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Bobingen

06.10.2019

Mit Trödel unterm Regenzelt

Die Kinder des Ehepaars Deisenhofer aus der Herbststraße hatten sich zum Flohmarkt kostümiert, um den Waren einen passenden Rahmen zu bieten.
Bild: S. Rupprecht

Beim Hof- und Garagenflohmarkt in der Bobinger Siedlung lassen sich weder Betreiber noch Besucher vom Wetter abschrecken. Für viele steht nicht der Verkauf im Mittelpunkt. Gespräche seien wichtiger.

Immer wieder wälzten dunkle Wolken über den Himmel, Regen peitschte auf Bobingens Siedlung herab und der Wind pfiff den Menschen kräftig um die Ohren. Doch obwohl das Wetter alles andere als freundlich war, hatten sich zum zweiten vom Quartiersmanagement initiierten Hof- und Garagenflohmarkt wetterfeste Betreiber und Besucher eingefunden. Man müsse dem Schlechten nur etwas Positives abgewinnen, meinte beispielsweise Sabine Weickart und begab sich mit ihrem Mann erfolgreich auf Schnäppchensuche.

Ein Schnäppchen für die Kartenrunde

Schon nach kurzer Zeit hatten sie eine volle Einkaufstasche. Darin fand sich allerlei Nippes, aber auch eine farbenfrohe ovale afrikanische Holzmaske mit beeindruckendem Kopfschmuck. Kein Platz in der Tasche hatte das üppige, mehrfarbige bemalte Rentier aus Keramik. Es sei eine schöne Weihnachtsdekoration, meinte Sabine Weickart.

Die Schnäppchen ergatterte sie allerdings nicht für den Eigengebrauch. „Wir gehören einer Kartenspielgruppe an, bei der es auch mal witzige und originelle Preise zu gewinnen gibt“, erzählte sie. Fündig dazu werde sie am besten auf dem Flohmarkt. Rund 40 Euro habe sie bislang für ihre Einkäufe ausgegeben.

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Auf der Suche nach kostengünstigen Angeboten war auch Dominik Schneller. Sein Blick ging in erster Linie zu gut erhaltenem Kinderspielzeug. Auch Kinderkleidung hatte er für seinen Nachwuchs im Visier. Wünsche, die Margit und Thomas Krucker zumindest teilweise hätten erfüllen können. Sie boten von Sohn Luca nicht mehr benötigtes Spielgerät an. Das reichte vom großen Feuerwehrauto bis hin zum futuristischen Weltraumgleiter.

Raus kommt, was Dach und Keller hergeben

Eine breitere Palette hatten Michael Reinsch und seine Nachbarin aufgestellt: „Alles, was Keller und Dachboden hergab und seit etlichen Jahren nicht mehr benötigt wurde, haben wir heute in unsere Garage geschafft und bieten es zum Verkauf an.“ Und so warteten die beiden mit Haushaltsgeräten, Dekorationen, Büchern, Comicheften und Fahrrädern auf. Es sei schade, die Sachen einfach wegzuwerfen, meinte Reinsch. „Es gib sicher Leute, die das eine oder andere brauchen können.“ Die Preise dafür waren human. Kleine Artikel gab es bereits ab zehn Cent. Teurer als 20 Euro war hier nichts.

Mit Freunden hatte sich auch Marcel Gutierrez aus der Sommerstraße zum Hof- und Garagenflohmarkt zusammengetan. Nicht mehr benötigtes Kinderspielzeug stand bei ihnen im Mittelpunkt. Letztes Jahr sei die Aktion ein Riesenerfolg gewesen, erinnerte er sich. Doch heute werde sie – dabei richtete der Vater von zwei Kindern einen etwas resignierten Blick auf die schwarze Wolkenwand und den prasselnden Regen – wohl eher eine Nullrunde. Für ihn persönlich sei die Veranstaltung auch weniger Flohmarkt als Tauschmarkt.

Ein Flugzeug dient als Hingucker

„Wir Nachbarn wissen schon ein bisschen, was der eine oder andere benötigen könnte“, meinte er. Wichtig war ihm vielmehr die Kommunikation zwischen Anbieter und Besuchern. Das festige das Miteinander in der Siedlung und bewahre den Dorfcharakter.

Die Bedeutung des Gesprächs untereinander hoben auch Monika und Peter Sadlo hervor. „Das ist wichtiger als der Verkauf“, berichteten sie. Die Erwartungen, die angebotenen Dinge an Mann und Frau zu bringen, seien eh nicht hoch, schätzte Monika Sadlo die Situation ein. Sie hatte Strickanleitungen, einen Monitor, Schnitzereien, ein Fahrrad, Haushalts- und Elektrogegenstände, unzählige Puzzles und sogar einen Rollator im Angebot. Am Herzen lagen ihr auch die noch von der verstorbenen Oma handgestrickten Socken.

Um darauf aufmerksam zu machen, hatte das Ehepaar ihre Hofeinfahrt mit einem bunten Hingucker bereichert: einem großen Modellflugzeug. Ein bisschen frustriert von der Wetterlage war Verena Deisenhofer aus der Herbststraße. Sie, ihr Mann und die Kinder Lena und Julian hatten sich viel Mühe gemacht und Zeit investiert, um Tische aufzubauen, sie zu bestücken und alles mit einem großen Schirm zu behüten. Völlig ins Wasser gefallen sei die Aktion nicht, bilanzierte Verena Deisenhofer. Sie habe aber doch enorm unter dem regnerischen und kalten Wetter gelitten.

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