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Königsbrunn

23.11.2015

Königsbrunnerin trägt eigene Gedichte per Computer vor - weil sie nicht sprechen kann 

Die junge Königsbrunner Autorin Veronika Raila reflektiert in ihren Texten ihre Behinderung, kann sie allerdings nicht selbst vortragen.
Bild: Petra Manz

Veronika Raila, die Trägerin des Anerkennungspreises zum Kulturpreis 2015, tritt in der Reihe „Außergewöhnlich – Gewöhnlich“ des Kulturbüros Königsbrunn auf. Wie sie trotz schwerer Behinderung kreativ tätig sein kann.

Mit der behinderten Literaturwissenschaftlerin Veronika Raila setzte das Kulturbüro die Veranstaltungsreihe „Außergewöhnlich – Gewöhnlich“ fort. In ihr stellen sich Menschen mit körperlicher Behinderung als Kulturschaffende vor, die – auch wenn sie physisch nicht der Norm entsprechen – im Wirkungsfeld von Kunst und Kultur ihre Begabung und Fähigkeit entfalten. Über 90 Besucher waren in den neuen Infopavillon „955“ beim Mercateum gekommen, um Veronika Raila zu erleben und ihre Texte, die von den Schauspielern Gaby Welker und Dieter Goertz rhetorisch brillant vorgetragen wurden, zu hören.

Sie erlebten die junge Autorin, Trägerin des Anerkennungspreises zum Kulturpreis 2013 der Stadt Königsbrunn, an diesem Abend als eine zartgliedrige Jugendliche mit weichem Mädchengesicht und hochgestecktem dunkelblondem Haar im Rollstuhl, deren physische Behinderung nicht zu übersehen ist. Von Geburt an behindert, kann Veronika Raila ihren Körper nicht kontrollieren, und durch das Asperger-Syndrom nimmt sie an der sie umgebenden Welt nur eingeschränkt teil. Sie kommuniziert größtenteils über den Computer und benötigt hierfür stützende Hilfe.

Von surreal bis tief berührend

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Veronika Railas Texte überraschen und faszinieren vor diesem Hintergrund. Was das Publikum da aus dem Mund von Gaby Welker und Dieter Goertz zu hören bekam, waren „wortstarke Texte“ mit präzisen, eleganten Formulierungen, teils tief berührend wie „Das Sandmädchen“, teils kafkaesk und surrealistisch, witzig bis makaber wie „Der Apfeldatschi“. Allesamt brillante, intensive, detail- und bilderreiche Prosa.

Im Anschluss an die Lesung stellte sich Veronika mit ihrer Mutter und dem Dokumentarfilmer Mark Michel, der mit seinem Kamerateam die Veranstaltung begleitete, den Fragen des Publikums. Das erfuhr unter anderem, dass die junge Autorin die Formulierungsarbeit an den Texten ausschließlich geistig bewältigt und die Texte dann direkt ins Reine schreibt. Mutter Petra wirkt als „Hauptstütze“ mit der eigenen linken, weil weniger dominanten Hand und stützt die rechte Hand der Tochter, wenn diese den im Kopf ausformulierten Text in den Computer tippt. Veronika Raila studiert an der Universität Augsburg Neuere Deutsche Literatur und Theologie, Kleist, Kafka und Lessing sind ihre Lieblingsautoren.

Film über die Autorin im Sommer 2016

Die Zuschauer waren sehr beeindruckt. Auch die Schüler einer 10. Klasse des Gymnasiums, die mit Lehrerin Isabell Schwöble gekommen waren, nutzten nach anfänglicher Zurückhaltung die Gelegenheit, Petra Raila zum alltäglichen Ablauf im Leben von Tochter Vroni zu befragen.

Dokumentarfilmer Mark Michel kündigte seinen Film über Veronika Raila für den Sommer 2016 an. Viel Lob und Anerkennung für diese außergewöhliche und interessante Veranstaltung gab es vom Publikum für das Kulturbüro.

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