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Großaitingen

10.11.2019

Leonhardiritt: Mensch und Tier trotzen der Kälte

Das Kreuz auf dem Pferd führte den Leonhardi-Ritt an.
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Das Kreuz auf dem Pferd führte den Leonhardi-Ritt an.
Bild: Uwe Bolten

Etwas weniger Aktive als im vergangenen Jahr nehmen am Leonhardiritt in Großaitingen teil. Welche Worte die Predigt beim Festgottesdienst dominieren und worin die Herausforderung für die Reiter besteht.

Nebel umfing das Dorf, die Temperaturen pendelten sich leicht um den Gefrierpunkt ein, der Reif an den Bäumen hielt sich beharrlich. Der Hauptort des Leonhardiritts, der gleichnamigen Kapelle am südlichen Ortseingang von Großaitingen, lag fest umklammert von der Feuchte der nahe vorbeifließenden Singold, als der diesjährige Festumzug zu Ehren des heiligen Leonhard die Bahnhofstraße entlang zog, um in die Lindauer Straße einzubiegen. „Gott sei Dank regnet es nicht wie im vergangenen Jahr“, sagte einer der zahlreichen Zuschauer am Straßenrand, als die Kutsche mit den Bürgermeistern aus Großaitingen, Kleinaitingen, Wehringen und Oberottmarshausen an ihm vorbeizog. Begleitet vom Musikverein Großaitingen und der Stadtmusikkapelle Schwabmünchen zogen etwa zehn Kutschen und nahezu 40 Pferde sowie zwei Esel zum Festgottesdienst an der Leonhard-Kapelle. Ebenfalls ließen es sich zahlreiche Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine nicht nehmen, die Reiter zu begleiten.

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Verkleinerte Nachbauten der Kapellen

Als Besonderheiten zogen verkleinerte Nachbauten der Schächerkapelle, der Scheppacher Kapelle und der Leonhardskapelle auf eigenen Wagen an den Schaulustigen vorbei. Auch wenn weniger Teilnehmer als im vergangenen Jahr teilnahmen, gilt die Großaitinger Veranstaltung als größter Umzug seiner Art in der Region. Diakon Armin Pfänder, der die Predigt im von Pfarrer Hubert Ratzinger zelebrierten, Festgottesdienst hielt, stellte den heiligen Leonhard von Limoges, der als meistverehrter Heiliger in Bayern als Schutzpatron der Bauern, Stallknechte, Ställe, des Viehs und der Pferde gilt, als Befreier aus der Gefangenschaft in den Vordergrund. Mehrere hundert Besucher, die hautsächlich oberhalb der Wiese für Pferde und Kutschen standen, hörten seine Analogien zum Fall der Mauer vor 30 Jahren. „Mich wundert bei den Berichterstattungen nur, dass der Ursprung der Bewegung, der in der Dresdner Frauenkirche bei den Gebeten um Freiheit lag, fast immer unterschlagen wird“, stellte er für sich fest und appellierte eindringlich gegen Hass und Lieblosigkeit.

Das langsame Gehen verlang den Tieren einiges ab

Der Nebel lichtete sich auf der Festwiese unterhalb der Kapelle kaum, so wurde der Messbesuch zu einer Herausforderung gegen die vom Boden aufsteigende Kälte. Hin und wieder wieherte ein Pferd, das von seinen Artgenossen postwenden, wie im Chor, eine Antwort bekam. „Das Stehen ist schon anspruchsvoll für die Tiere, da sie ja Bewegung lieben. Auch das langsame Gehen beim Umzug verlangt den Tieren einiges an Disziplin ab. Aber es geht schon, das gehört halt dazu“, sagte Stefanie Busert aus Königsbrunn, die mit ihrer Obea am Kopf des Umzugs das geschmückte Kreuz begleitete. „Der Leonhardiritt gehört als Reiter einfach dazu. Es macht ja auch Freude, sein Pferd den anderen Reitern und den Besuchern zu präsentieren“, sagte ein anderer Reiter. Nach der Messe erteilte Pfarrer Ratzinger den Segen für Reiter und Tiere. In einer Reihe zogen die Teilnehmer an dem Geistlichen vorbei, der mit sichtlicher Freude und Weihwasser das göttliche Wohlwollen erbat.

Reiter, Pferde, Kutschen und Vereine zogen durch Großaitingen
59 Bilder
Der Leonhardiritt in Großaitingen 2019
Bild: Uwe Bolten
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