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Kreis Augsburg

13.06.2019

Mann schützt Baby vor Hund - und wird aus Rache zusammengeschlagen

Ein 25-Jähriger hat sein Baby beschützt und wurde von zwei Brüdern vor seiner Wohnung in Langerringen zusammengeschlagen. Dach msuste er ins Krankenhaus.
Bild: Tatyana A. - somepie - stock.adobe.com

Die Brüder schlagen einen Mann zusammen, unter anderem mit einem Fischtöter. Der Streit beginnt an einem See, als er sein Baby vor einem Hund schützt.

Es sollte ein schöner Familienausflug werden, doch es kam ganz anders. Der Tag endete für Peter*, einen 25-jährigen Mann, im Krankenhaus – unter den Folgen leidet er noch heute. Dabei begann an jenem Frühlingstag im April vergangenen Jahres alles wie geplant. Der Mann, seine Frau und das zwei Monate alte Baby waren gemeinsam an einem Baggersee. Während der Vater angelte, kümmerte sich die Mutter um den Nachwuchs. Als drei junge Frauen mit einem Labrador kamen, war es mit der Idylle vorbei – und das Unglück nahm seinen Lauf.

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Immer wieder sei der nicht angeleinte Hund in die Nähe des Kinderwagens gerannt, erzählt Peter vor Gericht. Irgendwann sei es richtig gefährlich geworden, erinnert er sich: Der Labrador sei mit seinen Vorderbeinen auf den Kinderwagen gesprungen und habe den Kopf in Richtung des darin liegenden Babys gestreckt. Sofort habe er den Hund „weggeworfen“, um sein Kind zu retten. Die drei unbekannten Frauen seien zu dem Zeitpunkt etwa 50 Meter weit entfernt gewesen. Als der Labrador mit fletschenden Zähnen vor ihm stand, habe er ihn mit dem Pfefferspray seiner Frau „eingesprüht“.

Der ältere Bruder schlägt sofort mit der Faust zu

Er sei mit seiner kleinen Familie dann in seine damalige Wohnung nach Langerringen gefahren. Ein paar Stunden später klingelte es an der Türe. Was dann passierte, bezeichnet Richterin Ulrike Ebel-Scheufele während der Verhandlung als Rachefeldzug zweier Brüder. Vor der Türe stand ein 23-Jähriger, der Bruder einer der drei jungen Frauen am See. Er wollte den Vorfall wenige Stunden zuvor am Baggersee nun mit Peter klären. Beide Männer gerieten in Streit, dann kam der ältere Bruder des 23-Jährigen hinzu. Dieser 25-Jährige gibt vor Gericht zu, dass er Peter sofort mit der Faust gegen den Kiefer schlug.

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Es gab eine Rangelei, dann zückte der jüngere Bruder ein laut Anklage „gefährliches Werkzeug“. Ob es ein Baseballschläger war – oder viel eher ein Fischtöter – konnte nicht geklärt werden. Was allerdings klar ist: Der 23-Jährige schlug mit diesem auf Peter ein – auf den Oberkörper, die Schulter sowie Ober- und Unterschenkel. Zwei Tage musste der Geschädigte im Krankenhaus verbringen, zwei Wochen lang war er nicht arbeitsfähig. Im Attest ist von Hämatomen, Prellungen und einem stumpfen Bauchtrauma die Rede. Ein Polizist spricht vor Gericht von „massiver Gewalteinwirkung“. Der 23-jährige Angeklagte habe Peter sogar noch mit dem Tode bedroht, falls dieser die Polizei informiere.

Ehepaar war wegen Attacke in psychologischer Behandlung

Davon ließ sich Peter allerdings nicht einschüchtern, deswegen müssen sich die beiden Brüder wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Unter den Folgen der Attacke leidet Peter nach eigenen Angaben noch heute. Neben den körperlichen Schmerzen seien es vor allem die seelischen. Seine Frau und er waren in psychologischer Behandlung, am besagten Baggersee war er aus Angst nie mehr beim Angeln.

Beide Angeklagten räumen über ihre Verteidiger Frank Thaler und Jörg Seubert zu Prozessbeginn alle Vorwürfe gegen sie ein. Die Angeklagten erzählen, dass der Vorfall am Baggersee von den drei Frauen – unter anderem ihrer Schwester – deutlich übertrieben dargestellt und regelrecht „aufgepusht“ worden sei. So wurde ihnen gesagt, dass Peter den Hund grundlos angegriffen habe und die Polizei nichts unternehmen wollte. „Ich wäre niemals gekommen, wenn ich gewusst hätte, was wirklich am See vorgefallen ist“, sagt der 23-Jährige vor Gericht zu Peter.

Beide Brüder zahlen Schmerzensgeld und erhalten lange Bewährungsstrafen

Im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs erhielt Peter von dem 23-Jährigen bereits 1000 Euro Schmerzensgeld, der ältere Bruder zahlte 2000 Euro. Für die zum Teil einschlägig vorbestraften Brüder – einer hat bereits Hafterfahrung – fordert der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Diese sei noch zur Bewährung auszusetzen. Beide Verteidiger halten diesen Antrag für Fair, denn diese „Wild-West-Manier“, so Thaler, sei nicht zu tolerieren.

Richterin Ebel-Scheufele verurteilt beide wegen des „absolut üblen Vorgehens“ zu einer 16-monatigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Sie macht deutlich, dass ohne das umfassende Geständnis eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren im Raum gestanden wäre. Das Urteil ist rechtskräftig.

Lesen Sie dazu auch: Wie Sie einen gefährlichen Hund erkennen - und was Sie tun können

*Name von der Redaktion geändert

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Die Diskussion ist geschlossen.

16.06.2019

Also das das Urteil sehr milde ist finde ich auch. Aber in den meisten westeuropäischen Ländern wird wohl ähnlich entschieden.
Das wäre doch mal einen Artikel in der Augsburger zu dem Thema Rechtssprechung, Strafe, Gerichtsverfahren usw. wert.
Kann hierzu der Moderator was sagen?

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13.06.2019

(edit/mod)

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13.06.2019

Nein, muss man nicht aushalten, wenn sie nicht richtig sind. Man muss nicht alles schlucken, was diese Richter anrichten!

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13.06.2019

Wie der Vorredner schon schreibt. Da ist man bereits vorbestraft und nur weil man ein Geständnis ablegt entgeht man nach solch einer Tat einer Haftstrafe. Herzlichen Glückwunsch! Die beiden jungen Herren scheinen ja nichts aus ihren vorhergehenden Taten gelernt zu haben. So schnell gewalttätigen werden und auch noch mit dem Tode drohen, manchmal fragt man sich ernsthaft, was in solchen Menschen vorgeht. Da kann man ja nur davon ausgehen, dass es auch in Zukunft wieder einmal zu so einer Situation kommen wird.
Bei solchen Verfahren liegt auch immer die Vermutung nahe, dass das vollständige Geständnis nicht aus Reue getätigt wurde, sondern weil man sich deswegen eben genau eine Bewährungsstrafe erhofft hat. Man wird sich im Vorfeld ja sicher genau mit seien Verteidigern abgesprochen habe (Wie geschrieben, reine Vermutung. Aber wer weiß...).

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13.06.2019

Dies ist keine Vermutung , sondern tagtäglich e Wahrheit . Die Damen und Herren Verteidiger "briefen" ihre Mandanten schon in der geeigneten Weise . Deswegen treten dann ja nicht wenige Angeklagte vor Gericht in einer Art auf , welche sie sonst ganz und gar nicht kennen : frisch gekämmt und rasiert , in einem schönen Anzug , vielleicht mit Binder usw. Dies zielt natürlich darauf aus , optisch einen Täter als gesitteten , kultivierten Menschen erscheinen zu lassen . Über das menschliche Unterbewußtseins funktioniert das . Das wissen natürlich die "Rechtabeistände" . Das gegenteilige Beispiel waren zB die RAF-Täter in den 70ern : diese traten vor Gericht bewußt provozierend auf , teils schlampig gekleidet, in den Verhandlungen politische Kommentare äußernd usw. Diese Täter wollten damit zeigen , daß sie die Gerichte als Teil des westdeutschen Staatswesens generell nicht anerkennen . Da diese Täter nahezu immer von Anwälten vertreten wurden… die der RAF- Anhängerschaft zuzuordnen waren , rieten diese ihren "Mandanten" auch genau dazu .
Anwälte "beraten" die Täter genau , wie sie sich verhalten müssen vor Gericht - oft auch genau auf den jeweiligen Richter und seine "Ansichten" abgestimmt .

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13.06.2019

schon erschreckend, wenn selbst ein Vorbetrafter nach so einem Angriff noch mit Bewährung davonkommt, entspricht aber scheinbar dem rechtlichen Mainstream. Bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als sich selbst zu schützen.

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13.06.2019

Mit Ihrer Meinung begibt man sich in die Nähe der beiden Brüder die auch dachten, das Recht in die eigene Hand nehmen zu müssen. Wir leben in einem Rechtsstaat mit einem Gewaltmonopol der Polizei. Das einem verschiedene Urteile als ungerecht vorkommen muss man aushalten.

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13.06.2019

@ Johann S.
Es entspricht scheinbar auch dem heutigen Zeitgeist und Rechtsverständnis, dass man nicht mehr unterscheiden kann zwischen Selbstverteidung und -Schutz und das Recht in die eigenen Hände zu nehmen.
Vielleicht hat unser Staat (nicht die Polizei) das Gewaltmonopol - aber leider nur auf dem Papier.

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