1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Milchbauern suchen Ausweg aus der Krise

HIltenfingen

27.09.2015

Milchbauern suchen Ausweg aus der Krise

Reinhold Mayer (rechts) sprach sich heftig gegen die von Susanne Mairhörmann (links) favorisierte Mengensteuerung aus.
Bild: Hieronymus Schneider

Im Hiltenfinger Keller werden tiefe Gräben zwischen den Verbänden sichtbar

Die Situation auf dem Milchmarkt ist sehr angespannt. Vor Kurzem protestierten über 3000 bayerische Milchbauern mit einer Schleppersternfahrt am Odeonsplatz in München und erzwangen durch eine nächtliche Mahnwache ein Gespräch mit Ministerpräsident Seehofer in der Staatskanzlei. „Nach diesen plakativen Aktionen müssen wir aber auch miteinander reden, ob es Wege aus der Krise gibt“, sagt Susanne Mairhörmann vom Langerringer Mondscheinhof bei der Begrüßung zum ersten Milchbauernstammtisch im Hiltenfinger Keller.

Mehr als 20 Milchbauern aus den Landkreisen Augsburg, Landsberg und Unterallgäu waren der Einladung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) gefolgt. Das BDM-Kreisteam Augsburg präsentierte dazu zwei Referenten aus dem Oberallgäu. Erwin Reinalter ist selbst Milchbauer mit 30 Kühen und 30 Hektar Grünland im Familienbetrieb mit vier Kindern und Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Landwirtschaft im Kreisverband Oberallgäu/Kempten. „Der BDM steht für einen kostendeckenden Milchpreis und eine am Verbrauch orientierte Produktion“, stellte Reinalter eingangs fest und erläuterte anschließend das Dilemma der Überproduktion. Bei einem Hof seiner Größe mit etwa 30000 Kilogramm Monatsmenge bedeutet ein Preisrückgang von 40 auf 30 Cent einen monatlichen Verlust von 3000 Euro.

Die BDM-Forderung nach einer Marktsteuerung zur Mengenbegrenzung unterstützt auch der zweite Referent Hans-Peter Uhlemayr. Der Kemptener Milchbauer ist seit 20 Jahren Vorstand einer Milcherzeugergemeinschaft und Mitglied in der Bayern-MeG, der Dachorganisation der bayerischen Milcherzeugergemeinschaften und Liefergenossenschaften. Er beklagte, dass es nur noch ein striktes Preisdiktat gebe. Dies könne nur durch starke Erzeugergemeinschaften durchbrochen werden, wie das Beispiel der Berchtesgadener Bergbauernmilch zeige.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Das Mengenbegrenzungsprogramm des BDM scheitert daran, dass man nie alle Bauern unter einen Hut bekommt. Die großen Erzeuger werden immer noch größere Ställe bauen und kleinere werden aufgeben, so trennt der Markt die Spreu vom Weizen“, meint Reinhold Mayer aus Prittriching, Vorsitzender der MeG Augsburg-West. Er und Martin Mayr aus Kutzenhausen vertraten die konträre Position des Deutschen Bauernverbandes, der kein Verständnis für die Diskussion über eine Mengensteuerung habe.

Bei der kontroversen Diskussion wurden tiefe Gräben zwischen dem BDM und dem Bauernverband sichtbar. Herbert Graßl aus Langerringen meinte: „Wenn jeder Betrieb zehn Prozent weniger melkt, würde das schon eine Wirkung auf die Preise erzeugen“ und Susanne Mairhörmann ergänzte: „Die Marktsteuerung müsste wenigstens in Krisenzeiten ausprobiert werden.“ Reinhold Mayer konterte sofort: „Dafür gibt es keine Mehrheit“.

Einigkeit herrschte zumindest darüber, dass die Grünlandfläche die Milchmenge nicht mehr begrenzen kann, da Großbetriebe Futtermittel auch aus dem Ausland dazukaufen können und dass eine erneute Exporterweiterung derzeit nicht in Sicht ist. „Der Export macht nur 15 Prozent aus, 85 Prozent der Milch werden im Inland verbraucht“, warf Herbert Graßl in die Diskussion ein.

Mit versöhnlichen Tönen forderte Wally Meitinger vom BDM-Kreisvorstand Augsburg zur Zusammenarbeit der Verbände auf, damit es kein Höfesterben gibt und Uhlemayr pflichtete ihr bei, da die BayernMeG schließlich Mitglieder aus beiden Verbänden beinhalte. „Aber es wird ein schwerer Weg, der an die physischen und psychischen Belastungsgrenzen der Milchbauern gehen wird und es kann nur eine europaweite Lösung geben“, so Uhlemayr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

27.09.2015

1. Subventionen vollkommen streichen; nicht nur Direktzahlungen sondern auch Gelder an Sozialleistungsträger.

2. Buchführung nach HGB durchsetzten.

3. Gefälligkeiten müssen dokumentiert werden.

4. Verbandswirrwarr auflösen - 3 Landwirte - 5 Meinungen

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren