ist gerade erst untergegangen, es ist noch zu hell. Das Bild auf dem aufblasbaren Leinwand, die fast wie eine überdimensionale Hüpfburg aussieht, ist noch kaum erkennbar.

Nein, das ist keine Hüpfburg. Dieser 18 Meter breite und zwölf Meter hohe aufblasbare Rahmen ist Teil der Leinwand für das Autokino auf dem Gautschplatz in Königsbrunn.
Bild: Piet Bosse

Königsbrunner Autokino: Im flauschigen Autositz kommt Atsmospäre auf

Danny Felmeden, der sich um die Technik kümmert, würde gerne noch länger warten. Jetzt drückt er auf sein Handy, das mit dem Projektor verbunden ist. Film ab. Kein Vorhang fällt, niemand bietet Eis an. Dafür gibt gibt es ein Vorprogramm mit Königsbrunner Imagefilmen. Die ersten Minuten des Actionstreifens sind noch undeutlich zu erkennen, der Ton passt. Aus den Autolautsprechern kommt er klarer als aus einem Flachbildfernseher. Felmeden hat über die Bundesnetzagentur eine Radiofrequenz organisiert. Die Gäste stellen sie im Auto ein. Mit 97.2 bekommen sie dann den Ton von „Bad Boys for Life“. Rebecca Ribarek und Ramona Frodl vom Königsbrunner Kulturbüro sind auf alles vorbereitet. „Wir haben auch Radios dabei, falls jemand Hilfe braucht“, sagt Frodl.

Der Einlass geht kontaktlos durch das Autofenster. Snacks gibt’s im Vorbeifahren.
Bild: Piet Bosse

Die Frequenz kann übrigens nur auf dem Gautschplatz und in unmittelbarer Umgebung empfangen werden. Im flauschigen Autositz entsteht in gemütlicher Position Kinoatmosphäre. Während in vielen Autos der Bass leicht wummert, ist es draußen fast ganz still. Die Luft wird kühler. Wer über den Gautschplatz geht und zur Leinwand schaut, bekommt wegen des gedämpften Tons das Gefühl, als er hätte er ein Kissen auf den Ohren. Ramona Frodl genießt die Stimmung: „Das ist alles so schön.“

Autokino: Ein Abend mit Will Smith bedeutet Action

Auf der Leinwand tobt die Action, aber auf dem Parkplatz ist es friedlich. Ab und zu gehen Besucher mit Mundschutz über den Platz zum Toilettenhäuschen. In den Autos haben sich viele Kinogäste in Decken gekuschelt. Alle zehn Minuten muss ein grauer Peugeot den Motor starten – die Batterie schwächelt. Es riecht nach warmen Motoren, nicht nach Popcorn. Der Snackstand hat kurz vor dem Filmstart geschlossen. „Im Kino kaufen die Leute auch kaum etwas während des Films“, sagt eine Cineplex-Mitarbeiterin.

Während es immer dunkler wird, erlebt auch die Sicherheitsfirma einen ruhigen Abend. Auf der Nebenstraße halten zwischendurch drei Autos, die Insassen haben die Frequenz eingeschaltet und wollen den Film von draußen hören. Nach einer Ermahnung der Ordner fahren sie weiter. Sicherheitschef Norbert Eisele hat wenig zu tun, seine Kollegen verfolgen den Film, in ihren Handys sind Radios installiert. Er nicht: „Ich habe so moderne Technik nicht.“

Am teuersten war der Projektor für das Autokino auf dem Gautschplatz

Organisiert hat das Autokino die Stadt Königsbrunn mit der Kino-Gruppe-Rusch, die unter anderem die Cineplex-Kinos in Königsbrunn und Meitingen betreibt. Die Stadt hatte die Idee eines Autokinos. „Sie wollte eine Ersatzveranstaltung für das ausgefallene Volksfest veranstalten“, sagt Cineplex-Marketingleiterin Susanne Schubert. „Die Kosten liegen ungefähr bei 50000 Euro“, verrät Alexander Rusch von der gleichnamigen Kino-Gruppe. Für das Autokino mussten eine Leinwand, ein Transmitter und eine Radiofrequenz besorgt werden.

Für das Autokino auf dem Gautschplatz in Königsbrunn wurde der Projektor per Gabelstapler positioniert.
Bild: Piet Bosse

Am teuersten sei aber der Projektor gewesen. Hätte man den kaufen müssen, dann wären die Kosten doppelt so hoch. Für Susanne Schubert sind die insgesamt elf Tage Autokino vor allem ein Marketing-Gewinn. „Wir wollen allen ein besonderes Erlebnis bieten.“ Das ist es geworden – selbst der erfahrene Kino-Techniker Danny Felmeden ist beeindruckt. 21 Jahre arbeitet in der Branche, aber ein Autokino hat er noch nie erlebt.

Programm: Diese Filme laufen noch bis zum 5. Juli im Autokino

  • Freitag, 26. Juni Nightlife
  • Samstag, 27. Juni Oneward - Keine halben Sachen
  • Sonntag, 28. Juni Das perfekte Geheimnis
  • Montag, 29. Juni Joker
  • Dienstag, 30. Juni A Star is Born
  • Mittwoch, 1. Juli Knives Out - Mord ist Familiensache
  • Donnerstag, 2. Juli Leberkäsjunkie
  • Freitag, 3. Juli Besser Welt als nie
  • Samstag, 4. Juli Die Känguru Chroniken
  • Sonntag, 5. Juli Jumanji - The Next Level

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Das Leben ist ein Auto

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