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Königsbrunn

16.01.2021

Kreative Lösungen in Königsbrunn für ein bisschen Kultur in Corona-Zeiten

Sie freuen sich über die Schaufenster-Ausstellung: (von links) Hildegard Häfele von der Stadtbücherei, Initiatorin Petra Fischer und Kulturbüroleiterin Rebecca Ribarek.
Bild: Adrian Bauer

Plus Ausstellungsräume sind gesperrt, Veranstaltungen verboten: Die Kultur hat es seit vielen Monaten schwer. In Königsbrunn gibt es jetzt einen Lichtblick.

Eigentlich sollte am Abend des 14. Januar die große Eröffnung der Ausstellung MeerPlastik im Kunstkarree des Königsbrunner Rathauses stattfinden. Danach sollten die Gäste bis zum 23. Februar die Möglichkeit haben, die Schau mit ihren vielen interaktiven Aktionen in Augenschein zu nehmen. Dass es damit nichts werden würde, war für Kulturbüroleiterin Rebecca Ribarek und Petra Fischer, die unter dem Dach der AWO-Ortsgruppe Königsbrunn das Projekt MeerPlastik angeschoben hat, eine Enttäuschung. Ab sofort ist die Ausstellung nun in den Schaufenstern des Kulturbüros und der Königsbrunner Stadtbücherei zu sehen.

Aus Plastik gehäkelte Tiere, ein Meeresteppich und Tipps für Literatur zu nachhaltigen Themen machen die Ausstellung in den Schaufenstern des Kulturbüros und der Stadtbücherei aus. 
Bild: Adrian Bauer

Dabei traf sie sich von Herbst 2019 bis zum Start der Corona-Maßnahmen im Frühling 2020 mit einer Gruppe von Mitstreitern immer samstags im Café Gingko zum Häkeln. Die Mitglieder verarbeiteten dabei Plastiktüten und andere Kunststoffprodukte zu Ausstellungsstücken passend zum Thema: Ein Meeresteppich entstand ebenso wie Quallen, Fische und Wale. Damit soll auf die Vermüllung der Weltmeere durch den Menschen aufmerksam gemacht werden. Die Idee stammt von der Münchner Regisseurin Doris Dörrie, bei deren ursprünglichem Projekt Petra Fischer im Jahr 2019 mitgemacht und es mit der Erlaubnis der Künstlerin fortgeführt hat.

Kultur: Petra Fischer hofft auf Vorschläge der Königsbrunner für ihre Stadt

Zur AWO passe das Umweltschutzprojekt sehr gut, sagt Fischer: Der Erhalt der Umwelt steht im neuen Grundsatzprogramm der Organisation, man hat sich solidarisch mit Fridays for Future erklärt und Ziele für eine nachhaltige Entwicklung formuliert. Corona habe dabei viele soziale Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft aufgedeckt. Sie erhofft sich nicht nur einen achtsameren Umgang mit den natürlichen Ressourcen, sondern auch eine Veränderung des Wirtschaftssystem hin zu einer "Ökonomie der Fürsorge". Entsprechend hat sie neben den gehäkelten Kunstwerken auch noch theoretischen Hintergrund in die Ausstellung integriert. Eine ihrer Hauptinspirationen ist das Buch "Unsere Welt neu denken" von Maja Göpel. Zu diesem Buch und Göpels Thesen hat sie vier Visualisierungen erarbeitet. Zudem sind im Kulturbüro weitere Bücher ausgestellt als Leseempfehlung.

Aus den Thesen im Buch "Unsere Welt neu denken" hat Petra Fischer Visualisierungen für die Ausstellung gemacht.
Bild: Adrian Bauer

Fischer möchte die Königsbrunner auch ermutigen, sich Gedanken über eine nachhaltige Zukunft ihrer Stadt zu machen. Ihre Ideen können die Besucher in eine "Flaschenpost" stecken, sie werden am Ende an die Umweltgremien der Stadt weitergeleitet. Plastikflaschen und Papier hängen zu den Öffnungszeiten am Kulturbüro aus. Zudem gibt es ein Gewinnspiel: Die Besucher sollen ein Foto ihres Lieblingstiers in den Fenstern von Kulturbüro oder Stadtbücherei machen, sich einen Namen ausdenken und schätzen, wie viel der Meeresteppich insgesamt wiegt. Die Ergebnisse sollen an meerplastik@awo-koenigsbrunn.de gemailt werden. Es gibt nachhaltige Preise zu gewinnen.

Rebecca Ribarek: "Der Klimaschutz ist in Königsbrunn fest verankert"

Kulturbüroleiterin Rebecca Ribarek freut sich, dass sich die Ausstellung wenigstens in dieser Form umsetzen lässt: "Auch wenn es schade ist, dass wir nicht ins Rathaus können. Denn Petra Fischer hatte wirklich tolle interaktive Elemente geplant." Das Thema der Ausstellung sei sehr politisch für ein städtisches Kulturbüro: "Aber der Klimaschutz ist in Königsbrunn fest verankert. Die Stadt hat sich überparteilich entsprechende Anstrengungen auf die Fahnen geschrieben." Petra Fischer nennt das Integrierte Nachhaltige Stadtentwicklungskonzept als Beispiel, dessen Erstellung sie in ihrer Zeit als Stadträtin mit auf den Weg bringen durfte. Im Dezember wurden Umweltvorgaben für die Bauherren im neuen Baugebiet auf den Weg gebracht.

Die Organisatorinnen möchten den Menschen mit der Schaufenster-Ausstellung auch ein neues Ziel für die Spaziergänge in der Stadt bieten, sagt Ribarek: "Wir möchten damit einen kleinen kulturellen, politischen und künstlerischen Input geben." Selbstverständlich sollten bei der Betrachtung der Kunstwerke auch die Abstände zu anderen Besuchern eingehalten werden.

Die Besucher können bei einem Preisausschreiben ihr Lieblingstier fotografieren, ihm einen Namen geben und das Gewicht des Meeresteppichs schätzen.
Bild: Adrian Bauer

Digital: Märchenstunde soll in Königsbrunn Gespräche ermöglichen

Um das Zusammengehörigkeitsgefühl kümmert sich die Ausstellung aber auch noch: Am kommenden Mittwoch startet um 18 Uhr die digitale Märchenstunde. Die Menschen können sich auf einer digitalen Plattform treffen. Stadtbücherei-Märchenspezialistin Hildegard Häfele hat für jeden Abend thematisch passende Geschichten ausgewählt: "Normalerweise erzähle ich ja eher unbekannte Geschichten. Hier sind es aber auch klassische Märchen der Gebrüder Grimm, die thematisch perfekt passen." Dazu gibt es Musik der Augsburger Band Mandàra und Zeit zum Austausch zu nachhaltigen Themen.

Zur Anmeldung kann man einfach eine Mail an stadtbuecherei@koenigsbrunn.de schreiben und bekommt den passenden Link und eine Anleitung für die Online-Plattform Webex zugeschickt. Wer nicht per Internet mitmachen kann, kann sich auch telefonisch einwählen. Informationen dazu gibt es in der Stadtbücherei unter Telefon 08231/606-255. "Wir haben schon einen Testlauf mit verschiedenen Altersgruppen gemacht, und es hat sehr gut funktioniert", sagt Hildegard Häfele. Die Märchenabende sind für Familien mit Kindern geeignet, aber auch für Senioren.

Für AWO und Stadt ist die Märchenstunde nicht nur eine Premiere, sondern auch ein Testlauf. Da nicht abzusehen ist, wann die Corona-Lage wieder normale Veranstaltungen erlaubt, werden solche Online-Events zu einer möglichen Alternative. Denn, da sind sich alle einig: "Die Chance auf gute Gespräche fehlt vielen Menschen zur Zeit sehr."

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