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Königsbrunn

10.12.2020

Linie 3: Die Straßenbahntrasse in Königsbrunn nimmt Gestalt an

Im Bereich der Kirche Maria unterm Kreuz ist ein Schienenstrang schon fertig verlegt, der zweite befindet sich im Aufbau.
Bild: Adrian Bauer

Plus In einem Jahr soll die Straßenbahn der Linie 3 durch Königsbrunn rollen. Die Bauarbeiten gehen im Winter weiter - mithilfe von Decken und Folien.

Weitgehend eingebaut sind die Gleise schon am ZOB: Die Haltestelle ist bis auf einige Teile auf dem Bahnsteig komplett fertig, bei der Wendeschleife und bis zur Königsallee liegen schon die Gleise. Als Nächstes wird die Betonage der Konstruktionsbetonschicht II ausgeführt, sagt Lars Horn, Bauoberleiter der Stadtwerke Augsburg. Die Konstruktionsbetonschicht II wird etwa bis knapp unterhalb der Schiene mit Beton aufgegossen. Damit ist der wesentliche Teil der Gleisbauarbeiten an dieser Stelle abgeschlossen. Anderswo achten die Arbeiter aber noch auf jeden Millimeter.

Auf der anderen Seite der Königsallee sind die Arbeiter damit beschäftigt, die Gräben für die Leitungen am Rand der Trasse auszuheben. Bis zum Übergang des Siedlerwegs liegen die Schienen noch am Rand der Trasse. Nördlich des Siedlerwegs liegt bereits ein Schienenstrang auf seinen Schwellen, der zweite ist bereits im Bau.

Königsbrunn: Beim Einbau der Straßenbahn-Gleise kommt es auf Millimeter an

Diese Aufgabe wirkt für den Laien wie relativ grobes Handwerk, erweist sich bei näherer Betrachtung aber als erstaunlich diffizil. So sind die etwa 15 Meter langen Schienen mit weißen Nummern markiert. Auf der langen Seite steht die Kennzahl des Gleisrahmens. Diese zeigt an, welche zwei Schienen nebeneinander liegen sollen. Zudem gibt es auf der kurzen Seite die sogenannten Schweißstoßnummern, an denen die Arbeiter ablesen können, welche Gleise aneinander anliegen sollen.

Dieser Planungsschritt findet schon bei der Produktion der Schienen statt. Die einzelnen Bauteile sind für die geplanten Kurven passend gebogen. Die genaue Abstimmung aufeinander sorgt für möglichst große Laufruhe. Vor dem Einbau wird geprüft, dass auch wirklich alles zusammenpasst. "Würde man die passenden Teile erst auf der Baustelle heraussuchen, hätte man ein riesiges Puzzle", sagt Lars Horn. Überhaupt werden so viele Teile wie möglich schon in der Werkstatt passgenau hergestellt, etwa die Übergänge zwischen den verschiedenen Gleissystemen: "Man könnte das grundsätzlich auch auf der Baustelle machen. Aber in der Werkstatt hat man bessere Arbeitsbedingungen und steht weniger unter Zeitdruck."

Linie 3: Beim Gleiskörper wird doppelt geprüft, ob wirklich alles passt

Auf der Baustelle wird alles noch einmal ganz genau kontrolliert, wenn die Schienen auf ihrem Unterbau liegen. Ein metallenes Korsett sorgt dafür, dass beim Einbau nichts verrutscht. Kontrolleure des Bauunternehmens und der Stadtwerke messen getrennt voneinander nach, dass wirklich alles passt: Sind die Schienen exakt gleich hoch und überall gleich weit auseinander? Fallen Bereiche mit Steigung oder Gefälle so aus wie geplant?

Auf Haunstetter Flur sind die Arbeiten für das Rasengleis mit hochliegender Vegetationsebene der Linie 3 schon weit fortgeschritten.
13 Bilder
Ein Jahr vor dem Start: So sieht die Königsbrunner Straßenbahn-Trasse aus.
Bild: Adrian Bauer

Hier zählt jeder einzelne Millimeter. Gemessen wird elektronisch mit dem sogenannten Tachymeter und händisch mit der Gleiswaage. Bei Abweichungen kann an jedem Gleisportal die Schienen mit der Ratsche nachjustiert werden. Der Aufwand sei durchaus groß, aber nötig, sagt Lars Horn: "Wenn einmal betoniert ist, kann man nichts mehr verändern." Zudem dienen die Gleise auch als Fixpunkt für den Bau der Haltestellen, Fehler können sich also auch auf spätere Bauschritte auswirken.

Frisch gebaute Teile der Trasse der Linie 3 werden frostsicher abgedeckt

Auf Höhe der Kirche Maria unterm Kreuz liegen derzeit einige Gleisteile unter einer Folie. Mit diesem Arbeitsschritt tragen die Bautrupps den winterlichen Verhältnissen Rechnung. Bereiche mit frischen hergestellten Betonteilen werden abgedeckt, bis der Beton abgebunden hat. Durch die chemischen Prozesse beim Aushärten des Baustoffs entsteht Wärme. Ohne die Isolierung entstünden bei der gegenwärtigen Witterung Temperaturunterschiede, durch die der Beton brüchig werden kann. Die Abdeckung schirmt das Baumaterial in dieser kritischen Phase ab.

Mit diesem einfachen Trick können die Bauarbeiten auch während des Winters weitergehen. Schnee und Regen bremsen die Baustelle nur geringfügig. Einzig eine Frostperiode, bei der die Temperatur auch tagsüber unter Null liegt, würde einen weitgehenden Stopp erfordern, sagt Lars Horn.

In rechtlicher Hinsicht sind die Bauherren die allermeisten Sorgen los. Nachdem der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München bereits im Eilverfahren zwei Klagen gegen das Bauprojekt zugunsten der Planer entschieden hatte, wurde die Baugenehmigung nun auch im ordentlichen Verfahren für rechtmäßig erklärt.

Die großen Königsbrunner Straßen sind wieder komplett befahrbar

Gearbeitet wird derzeit fast auf der kompletten Länge der Strecke in Königsbrunn: An der Föllstraße ebenso wie westlich der Guldenstraße, im Wohngebiet zwischen Augsburger Straße und Königsallee und am ZOB. Weit gediehen sind die Arbeiten an Straßenkreuzungen: An den Verkehrsadern Augsburger Straße und Königsallee liegen die Gleise bereits. Gesperrt ist derzeit die Guldenstraße nördlich der Einkaufsmärkte und eine Spur der Föllstraße sagt Horn: "Hier haben wir für die Zufahrt der Bereitschaftspolizei immer eine Fahrspur offen gehalten. Das dauert zwar länger, aber die Polizei muss ja zu Einsätzen ausrücken können."

In den nächsten Wochen beginnen die Arbeiten im Bereich der Rad- und Fußwege am Siedlerweg und am Brunnenzentrum. Die Verbindungen bleiben aber auch während der Arbeiten erhalten. Am Siedlerweg ist bereits ein kleiner Asphaltstreifen vorbereitet. Bald sollen dort die Leitungsarbeiten beginnen. Im Frühjahr wird dann die Querung der St.-Ulrich-Straße in Angriff genommen werden. Hier waren noch Absprachen mit den Verkehrsbehörden bezüglich der notwendigen Ampelanlage nötig. Nach Abschluss der Gleisarbeiten geht es mit Haltestellen und Lärmschutzanlagen weiter.

Insgesamt sind die Verantwortlichen optimistisch, dass der Zeitplan gehalten werden kann. Daran konnte auch Corona nichts ändern, sagt Horn: "Wir sind sehr froh, dass wir und auch unsere Baufirmen bislang ohne große Probleme durch die Krise gekommen sind." Bis die Bahnen am 12. Dezember 2021 rollen können, ist aber noch einige Arbeit zu tun.

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