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Kriminalität

20.02.2018

Letzte Chance Jugendknast

Drogen, Diebstahl, Gewalt: Die beiden 19-Jährigen, die sich gestern vor Gericht verantworten mussten, sind schon häufig mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Jetzt müssen sie fast drei Jahre ins Gefängnis

Die zwei jungen Männer, die an diesem Montagnachmittag auf der Anklagebank sitzen, haben viel gemeinsam. Sie sind beide 19 Jahre alt und haben in ihrem recht kurzen Leben schon viel mitmachen müssen. Und ganz schön viel Mist gebaut. Die nächsten Jahre verbringen sie im Gefängnis.

Der eine, Ismail H.*, ist somalischer Staatsangehöriger, in der Nähe von Frankfurt geboren und in Augsburg aufgewachsen. Seine Mutter ist ein Bürgerkriegsflüchtling aus Somalia, sein Vater unbekannt. Mit 15 Jahren hat er die Schule ohne Abschluss verlassen, kurz darauf verschwand seine Mutter. Er hat seitdem keinen Kontakt mehr zu ihr, ist mit sich, seinem Leben und seinen Problemen allein. Zuletzt lebte er bei Freunden und auf der Straße, nahm Drogen und trank viel Alkohol – teilweise mehr als eine Flasche Wodka am Tag, sagt er. Dazu Marihuana, Kräutermischungen, Ecstasy.

Der andere, Julian L.*, ist Deutscher und in Gersthofen aufgewachsen. Seine Eltern sind geschieden. Zunächst lebte er bei seiner alkoholkranken Mutter, dann zog er zum Vater. Als Jugendlicher war er schon mehrmals in Heimen, in der Psychiatrie und in der Suchttherapie. Ein Erfolg blieb aus.

Beide Männer sind schon häufig und in immer kürzeren Abständen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Die Liste ihrer Vorstrafen ist lang: Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung, Schwarzfahren, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Nach mehreren Arrest- und Bewährungsstrafen wurden beide schließlich im Sommer zu Haftstrafen verurteilt. Jetzt standen sie wieder vor Gericht. Zur Verhandlung gestern wurden sie aus ihren Jugendgefängnissen ins Augsburger Amtsgericht gebracht.

Staatsanwältin Julia Ehlert braucht fast eine halbe Stunde, um die Anklage zu verlesen. Ismail H. werden darin zahlreiche Vorfälle zur Last gelegt: Diebstahl einer Flasche Wodka und eines Smartphones in Gersthofen und Augsburg, Körperverletzung eines Mädchens in Königsbrunn, Beleidigung und Verletzung von Polizisten, Drogenhandel.

In den gravierendsten Vorfall waren beide Angeklagte verwickelt: In einem Gersthofer Bus gerieten sie, offenbar stark alkoholisiert, mit zwei anderen jungen Männern aneinander. Ismail H. zerrte einen von ihnen Richtung Bustür und stieß ihn mehrmals mit dem Kopf dagegen. Als der andere ihm zur Hilfe kommen wollte, griff Julian L. ein und schlug mit seinem Fuß gegen das Gesicht des Opfers, das am Boden lag. Als die Polizei kam und die beiden Angreifer fesseln wollte, wehrte sich Julian L. massiv, beleidigte die Polizisten und versuchte sie zu schlagen.

Durch eine Verfahrensabsprache ersparen die Angeklagten dem Jugendschöffengericht eine tagelange Beweisaufnahme mit 47 Zeugen. Beide gestehen und entschuldigen sich. Sie werden schließlich jeweils zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt. Darin sind die Strafen einbezogen, die sie gerade absitzen. Julian L. wurde bereits zu zweieinhalb Jahren verurteilt, Ismail H. zu 16 Monaten.

Die Vorsitzende Richterin Angela Reuber findet nach der Urteilsverkündung deutliche Worte und redet den jungen Männern ins Gewissen: „Sie beide müssen ganz massiv an sich arbeiten.“ Julian L. beteuert, er wolle im Gefängnis seinen Quali machen und eine Lehre beginnen. Ismail H. will eine Suchttherapie machen. Dass die beiden das wirklich hinbekommen, daran hat die Richterin allerdings ihre Zweifel. „Es gibt immer einen Hoffnungsschimmer. Auch wenn das Gericht sich schwergetan hat, bei Ihnen einen zu finden.“ Der Jugendknast sei die letzte Chance das Leben in den Griff zu bekommen. * Namen geändert

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