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Landkreis Augsburg
14.10.2021

Erkältungswelle rollt früher als sonst durch den Kreis Augsburg

Viele Menschen sind derzeit krank. Die Erkältungswelle erreicht nun auch das Augsburger Land.
Foto: Christina Sabrowsky, dpa (Symbolbild)

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Auffallend früh im Jahr sind viele Menschen im Augsburger Land krank. Ein Kinderarzt sagt: "Die Patienten stehen bis vor die Tür."

Die Erkältungswelle rollt jetzt auch durch den Landkreis Augsburg. Deutschlandweit berichten Kinderkliniken von einer Überlastung. Der Grund ist vor allem der Anstieg an Atemwegsinfektionen bei Kindern. Dr. Michael Gerstlauer, der Oberarzt für Kinderpulmologie und -allergologie an der Uniklinik in Augsburg, sagte vor wenigen Tagen im Gespräch mit unserer Zeitung: "Wir haben die Infekte sozusagen vor uns hergetragen, und jetzt bricht die Welle über uns herein." In der Augsburger Uniklinik liegen eineinhalbmal so viele junge Patienten mit Atemwegsinfektionen wie sonst um diese Jahreszeit.

Auch im Augsburger Land scheint die Zahl der erkälteten Personen anzusteigen. Rund 20 Patienten mehr pro Woche als zu dieser Jahreszeit üblich verzeichnet zum Beispiel Allgemeinarzt Dr. Sebastian Lochbrunner aus Schwabmünchen. "Ungewöhnlich früh im Jahr", sagt er. Die meisten Patienten hätten mit Schnupfen, Husten, Halsweh und Kopfschmerzen zu tun. Typische Erkältungssymptome. " Es handelt sich nicht um die klassische Influenza, auch nicht um Corona. Die viralen Infekte nehmen zu", so Lochbrunner. Er vermutet, dass sich viele Menschen auch schlicht und ergreifend bei den herbstlichen Temperaturen verkühlt hätten, beim abendlichen Joggen zum Beispiel.

Auffallend sei derzeit, dass hauptsächlich junge Erwachsene und Personen im mittleren Lebensalter betroffen seien. Ältere dagegen kaum. Lochbrunner nimmt an, dass sie aufgrund der hohen Grippeimpfquote auch besser vor einfachen Infekten geschützt sind: "Die Influenza-Impfung wirkt zwar nicht gegen eine Erkältung, aber sie sensibilisiert das Immunsystem, das dann mit einer Erkältung ebenfalls besser zurechtkommt." Er rät Erwachsenen "unbedingt" zur Grippeimpfung. Wer allerdings bereits erkältet ist, der soll vor allem Bettruhe einhalten, in der Sauna oder der Badewanne schwitzen und viel Heißes trinken, rät Lochbrunner.

November ist in Sachen Erkältung ein kritischer Monat für Kinder

In den Stauden ist die Erkältungswelle offenbar noch nicht angekommen. Zumindest kann Claudia Winkler-Eichinger, die Leiterin des Kinderhauses St. Martin in Langenneufnach, keine ungewöhnliche Entwicklung feststellen. 134 Kinder besuchen aktuell die Krippe, den Kindergarten oder den Hort im Kinderhaus. "Man merkt zwar, es geht langsam los, früher als sonst, und es gibt derzeit einige Rotznasen, aber die Masse der Kinder ist nicht krank. Die meisten sind gesund", sagt Winkler-Eichinger. Üblicherweise erwische es viele Kinder im November mit einer Erkältung.

Hochbetrieb herrschte dagegen am Donnerstag beim Kinderarzt. "Die Patienten stehen bis vor die Tür“, erzählt Kinder- und Jugendfacharzt Dr. Christian Voigt. Die Situation würde durch die notwendige Gesundschreibung und Corona-Abstriche verschärft. Kinder, die Atteste oder Nachweise brauchen, bedürfen eigentlich keiner ärztlichen Behandlung, belegen aber die Kapazitäten, die für kranke Kinder nötig wären.

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Vergangenes Jahr schienen die Erkältungskrankheiten dank der Corona-Regeln wie weggeblasen, doch mittlerweile würden die Patienten wieder, wie zu dieser Jahreszeit üblich, über Lungenprobleme oder Durchfallerkrankungen klagen. Schon im Sommer zeigte sich eine für die Jahreszeit ungewöhnliche Erkältungswelle, schildert Voigt.

Ob das Risiko einer Corona-Infektion durch das geschwächte Immunsystem bei einer Erkältung steigt, wird noch untersucht. Dass mehrere Erkältungsviren gleichzeitig ein Kind krank machen können, sei allerdings durchaus denkbar, so der Arzt.

Erkältungswelle: So ist die Lage an den Schulen im Landkreis Augsburg

Wie aber wirkt sich die Erkältungswelle an Schulen aus, wo jetzt gelockerte Hygienevorschriften gelten? Am Neusässer Justus-von Liebig-Gymnasium beobachtet Schulleiter Stefan Düll Folgendes: "Die Krankmeldungen sind derzeit leicht höher. Normal fehlen zwischen 30 und 35 Schüler jeden Tag, gerade sind es circa zehn pro Tag mehr."

Woran die Schülerinnen und Schüler leiden, lässt sich allerdings nur schwer sagen. Die Eltern müssen die Ursache nicht zwingend angeben. Noch gebe es keinen dramatischen Anstieg der Absenzen, sagt Düll. Auch die Lehrer würden nicht über außergewöhnlich viele verschnupfte Schüler in ihren Unterrichtsstunden berichten. Wenn sich eine Erkältungswelle im Gymnasium anbahnt, dann bislang nur langsam.

Ebenso wie sein Meitinger Kollege Michael Kühn, der im Norden des Landkreises Augsburg die Realschule leitet, kann Düll deshalb den erst kürzlich aufgehobenen Corona-Regeln etwas Gutes abgewinnen. "Die Masken waren eigentlich gar nicht so schlecht. Wenn jemand das Gefühl hat, krank zu werden, kann die Maske trotz der fallenden Maskenpflicht in den Schulen aufgesetzt werden, einfach um andere zu schützen", erklärt Michael Kühn. Auch Schulleiter Düll appelliert an die Vernunft der Schüler. Es sei wichtig, darauf zu achten, dass das Hygienebewusstsein mit den eingetretenen Lockerungen nicht sinkt. Die Bereitschaft der Jugendlichen, die Maske aufzusetzen oder Abstand zu halten, sei mittlerweile jedoch auch höher.

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