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Prozess in Schwabmünchen

24.12.2011

Mann beleidigt zwei Polizisten als „Depperle“

Nach zwei Flaschen Sekt geriet ein 46-Jähriger ein wenig außer Kontrolle: Mit Kopfstoß und Beleidigungen wehrte er sich gegen die Polizei.

Schwabmünchen Sie haben es wahrlich nicht leicht, die Polizeibeamten. Vor allem dann, wenn sie einen Betrunkenen mit über 1,6 Promille zur Ausnüchterung in die Arrestzelle nach Augsburg bringen müssen. Für die Ehefrau des Mannes waren sie Freund und Helfer, da der 46-Jährige in seinem „besoffenen Zustand“ so ziemlich alles nach einem Streit in der Wohnung kurz und klein geschlagen hatte.

Für den Angeklagten indes waren sie „Depperle“, was er ihnen auch unmissverständlich und mehrmals an den Kopf warf. Jetzt, nüchtern, saß er wie ein Häuflein Elend auf der Anklagebank des Schwabmünchner Amtsgerichts und konnte sich nur spärlich an diesen Juniabend erinnern. Dabei hatte er angeblich nur zwei Flaschen Sekt getrunken.

Eine feuchte Aussprache, wie ein „spuckendes Lama“

Wegen Beleidigung in zwei Fällen sowie wegen versuchter Körperverletzung verurteilte Susanne Hillebrand den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten. Die Geldauflage setzte sie mit 500 Euro fest. Dem Antrag von Staatsanwalt Dr. Hans Reichhart folgte damit die Richterin, wobei auch sie eine „gewisse alkoholbedingte Enthemmung“ nicht ausschloss, aber: „Auch Ihre zwei Vorstrafen schlagen zu Buche.“

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Bescheinigt wurde den Zeugen, dass sie ohne „jeglichen Belastungseifer“ ausgesagt hätten. Im Gegenteil. So hatte es einer der Polizeibeamten zwar als arg störend, wohl aber nicht „ehrverletzend“ empfunden, dass der Speichel des Mannes, ob dessen „feuchter Aussprache“, immer wieder in seinem Gesicht und auf seinem Diensthemd gelandet wäre. „Dem lief doch schon alles an den Mundwinkeln runter.“

Angeklagter war mit dem Polizeieinsatz nicht zufrieden

Selbst seine als Fahrerin eingesetzte Kollegin hätte Spritzer, wie von einem spuckenden Lama, im Nacken verspürt. Was schließlich blieb, war die Sache mit dem versuchten Kopfstoß. „Obwohl der Mann gefesselt und angeschnallt im Fond neben mir saß, schaffte er es wegen seiner sichtlichen Aggressivität, sich aus dem Sitz hochzustemmen. Hätte ich mich nicht so schnell zur Seite gedreht, hätte er mich voll am Kopf erwischt“, sagte der Beamte. Und: „Der war einfach mit unserem Einsatz nicht zufrieden …“

„Den wollte ich doch gar nicht treffen. Das lag an den Kurven, dass ich zu dem rüberkam“, widersprach der Angeklagte. Von einem „zielgerichteten Kopfstoß“ sprach hingegen Susanne Hillebrand.

Auch von seiner „nassen Aussprache“ wisse er nichts. Außerdem, so der 46-Jährige weiter, hätte er mit „Depperle“ nur sich selbst gemeint. Doch das nahm ihm das Gericht nicht ab. „Na, dann wollte ich doch mal Entschuldigung sagen“, rang sich schließlich der Angeklagte ab, wobei er wie selbstverständlich den Beamten duzte. „Bei ausländischen Mitbürgern ist das nicht selten der Fall“, beschwichtigte die Richterin.

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