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Königsbrunn

21.05.2018

Mit 66 ist noch lange nicht Schluss

Die Lumpenbacher gibt es mittlerweile in der dritten Generation. Einige Instrumente, wie die Pauke, haben aber die 66 Jahre Musikgeschichte überlebt und sind jetzt im Besitz der aktuellen Musiker.
Bild: Claudia Deeney

Die Lumpenbacher gehören seit 1952 zu den Festzelt-Kapellen. Die Besetzung hat sich verjüngt, einige Familien stellen die dritte Generation Musiker.

„Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer gehört zur Zeit unbedingt ins Repertoire einer guten Partyband. Das sind die Lumpenbacher aus Königsbrunn ohne Zweifel und ihre Geschichte zeigt, dass die einstige Trachtenkapelle nicht atemlos durch die Zeit ging, sondern im Gegenteil einen langen Atem bis heute beweist. Zum Start der Festzelt-Saison geben sie einen Überblick über die Geschichte der Kapelle.

Der mündlichen Überlieferung nach, gab es bereits um die Jahrhundertwende eine Blaskapelle in der Brunnenstadt. 1952 erfolgte die offizielle Gründung der Trachtenkapelle, nachdem viele Jahre vorher schon gemeinsam musiziert wurde. Heute, 66 Jahre nachdem die große Trommel von den Gründungsvätern in fürs Erinnerungsfoto in die Mitte genommen wurde, ist die Enkelgeneration am Start. Oder vielmehr auf der Bühne. Und das nicht nur im übertragenen Sinne.

Was sich im Laufe der Zeit alles geändert hat

Drei, der zur aktuellen Besetzung gehörenden jungen Männer, sind Enkelsöhne der alten Garde. Der Dirigent Marian Weser trat sozusagen in die Fußstapfen seines Opas Karl-Heinz Tuffentsammer und die Brüder Michael und Stefan Schuler wandeln auf den Spuren ihres Opas Fritz Schuler (verstorben). Die Generation dazwischen ist vertreten durch Konrad Weser und Walter Schuler – der wiederum der Vorgänger von Marian Weser als Dirigent ist. „Aber auch viele der anderen Musikerkollegen haben Verwandte, die in der Trachtenkapelle gespielt haben“, erklärt Weser jun.. Felix Hofstetter beispielsweise folgte einem Onkel. Hofstetter ist nicht aus der Brunnenstadt sondern aus Graben. „Das ist nur eine von vielen Gegebenheiten die sich im Laufe der 66 Jahre geändert haben“, wie Stefan Schuler sagt. Er ist der Vorsitzende und zählt auf: „Außer aus Königsbrunn, kommen die insgesamt 13 Musiker heute unter anderem aus Graben, Oberottmarshausen, Großaitingen oder auch Scherstetten“. Ebenfalls neu ist, dass mit Linda Fleischer eine Sängerin mit auf der Bühne steht. „Das ist der Lauf der Zeit“, erklärt Weser. Und Songs von Nena oder eben Helene Fischer müssten von einer Frau gesungen werden. „Sie kommt gut an beim Publikum“, sind sich die Männer einig.

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Ebenfalls völlig anders sind die Töne, die die Lumpenbacher im Jahr 2018 anschlagen. „Wir sind auf dem Weg zu einer richtig guten Partyband, ohne dabei unsere Wurzeln zu vergessen“, sagt Weser jun. Zu englischsprachig rockigen Songs, wie „It‘s my life“ (Bon Jovi) oder „Summer of 69“ (Brian Adams) gehören bayrische Klassiker wie „Skandal im Sperrbezirk“ (Spider Murphy Gang) genauso dazu wie deutsche Stücke von den Sportfreunden Stiller. Letzteres vor allem auch in diesem Jahr, wenn die Lumpenbacher während der Fußballweltmeisterschaft im Bierzelt auf der Gautsch spielen.

Die Lumpenbacher müssen viel mehr proben als früher

Heute müsse sich eine Band immer auf die neuesten Trends einstellen und diese werden immer schnelllebiger. „Das Bierzelt heute ist gerade für die Jugend im Gegensatz zu früher eine reine Partylocation“ erzählt der Dirigent. Viel junges Publikum kommt im Dirndl und der Lederhose und will den ganzen Abend Stimmung pur. Da müssen die Lumpenbacher schnell reagieren und es muss viel mehr geprobt werden, damit die ständig neu dazukommenden Hits wie „Havana“ (Camilla Cabello) oder „Despacito“ (Luis Fonsi) sitzen.

Den Spagat zwischen Moderne und Tradition bekommen sie hin und so gehören alte Polka-Weisen wie „Auf der Vogelwiese“ oder „Böhmischer Traum“ bei ihren Auftritten dazu. Was die Gründungsmitglieder mit Sicherheit nicht kannten, waren Mitmusiker mit Keybaord, Bass oder E-Gitarre. Bei den Nachfahren gehört das selbstverständlich dazu, genau wie die Technik. Sie haben eine eigene Ton- und Lichtanlage und zwei Techniker, die diese bedienen.

Cooles Gefühl, im Bierzelt Musik mit gut gelaunten Leuten zu machen

Auf unsere Frage, wo denn der Reiz für sie sei, als junge Männer in dieser Formation zu spielen kommen gleich jede Menge Antworten. Für Weser ist es toll, weil er nicht nur die Familientradition fortführt, sondern auch zugleich sein Hobby zusammen mit seinen besten Freunden ausüben kann. Ähnlich sieht das Stefan Schuler und ihm gefällt außerdem, dass er damit Menschen begeistern kann. Sebastian Pentz und Felix Hofstetter sind sich einig: „Es ist ein cooles Gefühl in einem Bierzelt mit gut gelaunten Leuten Musik zu machen und zu sehen wie der Funke überspringt“.

Auch wenn die Bierzelte in ganz Deutschland und auch im Ausland mittlerweile der Auftritts-Ort Nummer 1 sind, vergessen die Lumpenbacher trotzdem nicht wo sie herkommen. So spielen sie auch bei Traditionsveranstaltungen in der Brunnenstadt, wie den Ostersonntag oder den Tanz um den Maibaum am 1. Mai.

Und ganz besonders am Herzen liegt ihnen der alljährlich stattfindende Weißwurstfrühshoppen, wie Marian Weser sagt: „Da laden wir alle Generationen ein mit uns zusammen ein paar schöne Stunden zu verbringen und Spaß zu haben, natürlich mit Weißwurst, sowie Kaffee und Kuchen“. Dieses Jahr findet die Veranstaltung am Sonntag, den 10. Juni zwischen 10 und 14 Uhr auf dem Gelände des ehemaligen Trocknungswerkes Schuler, zwischen Königsbrunn und Bobingen.

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