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Gesundheit

22.01.2019

Leistenbruch ist vor allem Männersache

Julian Tögel

Facharzt Julian Tögel klärt bei Vortrag in Bobingen über Risiken und Möglichkeiten auf

Es gibt Nabel-, Zwerchfell- und Narbenbruch. Die wohl bekannteste Form des Bauchwandbruchs ist jedoch der Leistenbruch, und der ist vor allem Männersache. Warum das so ist, wann man zum Arzt gehen sollte und wie man Bauchwandbrüche behandeln kann erklärt Julian Tögel, Facharzt für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie sowie Mitglied des Hernien-Kompetenzzentrums der Wertachkliniken – demnächst auch in einem Arztvortrag in Bobingen.

Warum sind Leistenbrüche vor allem Männersache?

Männer sind im Bereich des Leistenkanals anatomisch vorbelastet, weil vor der Geburt die Hoden aus dem Bauchraum durch den Leistenkanal in den Genitalbereich wandern. Sie haben deshalb rund dreimal häufiger einen Leistenbruch als Frauen. Der indirekte Leistenbruch betrifft meist Kinder und junge Menschen, bei denen der innere Leistenring von Geburt an etwas erweitert ist. Der direkte Leistenbruch entsteht durch eine zu starke Belastung des Bindegewebes in der hinteren Wand des Leistenkanals.

Welche Risikofaktoren gibt es für Leistenbrüche?

Sowohl für Leisten-, aber auch für andere Bauchwandbrüche, gilt: Übergewicht, Verstopfung und Schwangerschaften erhöhen den Druck im Bauchraum. Damit steigt die Belastung für das Bindegewebe und das Risiko für Leisten- und andere Bauchwandbrüche erhöht sich. Darüber hinaus wird das Bindegewebe mit zunehmendem Alter schwächer, und kann den Belastungen, etwa beim Husten oder beim Heben und Tragen schwerer Lasten nicht mehr so gut standhalten.

Was passiert bei einem Leistenbruch?

Wird der Druck im Bauchraum zu groß, gibt das Gewebe mit der Zeit nach und es entsteht eine Lücke. Durch die Bruchpforte können Teile des Darms oder Fettgewebe aus dem Bauch nach außen treten. Es bildet sich eine Ausstülpung, die man Hernie nennt. Werden die nach außen getretenen Teil der inneren Organe in der Bruchstelle der Bauchwand eingeklemmt, können sie nicht mehr durchblutet und versorgt werden und sterben im Extremfall ab, wenn der Bauchwandbruch nicht rechtzeitig behandelt wird.

Wie kann man eine Hernie, also einen Bauchwandbruch, behandeln?

Leider wächst die Bauchwand nicht mehr von selbst zusammen. Daher müssen Bauchwandbrüche meist über kurz oder lang operativ behandelt werden, damit keine inneren Organe eingeklemmt werden. Sind bereits innere Organe eingeklemmt, ist sogar eine Notoperation erforderlich, um weitere Schäden durch die Unterversorgung der ausgetretenen Organteile zu vermeiden.

Wie erkennt man eine Hernie und wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Beule, die sich häufig wieder nach innen drücken lässt, weist auf eine Hernie hin und man sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Treten Schmerzen, Übelkeit und Fieber auf und/oder lässt sich die Wölbung nicht nach innen drücken, sollte man sofort ins Krankenhaus, weil dann eine Einklemmung vorliegen kann. Es können jedoch auch Schmerzen ohne eine sichtbare Vorwölbung auftreten. Auch in diesen Fällen sollte man einen Arzt aufsuchen.

Und was kann man vorbeugend tun?

Gegen eine angeborene Gewebeschwäche im Leistenkanal kann man leider genauso wenig machen wie gegen die zunehmende Bindegewebsschwäche im Alter. Man kann also lediglich die zusätzlichen Risikofaktoren wie Übergewicht, schwere körperliche Arbeit, Rauchen und Verstopfung reduzieren oder behandeln. Liegt der Verdacht auf eine Hernie vor, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. (SZ; Foto: Matthias Baumgartner)

von Julian Tögel zu „Leistenbruch und andere Hernien“ beginnt am 30. Januar um 19.30 Uhr in der Singoldhalle, Willi-Ohlendorf-Weg 1. Eintritt frei.

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