1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Mann bedroht Mitarbeiter des Jobcenters

Prozess

09.03.2018

Mann bedroht Mitarbeiter des Jobcenters

Telefonisch hat ein Mann einen Überfall auf ein Jobcenter angedroht.

Ein Drohanruf versetzt in Schwabmünchen das Servicecenter der Agentur für Arbeit in Aufruhr. Ein Kunde kündigt an, alle aus dem Weg zu räumen, die im Weg sind. Wie er sich vor Gericht rechtfertigt

Allein und ohne Verteidiger sitzt ein älterer Herr auf der Anklagebank. Der 61-Jährige hat eine Halbglatze und lange graue Haare, trägt eine Brille, seine Augen blicken unzufrieden, trotzdem wirkt er ruhig. Doch scheinbar kam er bei einem Telefonat im Servicecenter Schwabmünchen der Agentur für Arbeit so bedrohlich herüber, dass die Polizei verständigt wurde. Im Prozess vor der Augsburger Amtsrichterin Ulrike Ebel-Scheufele bekommt er eine Geldstrafe.

Der Angeklagte steht vor Gericht wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“. Er wird beschuldigt, eine Tat wie Totschlag und Mord angedroht zu haben, als er am 28. Juli vergangenen Jahres im Servicecenter Schwabmünchen der Agentur für Arbeit anrief. In jenem Telefonat kündigt er an, am 31. Juli persönlich im Jobcenter aufzutauchen und alle, die im Weg sind, aus dem Weg zu räumen. Der Sicherheitsbeamte solle sich zurückhalten, sonst falle auch er.

Der Angeklagte räumt nun ein, sich im Ton vergriffen zu haben. Er fühlt sich von der Agentur für Arbeit schikaniert und ungerecht behandelt. Es geht um eine Geldforderung des Amtes wegen angeblich verstrichener Fristen. Allerdings habe er nie jemandem mit Mord gedroht, er wollte nur, „dass sie reagieren.“ Des Weiteren habe er „aus dem Weg räumen“ rein verbal gemeint: Er wolle die rechtlichen Hindernisse aus dem Weg räumen, keine Menschen. Es läge ihm fern, jemanden zu verletzen, er schlage keine Frauen und im Jobcenter Schwabmünchen arbeiteten ja hauptsächlich Frauen. Außerdem habe er noch nie jemanden geschlagen, außer, um sich zu wehren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zu dem zweiten Teil seiner Androhung, „der Wachmann solle sich zurückhalten, sonst falle auch er“, sagt der Angeklagte, es sei sein gutes Recht, dass ihn niemand anfasse. Dies habe er mit „sich zurückhalten“ gemeint. Im Falle einer Berührung wolle er die Polizei rufen: „Es liegt mir fern, jemandem etwas zu tun, das ist nicht mein Stil. Ich kann mich ausdrücken, ich kann sprechen.“

Bei der Mitarbeiterin des Jobcenters, mit der er damals telefonierte, hinterließ er offenbar keinen bleibenden Eindruck. Seit August 2017 arbeitet sie nicht mehr im Jobcenter, sie ist momentan in Elternzeit und kann sich kaum noch an den Anruf erinnern, da sich Ähnliches ein- bis zweimal wöchentlich zutrage.

Bei diesen Telefonaten müssen die Mitarbeiter mitschreiben und den Bericht innerhalb weniger Minuten an den Tagesmanager schicken, der sich um das weitere Vorgehen kümmert. „Der Kunde war schon zu Anfang des Telefonats sehr aufgebracht“, beschreibt die Mitarbeiterin in jenem Bericht. Er rief an, er wolle die dreistellige Summe nicht bezahlen, da er das Dokument, welches er angeblich zu spät eingereicht hatte, rechtzeitig abgegeben hätte. Weiter schimpfte er, „wir seien alle zu dumm, unseren Job zu machen, die Fakten wären erstunken und erlogen“, heißt es im Bericht.

Die Mitarbeiterin sagt, dass es für Telefonate Regelungen gibt: Wenn eine Drohung gegenüber dem Jobcenter fällt, müssen die Mitarbeiter zweimal nachfragen, ob der Anrufer das Gesagte ernst meint. Der Angeklagte bekräftigte damals, die Drohung sei ernst gemeint. Im Gerichtssaal entschuldigt sich der Angeklagte bei der Mitarbeiterin.

Als Nächstes berichtet einer der Polizeibeamten über den Einsatz. Gegen acht Uhr morgens ging ein Anruf über eine Bedrohungslage im Servicecenter Schwabmünchen der Agentur für Arbeit in der Polizeiwache ein. Eine Streife wurde zum Schutz des Jobcenters entsandt. Weitere Beamte fuhren nach Königsbrunn zur Wohnung des Anrufers, um diese zu durchsuchen. Dabei stießen sie zwar auf Kochmesser, fanden aber nichts wirklich Verdächtiges.

Der Polizist beschreibt den Angeklagten als teilweise kooperativ, teilweise aufbrausend. Er sei in Rage gewesen, da er sich aus seiner Sicht wegen Schikanen und schlechter Behandlung hineinsteigerte. Anscheinend regte sich der Angeklagte schon in seiner Vergangenheit häufig über Ereignisse auf. Er hat in den vergangenen 40 Jahren 25 Eintragungen im Bundeszentralregister angesammelt, die unter anderem Beleidigung und Diebstahl umfassen.

Der Angeklagte sagt abschließend, er sei sich keiner Schuld bewusst. Die Richterin Ulrike Ebel-Scheufele stellt klar, dass es sich bei seinem Anruf eindeutig um eine Drohung gegenüber den Mitarbeitern und dem Sicherheitspersonal handelte und er schuldig sei wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Sie verhängte eine Geldstrafe von 1350 Euro.

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20DSC_4023.tif
Schwabmünchen

Ein kunstvolles Jubiläum in Schwabmünchen

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen