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Prozess in Augsburg

23.06.2019

Lkw-Fahrer verkauft kiloweise Drogen an verdeckten Ermittler

Mit einem Lastwagen hat ein 41-Jähriger insgesamt vier Kilogramm Marihuana von Tschechien nach Schwaben gebracht. Doch vor Gericht versucht sich der Mann zuerst als Opfer darzustellen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Mit einem Lastwagen hat ein 41-Jähriger insgesamt vier Kilogramm Marihuana von Tschechien nach Schwaben gebracht. Nun steht er vor Gericht.

Es geht um viel für den 41-jährigen Mann aus Tschechien, der im Amtsgericht Augsburg vor Richter Dominik Wagner und zwei Schöffen sitzt. Die Anklage wirft dem Lastwagenfahrer vor, er habe vor gut sechs Monaten einmal ein Kilogramm und zwei Wochen später drei Kilogramm Marihuana aus Tschechien mitgebracht – und zuerst beim Aldi-Lager in Kleinaitingen, dann bei Südzucker in Rain am Lech verkauft. Das Problem: Beide Male war der Abnehmer ein verdeckter Ermittler der Polizei.

Gleich nach dem zweiten Geschäft wurde er festgenommen, seitdem sitzt er in Gablingen in Untersuchungshaft. Für solch eine „unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ sieht das Gesetz eine Mindeststrafe von zwei Jahren pro Tat vor. Ob er sie antreten muss, das steht nach dem ersten Verhandlungstermin noch nicht fest. Gleich zu Beginn der Verhandlung will Verteidigerin Cornelia McCready ausloten, ob man sich in einem Rechtsgespräch hinter geschlossenen Türen auf einen minderschweren Fall einigen könne. Aus Sicht der Verteidigung sei es zumindest fraglich, ob bei den Ankäufen durch den verdeckt agierenden Polizisten alles nach den Regeln solcher Ermittlungen abgelaufen sei, so fasst es Richter Wagner anschließend fürs Protokoll zusammen. Weil Staatsanwalt Nicolas Pfeil nicht einlenkt, geht das Verfahren seinen üblichen Gang.

Angeklagter soll Marihuana statt Zigaretten aus Tschechien schmuggeln

Der Angeklagte – groß gewachsen, hager, mit schmalem Gesicht, spitzer Nase und kurz geschnittenen Haaren – erhält das Wort. Er schildert seinen beruflichen Werdegang als Kraftfahrer: „Ich bin in vielen Ländern gefahren, nie hatte ich Probleme mit der Polizei.“ Mit vielen Details nähert er sich den fraglichen Monaten. Beim Abladen bei Südzucker habe er einen Mann kennengelernt, den alle nur „Jack“ nannten. Der habe ihn erst um Zigaretten aus Tschechien gebeten und dann vorgeschlagen, er solle doch Marihuana schmuggeln. Das sei jetzt in Deutschland kein so großes Ding mehr, soll „Jack“ gesagt haben, aber damit könne man noch ganz gut Geld machen. Er habe ihm auch Tipps gegeben, wie man in Tschechien mögliche Lieferanten finden könne. Weil er selbst nach fünf Jahren im Gefängnis noch unter Bewährung stand, habe „Jack“ einen „Conny“ als Abnehmer der Droge ins Spiel gebracht. Dem habe er erst mal eine Probe von wenigen Gramm übergeben, sich dann aber bedroht gefühlt. Auslöser sei eine Formulierung gewesen: „Ich finde dich, überall und jederzeit!“ Auch „Jack“ habe Druck gemacht, ihn plötzlich beim Abladen warten lassen.

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Angeklagter Lkw-Fahrer kaufte Drogen an tschechischem Grenzort

Erst als Richter und Staatsanwalt energisch nach dem Ablauf der eigentlichen Taten fragen und die Dolmetscherin für leichter verständliche Antworten sorgt, wird der rechtlich relevante Sachverhalt klarer. Der Angeklagte räumt ein, dass er zweimal Marihuana in den aufgeführten Mengen nach Deutschland brachte. Gekauft habe er sie, auch das schildert er mit vielen Details, jeweils in einem tschechischen Grenzort, „auf dem Vietnamesen-Markt“, und bezahlt mit eigenem Geld.

Als Zeugen hört das Gericht den Hauptsachbearbeiter des Falls bei der Kripo Dillingen, der allerdings bei den Ankäufen nicht vor Ort war und auch nicht den verdeckten Ermittler – den der Angeklagte als „Conny“ kennengelernt hat – geführt hat. Er kann deshalb auch nicht Stellung beziehen, als die Verteidigung bezweifelt, dass der Angeklagte sich aktiv bemüht hat, das eingeschmuggelte Marihuana zu verkaufen. Um diesen für das Strafmaß möglicherweise entscheidenden Punkt zu klären, wird das Gericht in drei Wochen den Führer des verdeckt ermittelnden Polizisten als Zeugen hören.

Lesen Sie dazu auch die Geschichte eines jungen Familienvaters, der wegen Drogenhandels zurück ins Gefängnis muss: Familienvater muss wegen Drogen zurück ins Gefängnis

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