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Maria Vesperbild

10.01.2018

Maria Vesperbild ist „keine autarke Insel“

Generalvikar Harald Heinrich, der neue Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart und Dekan Martin Finkel (von rechts) nach dem Einführungsgottesdienst für Erwin Reichart als neuer Wallfahrtsdirektor.
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Generalvikar Harald Heinrich, der neue Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart und Dekan Martin Finkel (von rechts) nach dem Einführungsgottesdienst für Erwin Reichart als neuer Wallfahrtsdirektor.
Foto: Peter Bauer

Der neue Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart über seinen Weg in den Wallfahrtsort, seine ersten Aufgaben und die Bedeutung der Priestergemeinschaft für ihn.

Er ist im Oberallgäu geboren und als Pfarrer im Ostallgäu war er 30 Jahre fest verwurzelt. Nun, mit 63 Jahren, stellt sich Erwin Reichart in Maria Vesperbild einer neuen Herausforderung. Als Wallfahrtsdirektor ist er Nachfolger von Wilhelm Imkamp. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet er darüber, wie es dazu kam und welche Aufgaben für ihn in Maria Vesperbild jetzt anstehen. Ein „dicker Brocken“ wird die Innenrenovierung der Wallfahrtskirche. Am gestrigen Sonntag wurde er von Generalvikar Harald Heinrich in sein Amt eingeführt.

Sie waren seit 1988 Pfarrer in Ebersbach im Allgäu. Sie sind 63 Jahre alt. Manche denken da an die Rente. Für Sie hingegen beginnt als Wallfahrtsdirektor in Maria Vesperbild ein ganz neuer Lebensabschnitt. Wie kam es dazu?

Erwin Reichart: Damit habe ich nicht mehr gerechnet. Doch dann kamen die Anrufe zunächst von Generalvikar Harald Heinrich und schließlich von Bischof Konrad Zdarsa selbst. Ich hatte anfangs große Bedenken. Er sagte mir dann aber, er selbst sei bereits 63 Jahre alt gewesen, als er Bischof in Görlitz geworden sei. Und er hat betont, dass ich meinen Vorgänger Wilhelm Imkamp nicht kopieren brauche, sondern so sein soll, wie ich bin. Ich wäre für das Amt des Wallfahrtsdirektors der richtige Mann. Ich habe mich über dieses große Vertrauen sehr gefreut. Die Wallfahrt von Maria Vesperbild – das ist ja in der Tat eine reizvolle Aufgabe.

Sie sind in Kleinweiler bei Isny im Allgäu aufgewachsen und mit dem Allgäu fest verwurzelt. Wie waren die Reaktionen in Ihrer Allgäuer Heimat auf den bevorstehenden Wechsel?

Reichart (lacht): Na ja, einige haben schon gesagt, jetzt gehst du vom schönen Allgäu in dieses Nebelloch im Unterland. Aber Maria Vesperbild liegt ja landschaftlich auch sehr reizvoll. Doch natürlich blicke ich auch auf das, was in 30 Jahren gewachsen ist. Die Jugendarbeit, die Ministranten, eine Pfarrei mit guten Mitarbeitern. Die Nachfolge ist noch nicht geregelt. Das macht mir schon ein wenig Sorge, wie es da weitergeht.

Verbundenheit mit der Allgäuer Heimat

Sie sind sehr mit Ihrer Allgäuer Heimat verbunden?

Reichart: Ja, das bin ich. Meinen Urlaub verbringe ich immer wieder auch in meinem Heimatdorf Kleinweiler, wo ich aufgewachsen bin. Aber mich reizt auch das Neue, das Ungewöhnliche. Beispielsweise habe ich ein Jahr in Fribourg in der Schweiz studiert. Das war eine sehr interessante Erfahrung.

In ihrem „Weihnachtsbrief“ sprechen Sie sich unter anderem entschieden gegen die „Anpassung an den Zeitgeist“, gegen „Profanisierung und Verweltlichung“ aus. Manche würden Sie möglicherweise als „konservativ“ bezeichnen. Wie sehen Sie sich?

Reichart: Konservativ – das ist ein unpassender politischer Begriff. Ich denke, es geht darum, die Überlieferung des katholischen Glaubens zu bewahren – dies aber mit modernen Methoden, und eine Sprache zu sprechen, die die Menschen verstehen.

Gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern ist wichtig

Wie sehen Ihre ersten Schritte in Maria Vesperbild aus?

Reichart: Die Einarbeitung – das ist zunächst natürlich das klassische Durcharbeiten von Akten. Wichtig ist mir ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern. Zudem steht nach dem Wechsel auch eine Renovierung des Pfarrhofs und der Wohnräume an. So werde ich anfangs für eine Übergangszeit das Gästezimmer nutzen und immer wieder aus dem Allgäu nach Maria Vesperbild pendeln.

In Maria Vesperbild steht auch die Renovierung der Kirche an…

Reichart: In Sachen Innenrenovierung wird es jetzt erste Besprechungen geben. Hier müssen wir uns auch mit Blick auf die Kosten und die Finanzierung noch ein genaues Bild der Lage machen.

„Maria Vesperbild ist ja keine autarke Insel“

Ihr Vorgänger hat es immer wieder verstanden, hochkarätige Geistliche wie etwa zuletzt Georg Gänswein für einen Auftritt in Maria Vesperbild zu gewinnen. Was planen Sie?

Reichart: Ich habe natürlich nicht die Verbindungen nach Rom wie mein Vorgänger Wilhelm Imkamp. Aber Generalvikar Harald Heinrich hat mir Unterstützung zugesagt. Ich bin zuversichtlich, dass insbesondere an Mariä Himmelfahrt, 15. August, weiterhin bedeutende Kirchenvertreter in Maria Vesperbild zu Gast sein werden.

Was möchten Sie in Maria Vesperbild verändern?

Reichart: Ein wichtiges Anliegen ist mir die Priestergemeinschaft. Ich möchte zu meinen Mitbrüdern im Dekanat Günzburg ein gutes Verhältnis aufbauen. Denkbar ist in diesem Zusammenhang eventuell auch, dass wir notfalls vielleicht einmal eine Aushilfe übernehmen, wenn in einer Pfarrei Not am Mann sein sollte. Maria Vesperbild ist ja keine autarke Insel. Aber das muss ich mir alles erst einmal anschauen.

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