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Schwabegg

22.05.2020

Lechfeldschlacht digital: Als Späher die Haldenburg bei Schwabegg auskundschaften

Eine Ungarnschutzburg nach Vorbild der Haldenburg: Es handelt sich um eine Grafik der 3-D Computeranimation, die für die erste Folge „Otto und das Reich“ für die ZDF Terra X-Reihe „Die Deutschen“ (2008) erstellt wurde.

Plus Ein digitaler Geschichtspfad führt ins Jahr 955. Besucher werden auf ihrer Spurensuche begleitet. Welche Rolle die Haldenburg bei Schwabegg spielt.

Die Schlacht auf dem Lechfeld steht im Mittelpunkt eines Projektes, das die Regio Tourismus GmbH zusammen mit den Landkreisen Aichach-Friedberg, Augsburg und der Stadt Augsburg vorantreibt. Ein Teil des Geschehens fand vor über 1000 Jahren bei Todtenweis statt. Die Festungsanlage Pfarrholz, die hier steht, kann jetzt virtuell mithilfe einer Wissensspiel-App auf dem Handy erkundet werden. Die App begleitet die Besucher bei der Spurensuche. Auch die Haldenburg bei Schwabegg spielt eine Rolle – sie soll von einem ungarischer Späher ausgekundschaftet werden.

Virtuell begibt sich der Interessierte mit der App auf eine Zeitreise: Er schlüpft in die Rolle einer Bäuerin, die Schutz in einer Fluchtburg sucht (Wagesenberg bei Pöttmes); eines Augsburger Kundschafters, der von den Ungarn gefangen genommen und in ihr Lager geführt wird (Kissing) und eines Pferdeburschen eines ungarischen Kriegers, der Erkundungen bei der Pfarrschanze Todtenweis einholt.

Digitale Spurensuche rund um die Pfarrschanze bei Todtenweis

Für die Spurensuche wurde eine Karte mit einem Rundgang erstellt, die in Abstimmung mit der Gemeinde Todtenweis identisch ist mit dem Rundweg um die Pfarrschanze. Die App führt den Benutzer durch die Örtlichkeiten und gibt ihm Aufgaben, deren Erfüllung Punkte bringt. Nachdem die Spielverlaufs-Karte identisch mit dem beschilderten Rundweg um die Pfarrschanze ist, kann jeder Besucher ab sofort die eindrucksvolle Befestigungsanlage mit dem acht Meter hohen Hauptwall im Pfarrholz von Todtenweis erkunden. Startplatz ist an der Litzlbach-/Kabisbachbrücke, beziehungsweise an der Einmündung des Angerleitenwegs in die Staatsstraße von Sand nach Thierhaupten.

Eines von insgesamt fünf QR-Code-Schildern im Verlauf des Rundweges.
Bild: Franz Riß

Die App ist Teil eines digitalen Geschichtspfades. Sie wurde im März im Info-Pavillon in Königsbrunn vorgestellt. Die Einweihung der Spiel-Station in Todtenweis musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Die Lechraingemeinde war zunächst trotz ihrer ungarnzeitlichen Wallanlage als Station des Geschichtspfades gar nicht vorgesehen. Das änderte sich, als 2013 bekannt wurde, dass ein Sondengänger auf dem Todtenweiser Lechfeld Teile eines ungarischen Pferdegeschirrs gefunden hatte. Der Fund ist das erste archäologische Zeugnis der Kämpfe von 955 bei Augsburg. Todtenweis wurde daraufhin in das Geschichtspfadprojekt aufgenommen.

Ulrichsmarterl erinnert an eine Segnung des Bischofs nach der Schlacht

1955 hatte es anlässlich der tausendjährigen Erinnerung Veranstaltungen in und um Augsburg gegeben. Auch die Pfarrgemeinde Todtenweis erinnerte in einer Feierstunde daran. Dabei wurde die renovierte, wieder aufgerichtete St.-Ulrichs-Gedenksäule im Ortsteil Sand eingeweiht. Die Gemeinde betonte ihre besondere Beziehung zu diesem Ereignis, das auf den Tag genau 1000 Jahre zuvor am Namenstag des heiligen Laurentius am 10. August mit einem über die Ungarn errungenen Sieg in die Geschichte eingegangen war. Mit dem Ulrichsmarterl, das 1813 in der ersten Flurkarte an dieser Stelle eingetragen worden war, ist die Sage verbunden, dass hier der heilige Ulrich im Kampf gegen die nach der Schlacht fliehenden Ungarn den Segen erteilt habe.

Der sechs Meter hohe Hauptwall der Fliehburg „Pfarrschanze“ war zur Zeit der Ungarneinfälle wohl noch von einer begehbaren Holzbefestigung gekrönt und wurde so zu einem acht Meter hohen Schutzwehr.
Bild: Franz Riß

Die Schlacht war allerdings eher eine ganze Folge von Kämpfen an verschiedenen Plätzen in der Umgebung von Augsburg. Sie zog sich über mehrere Tage hin. Seit dem Ende des 9. Jahrhunderts hatten die Magyaren Europa mit Raub- und Kriegszügen überzogen. Auch das ostfränkische Reich, bestehend aus mehreren Stammesherzogtümern, wurde mehrfach zum Ziel der ungarischen Überfälle. König Otto I. gelang es 955 erstmals, die Stämme, die sich bis dahin untereinander bekämpft hatten, in einem Heer gegen die Ungarn zu einen.

Die Erinnerung an diese Ereignisse ruhte zuletzt fast 60 Jahre lang, bis es einen erneuten Anlauf gab. Die Projekte „Zinndiorama“, „Informations- und Präsentationspavillon 955“ und die „Machbarkeitsstudie Geschichtspfad“ wurden bereits umgesetzt. Der digitale Geschichtspfad ermöglicht es nun, die Schlacht auf dem Lechfeld virtuell erfahren zu können. Eine Internetseite mit Texten, Fotos und Videos, eine Wissensspiel-App, Begleithefte für ein Geocaching-Erlebnis sowie Flyer und Plakate sollen miteinander verbunden werden. Der digitale Geschichtspfad soll vor allem junge Menschen an die Geschichte heranführen. Einen besonderen Stellenwert nehmen Schulklassen ein. Auch Erwachsene werden animiert, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie können zudem die realen Geschichtsorte an den (Spiel-)Stationen in Todtenweis (Pfarrschanze), Pöttmes (Wagesenberg), Kissing (Rathaus) und Schwabegg (Haldenburg) besuchen. An diesen vier Stationen sollen bis Jahresende zusätzliche Angebote entstehen. (nzr)

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