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Königsbrunn

22.02.2021

Königsbrunner Diakon Pötschke bleibt der Kirche auch im Ruhestand erhalten

Abschied von Diakon Thomas Pötschke (Mitte, ohne Maske) nahmen (von links) Pfarrer Ernst Sperber, Vertrauensfrau Marianne Schenke (mit Luftballons) und Pfarrerin Elisabeth Knopf.
Bild: Claudia Deeney

Plus Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde Diakon Thomas Pötschke in den Ruhestand verabschiedet. Doch der Mann mit den vielen Talenten bleibt der evangelischen Kirche erhalten.

Diakon Thomas Pötschke ist ein Mann mit vielen Talenten. Das wurde beim feierlichen Gottesdienst in der evangelischen St.-Johannes-Kirche von den vielen Festrednern deutlich. Am vergangenen Sonntag wurde der Diakon in der Brunnenstadt offiziell entpflichtet und sozusagen in den Ruhestand verabschiedet. Sozusagen, denn Thomas Pötschke hatte schon im Vorfeld versichert, dass er der Gemeinde weiterhin ehrenamtlich dienen möchte.

Und der Mann, der sich in Königsbrunn um die Altenheimseelsorge verdient gemacht hat, müsse dazu noch eine besondere Kunst erlernen, wie Dekan Michael Thoma ausführte: "Die besondere Kunst, auch mal Nein zu sagen, sonst wird aus dem Ruhestand ganz schnell ein Unruhestand.“ Denn ab jetzt sei sein Engagement freiwillig und das sei der große Unterschied zum Berufsleben.

Bibelwort ging Königsbrunner Diakon Pötschke nicht mehr aus dem Kopf

Eine Berufung, die Thomas Pötschke schon im Kindesalter erlebte, wie Pfarrer Ernst Sperber veranschaulichte: "Ein Kindergottesdiensthelfer spricht einem Kindergottesdienstkind ein Bibelwort zu. Für das Kind Thomas geschah das gleichsam aus heiterem Himmel.“ Das Bibelwort (aus 1. Mose 17,1) lautete: "Der Herr sprach: Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir und sei fromm.“ Diese Worte, vor gut 60 Jahren ausgesprochen, seien dem Kind und späteren Jugendlichen nicht mehr aus dem Kopf gegangen und darum er sei dem Ruf Gottes gefolgt.

Für sein Wirken in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern bedankte sich Sperber ebenso wie Diakon Christian Wolf. Dieser sah am Sonntag eine feiernde und keine trauernde Gemeinde. Zum einen, weil Thomas Pötschke sich auch als Diakon im Ruhestand weiter betätigen werde, zum anderen bleiben er und seine Frau sowie die Kinder der besonderen Gemeinschaft der Diakone als Mitglieder erhalten.

Immer bereit, sich neuen Situationen zu stellen

Wolf beschrieb den Neu-Ruheständler als Menschen, der immer bereit war, sich neuen Situationen zu stellen, neuen Menschen offen zu begegnen, sich in neuen Orten einzuleben und neue Herausforderungen anzunehmen. Auch seien Pötschke und seine Ehefrau Ruth sehr zuverlässig und hilfsbereit.

Ruth Pötschke wurde von Bürgermeister Franz Feigl in dessen Grußwort eigens angesprochen. Bei der Frage, die sich Feigl selbst stellte: "Was habe ich von Ihnen beiden gesehen und gelernt?" gab er nach kurzem Überlegen die Antwort: „Eine unglaubliche Hartnäckigkeit, vor allem bei Ihnen, Frau Pötschke. Sie haben mich bei jeder unserer Begegnungen auf die reparaturbedürftige Orgel angesprochen.“ Mit Erfolg, wie Feigl versicherte. Für ihn sei es ein super Signal, bei der Entpflichtung sprechen zu dürfen, es zeige die gute Zusammenarbeit zwischen den beiden großen Kirchengemeinden und der Stadt Königsbrunn.

Gutes Verhältnis zur katholischen Kirche

Die gute Zusammenarbeit unterstrich auch der katholische Diakon Dr. Edgar Krumpen, der sich mit persönlichen Worten und Geschenken verabschiedete. Unter anderem wünschte er "Shalom“. Und zwar in der vielseitigen Deutung der hebräischen Sprache, beispielsweise als Freude, Versöhnung, Frieden und Sicherheit. Sein Sprachtalent habe Thomas Pötschke nämlich genutzt und Hebräisch gelernt.

Neben der Begabung für Schauspielerei, die Pötschke beispielsweise bei Nikolausfesten einsetzte, singt er gerne und gut. Seine große Liebe zu den Gottesdiensten bewies er mit seiner letzten Predigt als Diakon. Mit der Frage, warum Judas als Apostel Jesus Christus verraten hat, wie das passieren konnte, welchen Versuchungen dieser erlag und warum niemand einschritt, schlug er einen Bogen in die Gegenwart. Die Passionszeit sei eine gute Gelegenheit für jeden Menschen, sich zu fragen, was bestimmt unser Denken und Handeln, wer sitzt im Sattel unseres Lebens.

Auch er selbst habe anlässlich seines Ruhestands zurückgeschaut und er sei sich bewusst, dass er nicht immer richtig gehandelt habe. "Manchen Menschen bin ich auf die Zehen oder den Schlips getreten, ich bitte um Vergebung an dieser Stelle“, erklärte Pötschke. Er ermahnte die Zuhörer, achtsam zu sein und darauf zu schauen, wohin ihr Weg verlaufe, sowie auch den Mut zu haben, etwas zu verändern. Auch heute gäbe es noch genügend Ungeheuerlichkeiten, wie beispielsweise das Sterben von Menschen an Hunger.

Mit einem symbolischen Bild verabschiedete sich Vertrauensfrau Marianne Schenke im Namen des Kirchenvorstands. Mit Luftballons in der Hand zeichnete sie mit Worten ein fröhliches Bild. Darauf imaginär zu sehen, ein strahlend blauer Himmel voll mit bunten Luftballons. Ihr Wunsch sei es, allen ein fröhliches Lächeln ins Gesicht zu zaubern, trotz der Schutzmasken und Abstände.

Seifenblasen als Symbol für die Vielfältigkeit der Gemeinschaft überreichte Pfarrerin Elisabeth Knopf sowie die Werke von Johann Sebastian Bach, die Pötschke einmal bezeichnete als "musikalisch umgesetzte Predigten“.

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