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Wehringen

11.04.2018

Mit Spezialfahrzeug 30 Monate in Afrika unterwegs

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7 Bilder
Das Ehepaar Doris und Manfred Pöhlmann aus Wehringen sowie ihr „Hobo“ waren für rund 30 Monate in Afrika ein unzertrennliches und sehr verlässliches Team.
Bild: Pöhlmann

Manfred und Doris Pöhlmann aus Wehringen haben auf ihrem Trip einiges erlebt: von Problemen mit den ägyptischen Behörden und militärischem Schutz vor Rebellen.

Die Reisebegeisterung begleitet die Familie Pöhlmann aus Wehringen schon ein Leben lang. Aus kleinen wurden immer größere Urlaube in immer entferntere Länder, bis dann endlich der Ruhestand nahte und das Ehepaar das ganz große Ding plante, bezogen auf die Strecke und das dazu passende Fahrzeug. Wie viele Länder sie schon gesehen haben, das wissen die Pöhlmanns nicht. Viele jedenfalls. „Mit unseren beiden Söhnen waren wir schon unterwegs, da trugen sie noch Pampers“, erzählt Manfred Pöhlmann.

Mit Wohnmobilen fing alles an. Dann baute er, damals noch Elektromeister, einen Toyota Landcruiser so um, dass er seine Bedürfnisse erfüllte, mit hohem Dach und vielen Extras. Doch das war nicht das Ziel seiner Wünsche, auch nicht das seiner Frau Doris, die sich einfach mehr „Komfort“ wünschte.

Solarmodule und spezielle Trinkwassertanks für das Spezialfahrzeug

Lange suchte das Ehepaar, bis es ein geeignetes Fahrzeug gefunden hatte: Dann wurde es der Allrad-Lkw von Bremach T-Rex mit Iveco-Motor. „Wir ließen ihn ganz genau für unsere Bedürfnisse und nach unseren Plänen umbauen“, so Manfred Pöhlmann, der dabei an alles gedacht hatte: an eine normale Spur wegen schmaler Feldwege, an Sicherheitsvorkehrungen wegen der lauernden Gefahren, an Solarmodule wegen der Stromversorgung, an genügend Ersatzreifen, spezielle Trinkwassertanks und vieles mehr. „Dadurch sind wir gut eine Woche völlig autark und müssen uns nicht immer in der Nähe der Zivilisation aufhalten. Das Fahrzeug ist komplett eingerichtet. Uns fehlt es darin an nichts“, erzählt Manfred Pöhlmann, der nach einem Jahr Bauzeit und vielen Problemen endlich sein Spezialfahrzeug auf dem Hof hatte.

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Dann folgten 2013 die ersten Testfahrten nach Kroatien, Belgien und Albanien. „Wir waren total glücklich mit dem Wagen. Er lässt sich optimal fahren, fast wie ein GoKart“, schwärmt der Wehringer, und seine Frau stimmt ihm zu, auch wenn sie nur selten am Steuer sitzt: „Unser Hobo ist alternativlos“, sagt sie. Hobo bedeutet übrigens so viel wie Landstreicher. „Wir sagen immer: Das heißt Reisende ohne Geld.“

Die Pöhlmanns reisen immer alleine

Dann wurden die Pläne für das große Projekt geschmiedet: 30 Monate kreuz und quer durch Afrika. „Wir informierten uns zwar in 4x4-Foren, tauschten uns mit Leuten dort aus, haben auch einen großen Bekanntenkreis in der Szene, reisen aber immer vollkommen allein. Wir sind einfach nicht kompatibel“, erklärt der 65-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Bestens vorbereitet ging‘s dann endlich 2014 los. Bis die Wehringer wenigstens in Jordanien ankamen, waren schon zwei Monate vergangen: Es gab allerhand Probleme mit den Behörden. Dann durfte durch Ägypten nicht mit dem Allrad gefahren werden, weil der Staat Sorge hatte, dass sich die Terroristen das Fahrzeug schnappen und für ihre Zwecke benutzen könnten. Also musste es bis in den Sudan verschifft werden. Sie selbst flogen nach Khartum und wohnten über drei Wochen dort im German Guest House. Dort gingen hohe Uno-Mitarbeiter und Staatsleute aus und ein, planten und feierten. „Es waren so viel wichtige Leute auf einem Haufen, man hätte dort glatt den Weltfrieden arrangieren können“, so Manfred Pöhlmann. Als ihr Fünftonner endlich im Hafen angekommen war, flogen sie zu ihm. Doch die Schwierigkeiten gingen weiter: „Wir brauchten fünf Tage, bis wir endlich alle benötigten Papiere hatten und losfahren konnten“, so Doris Pöhlmann.

Jetzt konnte endlich die Erkundung des Kontinents losgehen. Die Erlebnisse der Wehringer in Afrika waren so mannigfaltig und spannend, dass sie den Rahmen eines Artikels bei Weitem sprengen.

Tellerlippen-Menschen und feuerspeiende Vulkane

Sie bestiegen einen feuerspeienden Vulkan in Äthiopien, durchfuhren Salzwüsten bei 50 Grad Hitze, besuchten Tellerlippen-Menschen, trafen auf Gorillas in Uganda: „Das war irre: ein kleiner kam zu mir her, nahm meine Hand und wollte mich mit sich ziehen wie einen guten Freund. Das war ein unglaubliches Erlebnis“, erzählt der Wehringer tief beeindruckt. Sie sahen in der Serengeti die Big Five, umrundeten den Kilimandscharo in tropischem Klima, besuchten viele Naturvölker, den Krüger-Nationalpark, bestaunten Großstädte wie Johannesburg und die dazugehörigen Townships, machten eine spannende Radtour durch Soveto, fühlten sich in Lesotho total ins Mittelalter zurückversetzt und, und, und. Ihre Erlebnisse waren extrem vielschichtig, konträr, kontrastreich.

Ob sie richtig schlechte Erfahrungen auf ihren über 65000 Kilometern kreuz und quer durch Afrika machten? „Wir hatten nie Angst. Klar gab es die ein oder andere brenzlige Situation, mussten uns durch das Militär vor Rebellen schützen lassen, hatten Visa-Probleme, Autopannen und vieles mehr. Aber man muss einfach in allen Situationen ruhig bleiben, sich nicht stressen lassen und nach einem Ausweg suchen. Das ist uns immer gelungen“, so die Pöhlmanns übereinstimmend.

Überrascht von der Omnipräsenz der Chinesen

Schwer beeindruckt waren sie von der Freundlichkeit und dem angenehmen Kontakt mit allen Afrikanern: „Man muss sie nur als gleichwertig behandeln, sich auf sie einlassen und darf ihre ständigen Geldforderungen für alles und jedes nicht akzeptieren. Dann kommt man bestens mit der Bevölkerung zurecht“, so Manfred Pöhlmann. Überrascht zeigten sie sich von der Omnipräsenz der Chinesen in Afrika: „Sie führen Läden und Firmen, bauen seltene Hölzer und Erden ab, bringen Geld und Arbeit ins Land und bauen dort Straßen. Noch ist es eine gute Kooperation“, betont Doris Pöhlmann.

Hat die 30-monatige Reise, von der sie sich bei drei Heimreisen ein paar Monate Auszeit nahmen, das Ehepaar verändert? „Da das Land so vielfältig ist, ist ein einheitliches Fazit schwierig. Allerdings hinterfragen wir viele Vorgänge in Afrika jetzt mehr, verstehen die Leute dort besser und bezweifeln, dass alle Hilfsaktionen aus Europa wirklich sinnvoll sind. Geld runterschicken ist auf jeden Fall der falsche Weg.“

Klar ist aber: Die Faszination für das Land ist bei den Pöhlmanns geblieben. „Wir denken, die Reise hat uns an Erfahrungen viel reicher gemacht, aber nicht verändert. Eines steht aber fest: Den hiesigen Kommerz haben wir nicht vermisst.“

Wie befriedigen die Pöhlmanns in naher Zukunft ihren Reisehunger? Im Sommer planen sie eine Russland-Baltikum-Norwegen-Tour, im Jahr drauf eventuell einen ausgedehnten Südamerika-Trip.

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