Bobingen

16.08.2015

Marktgeflüster

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3 Bilder
Der Laurentiusmarkt bietet manche Angebote für spontane Einkäufe: Duftende Holzfrüchte gab es an diesem Stand.

  Warum der Laurentiusmarkt noch immer zum Volksfest  in Bobingen gehört und was man(n) dort so erlebt

  „Wie immer halt, wieder mal nichts Neues“, brummt der Mann, als ihn seine Frau über den Bobinger Laurentiusmarkt zieht. „Doch, doch. Guck doch mal da vorne, das gab’s letztes Jahr nicht“, hält die Holde mit Kennerblick dagegen und zieht den Göttergatten die nächsten Stände entlang. „Warum hab ich da eigentlich mitmüssen – du ratscht dich doch eh bloß durch“, fragt dieser zum wiederholten Male und schaut sehnsüchtig an der Abzweigung Badstraße entlang – dort würde es in Richtung Festzelt gehen und damit zu einer schönen, kühlen Maß Bier. Doch vor diese Männerfreude hat der liebe Gott den Gang über den Laurentiusmarkt gestellt. Und weil das eben so ist, hat er halt mitmüssen, der Mann.

Jetzt sieht er seiner Gattin zu, die am Messerstand ein neues Küchenmesser einkauft („Das vom letzten Jahr schneidet schon gar nicht mehr so gut!“) und am Sockenstand die ehemännlichen Bestände auffrischt („Er hat ja nur noch zwei paar gute Socken, ich weiß gar, wie er es immer schafft, immer sind die Fersen durch!“). Dazwischen ein Ratsch mit der Nachbarin. Die beiden Herren neben den Damen werfen sich nur vielsagende, leidgeprüfte Blicke zu. Eine kurze Nachfrage: „Ach, ihr seid’s schon fast durch?!“ und ein Seufzer. Der Mann hat noch mindestens die Hälfte vor sich. Vorbei geht es am Kräuterstand, an den Volksmusik-CDs und an diversen Schmuckständen. Das Kinderspielzeug lassen beide links liegen – die eigenen Kinder sind schon lange aus diesem Alter hinausgewachsen.

Bergkäse und Kaminwurzen hätte der Mann gerne gekauft, aber „wann willst du denn das essen, wir gehen doch nachher ins Zelt.“ So bleibt ihm nur die Tüte mit dem neuen Kranz für die Haustüre, die Dose mit der Suppenwürze, die zwei Kochlöffel und der supertolle Allesschneider mit dem jeglicher Salat und Rohkost praktisch von alleine schön angerichtet und mundgerecht zerkleinert werden. „Na toll“, denkt der Mann. „Rohkost!“ Ein halbes Hendl und endlich die ersehnte Maß Bier wären ihm jetzt und auch generell lieber. Schon wieder ratscht seine Frau. Woher die nur immer die Leute kennt? Er jedenfalls hat bei der Sportschau noch nie jemanden kennengelernt. Aber dazu könnte er zu Hause auf dem Sofa wenigstens ein Bier….

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Der Gedanke wird jäh von einer neuen Tüte unterbrochen, die dem Mann in die Hand gedrückt wird: Schuhputzmittel (mit zwei extra Schwämmchen!). Die Poststraße hinauf und wieder hinunter folgen ein Schal (nein, der wurde dann doch zurückgelegt), ein neuer Geldbeutel und diese Duftkugeln, einmal fürs Bad und einmal für den Schuhschrank („Dann riecht man deine Schuhe nicht mehr so!“).

Mit einigen Tüten am Handgelenk geht es dann endlich zum Mittagessen Richtung Festzelt. Höchstens eine halbe Stunde Ratschdauer braucht es noch, bis die Badstraße geschafft, der Festplatz durchquert und das Zelt betreten ist. Und dabei hat sich die Frau noch beeilt, denn auch sie hat langsam Durst.

Bald stehen zwei Maß Bier und Radler vor den beiden, die dampfenden Hendl gesellen sich dazu. „So ein Marktbesuch ist doch immer wieder schön“, sagt die Frau und betrachtet zufrieden die vielen gemachten Einkäufe. Versonnen betrachtet ihr Gatte Hendl und Bier vor ihm auf dem Tisch. Ja, das ist schon schön. Und weil es das eine eben nicht ohne das andere gibt, ist eines klar: „Nächstes Jahr gehen wir auf jeden Fall wieder!“ sagt der Mann und nagt zufrieden den Flügel ab. Notiert von Anja Fischer

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