1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Mehrfach verurteilter Paketdienst-Mitarbeiter stiehlt wertvolle Päckchen

Prozess in Augsburg

04.11.2019

Mehrfach verurteilter Paketdienst-Mitarbeiter stiehlt wertvolle Päckchen

Pakete im Wert von mehr als 12.000 Euro schmuggelt ein Hermes-Mitarbeiter in Graben nach Hause und verkauft den Schmuck. Der Mann ist „Profi“ und steht erneut vor Gericht.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Pakete im Wert von mehr als 12.000 Euro schmuggelt ein Hermes-Mitarbeiter nach Hause und verkauft den Schmuck. Der Mann ist „Profi“ und steht erneut vor Gericht.

Der 40-jährige Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg kann es einfach nicht lassen. Immer wieder landet er wegen Diebstahls vor Gericht – seit 20 Jahren. Auch ein mehrjähriger Gefängnisaufenthalt brachte ihn nicht vom Klauen ab.

Ziemlich genau vor einem Jahr wurde er zuletzt verurteilt, als er 23 unscheinbare Päckchen vom Paketdienst UPS in Gersthofen verschwinden ließ, die an Juweliere adressiert waren. Die Ketten, Anhänger, Ohrstecker und Trauringe im Gesamtwert von mehr als 20.000 Euro versilberte der Dieb bei mehreren gewerbsmäßigen Goldankäufern in Augsburg, die nichts von der Herkunft der Ware wussten, und erhielt deswegen eine zweijährige Bewährungsstrafe.

Nun stand der 40-Jährige erneut vor dem Amtsgericht Augsburg – und wieder ging es um Diebstähle bei seinem Arbeitgeber, diesmal in Graben. Im Zentrallager des Versanddienstleisters Hermes griff der man im vergangenen Jahr zwischen März und Oktober insgesamt vier Mal zu. In den Paketen befanden sich Ringe, Halsketten und Goldmünzen – im Wert von 12.659 Euro.

Mehrfach verurteilter Paketdienst-Mitarbeiter stiehlt wertvolle Päckchen

Versandmitarbeiter in Graben sucht gezielt Pakete aus

Wie der 40-Jährige auf die Pakete stieß und die Beute aus dem Lager an den Kontrollen vorbei schmuggelte, erzählte er bei seiner Vernehmung einem Polizisten. In einem beschädigten Paket auf dem Förderband sei etwas Goldenes zu sehen gewesen; der Angeklagte nutzte die Chance und griff zu. Die weiteren Pakete habe er gezielt nach dem Absender ausgesucht. Die anfangs nur sehr oberflächliche Kontrolle des Personals beim Verlassen des Lagers durch den Sicherheitsdienst sei leicht zu übewinden gewesen.

Doch es wurde schwieriger: Sein letzter und zugleich wertvollster Diebeszug – zehn Goldmünzen im Wert von mehr als 10.000 Euro – nahm viel Zeit in Anspruch: Der Angeklagte beobachtete den Sicherheitsdienst, um eine Lücke im System zu erkennen. Die Münzen versteckte er zwei Tage lang im Spülkasten einer Toilette. Als eine Großkontrolle von Lastwagen auf dem Firmengelände anstand, sah er eine günstige Gelegenheit und schmuggelte die Goldmünzen an dem kleineren Sicherheitspersonal für die Angestellten vorbei.

Angeklagter will mit den Diebstählen seine Schulden begleichen

Anschließend verkaufte der Angeklagte den Schmuck und die Münzen an einen Goldankäufer in München. Mit dem Geld wollte der zweifache Familienvater seine Schulden aus vorherigen Straftaten sowie einer Beerdigung im Familienkreis bezahlen und zudem seinen Kindern etwas bieten – einen Urlaub oder ein paar Geschenke, sagte der 40-Jährige vor Gericht.

Auf die Schliche kam die Polizei dem Angeklagten durch den Verkauf der Goldmünzen – wegen des hohen Betrages musste er seinen Ausweis vorzeigen. Mit den Vorwürfen konfrontiert, gab der 40-Jährige die Diebstähle in Graben zu. Ohne dieses Geständnis wäre es laut Polizei sehr schwer geworden, ihm die Taten nachzuweisen, da der Schmuck zum Teil eingeschmolzen wurde. Ähnlich schwierig war die Beweislage bei seiner Diebstahlserie in Gersthofen. Um ihn damals zu überführen, wurde eine Videokamera an seinem Arbeitsplatz installiert – mit Erfolg. Als er Schmuck aus einem Umschlag in die Hosentasche steckte, schnappte die Falle zu. Der Mann gestand sofort insgesamt 23 solcher Diebstähle, die man ihm sonst kaum hätte nachweisen können.

Staatsanwaltschaft fordert dreijährige Gefängnisstrafe für Diebstahl und Betrug in Graben

Staatsanwalt Konstantin Huber beantragte für den Angeklagten unter Einbeziehung des vorherigen Urteils wegen Diebstahls und Betrugs eine Gefängnisstrafe in Höhe von drei Jahren: „Ich nehme ihnen ihre Reue ab, aber sie sind seit 20 Jahren durch nichts von einem Diebstahl abzubringen – auch nicht durch einen Gefängnisaufenthalt. Sie haben ein verqueres Verständnis von Eigentum und haben das Vertrauen ihrer Arbeitgeber missbrauch.“

Verteidiger Jörg Seubert sprach von einem absoluten Ausnahmefall. Da die nun zu verhandelten Straftaten alle noch vor der Verurteilung aus den Gersthofer Diebstählen geschahen, müsse man seiner Meinung nach das damalige Urteil neu bewerten. Er hob das Geständnis seines Mandanten hervor, ohne das man ihm nur einen von 23 Fällen in Gersthofen und keinen der vier Fälle in Graben hätte nachweisen können. Deswegen beantragte Seubert eine Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Diesem Antrag folgte das Schöffengericht. Die Vorsitzende Richterin Susanne Scheiwillier gab zu Bedenken, dass das Urteil vom vergangenen Jahr auch mit den nun verhandelten Taten vermutlich nicht anders, sprich höher, ausgefallen wäre. Der 40-Jährige, der inzwischen als selbstständiger Schmuckhändler arbeitet, muss zudem 300 Stunden Hilfsdienste leisten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

04.11.2019

lernfähig ist er nicht, deshalb sollte er ein Berufsverbot im Logistikbereich bekommen. Und Wieso er nur Bewährung bekommt, ist für mich schleierhaft. Seine letzte Bewährung hat doch auch nicht funktioniert.

Permalink
03.11.2019

Normalerweise kennt man in jeder Branche seine "Pappenheimer". In der Logistikbranche gibt es wohl keine Schwarze-Schafe-Datenbank.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren