Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Mit Outfits aus Opas Klamottenkiste beim Wohnzimmerkonzert

Mittelneufnach

27.10.2020

Mit Outfits aus Opas Klamottenkiste beim Wohnzimmerkonzert

Pam Pam Ida mit Frontmann Andreas Eckert sorgten zusammen mit dem Silberfischorchester für einen nicht nur musikalisch bunten Abend.
Bild: Marcus Angele

Plus Die Band Pam Pam Ida holt die Besucher in Mittelneufnach musikalisch aus dem Alltag. Die Musiker freuen sich, dass sie auftreten dürfen.

"Mein größter Wunsch wäre, wenn ihr wiederkommt – und dann in einer richtig vollen Halle“, sagte Karl Scheid am Ende dem coronabedingt sehr dezimierten Publikum beim Wohnzimmerkonzert in Mittelneufnach. Die oberbayerische Band Pam Pam Ida begeisterte davor knapp zwei Stunden mit ihrer teils sehr eigenwilligen, aber doch sofort ins Gehör und Bein gehenden Musik – wobei allerdings ins Bein gehen nur als strikter Sitztanz erlaubt war. Wenn man so in die Runde schaute, sah man trotz vermummter Gesichter eins: Dankbarkeit für einen fantastischen Abend.

Das große Wohnzimmer der Kulturschmiede fällt wegen Corona kleiner aus

Tatsächlich gab es unter den Zuschauern immer noch ein paar "Exoten“, die zum ersten Mal im Gemeindezentrum das besondere Flair eines Wohnzimmerkonzerts der Kulturschmiede erfahren durften. Diesmal war das Wohnzimmer allerdings eher das einer kleinen Single-Wohnung. Aufgrund der Corona-Auflagen durften nur wenige Zuschauer diese Nähe zu Bühne und Künstler genießen. Die Kulturschmiede erarbeitete hierfür in Zusammenarbeit mit den Behörden ein aufwendiges Hygienekonzept. Trotz der Auflagen gelang der Kulturschmiede aber mit ihrer 20. Kulturnacht wieder ein Sahnestück.

Pam Pam Ida und das Silberfischorchester klingt vielleicht erstmal wie ein Stück aus der Augsburger Puppenkiste, entpuppte sich aber schnell als eine großartige Band mit einer ganz besonderen Art von Musikstil. In unserer Gegend noch relativ unbekannt, zeigten die sechs Jungs aus dem Altmühltal sehr rasch, warum sie in Oberbayern und auch in manchen Radiosendungen schon länger eine feste Größe sind. Und um es mit den Worten aus dem Publikum zu nennen: "Die machen einfach a geile Musik und a super Stimmung.“

Pam Pam Ida und das Silberfischorchester kommen in speziellen Outfits

Begleitet wurden Pam Pam Ida von einem weiblichen Streichertrio – dem Silberfischorchester. Das Bühnenoutfit ist dabei schon kurios schräg, hatte es doch etwas aus den 70er- oder 80er-Jahren, vielleicht auch aus Opas alter Klamottenkiste. Und genauso ist auch die Musik: Sie lässt sich gar nicht so richtig einordnen. Pam Pam Ida versteht es genial, die ganze Bandbreite der Musikstile von Rap bis Ballade wild durchzumischen. Man hat irgendwie das Gefühl, da steht die Essenz aus ein bisschen Haindling, La Brass Banda und Hubert von Goisern garniert mit etwas Queen und Pet Shop Boys auf der Bühne, die mit Discobeat, Indie-Klängen und Neue Deutsche Welle abgerundet wurde. Und doch ist es was ganz Eigenes mit oberbayerischem Dialekt.

Mit "Gockl“ sorgte die Band 2015 für erstes Aufsehen, doch es dauerte noch zwei Jahre, bis sie 2017 mit der jetzigen Formation ihr erstes Livekonzert gaben. Seitdem geht es steil nach oben. Nach dem Debütalbum "Optimist“ 2017 und "Sauber“ 2019 folgte nun in diesem Jahr das dritte Album "Frei“. Die Titel und Melodien sind alle aus der Feder von Bandleader und Sänger Andreas Eckert, der sichtlich die Bühnenpräsenz genießt und mit seiner Musik, seinem Witz und der richtig dosierten Prise Ironie schnell das Publikum auf seine Seite zieht.

Manchmal muss man in den Texten seiner Lieder auch zwischen den Zeilen lesen, um die wahre Botschaft zu erkennen. Jeder der sechs Vollblutmusiker ist ein Multi-Instrumentalist und es war schon beeindruckend, wie viele Instrumente neben den neun Musikern dennoch auf der kleinen Bühne Platz fanden.

Andreas Eckert: "Sich zum Deppen machen ist auch irgendwie Freiheit"

Der Titel "Frei“ des aktuellen Albums passte schließlich gut zu diesem Abend. Für zwei Stunden konnte man wirklich dem jetzt wieder etwas mehr coronageplagten Alltag entfliehen. Die Band zog alle Register für einen unterhaltsamen Abend und Schlagzeuger Julian Menz scheute sich auch vor einer kleinen John-Travolta-Gedächtnis-Tanzeinlage nicht, was Andreas Eckert anschließend grinsend mit "sich zum Deppen machen ist irgendwie auch Freiheit“, kommentierte.

Über die limitierte Zuschauerzahl sinnierte er etwas später ironisch: "Ach ja, Corona ist schon auch gut, wir haben noch nie in so vielen ausverkauften Häusern gespielt“, um aber dann gleich wieder auf die Sorgen der Künstler im Allgemeinen zu verweisen: "Proben ist schon schön, aber halt auch schlecht bezahlt. Darum tut es so gut, auf der Bühne zu stehen und für euch da zu sein“. Das Publikum dankte es ihm und seinen Kollegen nach der wunderschönen Abschluss-Ballade "I muaß geh“ mit langem Applaus.

Wie es mit den nächsten Veranstaltungen der Kulturschmiede weitergeht, konnte Karl Scheid bei der Verabschiedung noch nicht sagen, hoffte aber, dass man sich bald wieder sieht,denn: "Kultur duat uns allen so guat.“

Lesen Sie auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren