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Bobingen

11.09.2014

Ludger Hölker: Wie ein Pilot sein Leben für Straßberg opferte

Ludger Hölker starb, als er Straßberg vor der Katastrophe rettete.
Bild: Stadtarchiv Bobingen

Vor 50 Jahren drohte ein Flugzeug in den heutigen Bobinger Ortsteil Straßberg zu stürzen. Der Pilot Ludger Höker verhinderte das - indem er sein Leben opferte.

Der 15. September 1964 war ein Dienstag. Vom Wetter her ein ruhiger Sommertag, die Sicht war klar, der Himmel weiß-blau. Vorne im Cockpit eines zweisitzigen Düsenjets vom Typ Lockheed T-33 A mit der Kennung DB 382 saß Pilot Ludger Hölker. Eine Stunde und 20 Minuten war seine silbern glänzende „T-Bird“ schon in der Luft. Da fiel das Triebwerk aus, das Flugzeug verlor an Höhe. Rund 400 Meter über Grund sah der Oberleutnant Straßberg rasch näher kommen.

Gegen 9.40 Uhr war Ludger Hölker (30 Jahre) auf dem Fliegerhorst Lechfeld gestartet. Hinter ihm saß Major Walter Sütterlin (42). Beide gehörten dem dortigen Jagdbombergeschwader 32 an. An diesem Tag wollte Walter Sütterlin vorgeschriebene Übungen im Blindflug absolvieren. Einen großen Teil seines Pensums hatte er schon hinter sich. Nun sollte zum Abschluss noch ein Radaranflug folgen. Doch gerade als er das Verfahren einleitete, fiel die Triebwerksleistung ab.

Hölker stoppte den Notausstieg

Ludger Hölker übernahm wieder die Steuerung. Kurzzeitig schaffte er es, der Turbine mehr Leistung zu entringen, doch dann stieg die Temperaturanzeige in den gefährlichen Bereich: „Feuer im Ofen“. Die Folge: Schubausfall und die „T-Bird“ ging in stetigen Sinkflug über. „Wir müssen jetzt aussteigen,“ stellte Major Sütterlin fest.

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Das hätte bedeutet, die Cockpit-Verglasung abzusprengen und kurz hintereinander die Schleudersitze zu zünden. Die Maschine wäre dadurch abgebremst worden und womöglich unkontrolliert aus ihrer noch stabilen Fluglage gekippt. Aber die Besatzung wäre gerettet.

Doch Pilot Hölker stoppte den Notausstieg. Seine Entscheidung: „Noch nicht! Erst müssen wir über die Häuser.“ Gemeint war Straßberg. So dokumentieren es Aussagen Sütterlins und Aufzeichnungen des Funkspruchs.

Der Pilot starb im Krankenhaus

Erst als sie nur noch den Wald vor sich sahen, gaben beide die Maschine auf. Major Sütterlin betätigte als erster seinen Schleudersitz. Am Fallschirm hängend fiel er durch eine Baumkrone und prallte verletzt neben dem brennenden Flugzeugwrack auf den Boden.

Kurz nach ihm war auch Oberleutnant Hölker mit dem Schleudersitz ausgestiegen. Es war jedoch zu spät – der Fallschirm öffnete sich nicht mehr vollständig, der Pilot prallte gegen Bäume unterhalb des Leitenbergs. Ein Hubschrauber flog beide Männer ins Krankenhaus nach Schwabmünchen.

Gegen 14 Uhr, drei Stunden nach dem Unglück, erlag Ludger Hölker dort seinen Verletzungen. Major Walter Sütterlin überlebte. Er starb jedoch einige Jahre später – beim Absturz eines Privatflugzeuges.

Es war eine Heldentat

Warum das Triebwerk ausfiel, wurde auch in den siebenmonatigen Untersuchungen nicht geklärt, die dem Unglück folgten. Vermutet wird ein Defekt in der Treibstoffzufuhr.

Fest steht für die Bundeswehr aber zweifelsfrei, „dass Oberleutnant Hölker nach dem Schubverlust bewusst lange im Flugzeug verblieb, um den Absturz des Flugzeuges auf besiedeltes Gebiet zu vermeiden. Er bewahrte die Gemeinde Straßberg damit vor einer Katastrophe.“ In Straßberg sprach man von „Opfertod“ und „Heldentat“.

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