Newsticker

Zahl der Corona-Infizierten in München sinkt unter kritischen Wert
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Mit dem Lineal und Tabellen durch den Wald

Untersuchung im Landkreis Augsburg

09.03.2009

Mit dem Lineal und Tabellen durch den Wald

Es ist ein alter Streit: Die Förster wollen möglichst wenig Wild in den Wäldern, um ihre Pflanzen zu schonen, den Jägern sind mehr Rehe lieber. Mit einem komplizierten Stichprobenverfahren sollen in den nächsten Wochen Daten gesammelt werden, die sich auf künftige Abschusspläne auswirken können. Wie die Förster dabei nach einer genau festgelegten Methode vorgehen, demonstrierten sie für den Landkreis Augsburg im Wald zwischen Adelsried und Aystetten. Von Gerald Lindner

Landkreis Augsburg/ Adelsried Es ist ein alter Streit: Die Förster wollen möglichst wenig Wild in den Wäldern, um ihre Pflanzen zu schonen, den Jägern sind mehr Rehe lieber. Mit einem komplizierten Stichprobenverfahren sollen in den nächsten Wochen Daten gesammelt werden, die sich auf künftige Abschusspläne auswirken können. Wie die Förster dabei nach einer genau festgelegten Methode vorgehen, demonstrierten sie für den Landkreis Augsburg im Wald zwischen Adelsried und Aystetten.

Alle drei Jahre werden Stichproben erhoben

Der Schauplatz: eine Fläche im Wald, auf der zahlreiche Jungbäumchen durch natürliche Aussaat nachgewachsen und einige Buchen dazwischengepflanzt waren. "Alle drei Jahre werden seit mehr als 20 Jahren in ganz Bayern Stichproben erhoben zum Zustand der Vegetation", erklärte Reinhold Hoyer, der leitende Forstdirektor im Amt für Landwirtschaft und Forsten Augsburg. Dabei untersuchen die Förster, noch bevor die Vegetationsperiode wieder beginnt, also von März bis Ende April, nach genau festgelegten Regeln die Verbissschäden an kleinen Pflanzen.

Mit dem Lineal und Tabellen durch den Wald

Hoyer und Förster Bernd Wittmann führten zur Erläuterung Jäger und Waldbesitzer zu einem solchen Messpunkt. Die vorgegebenen Punkte, an denen die Pflanzen untersucht werden, befinden sich jeweils an Wald-Verjüngungsflächen, die am nächsten zu den Knotenpunkten eines bayernweiten Gitternetzes mit einer Maschenweite von 1,225 Kilometern liegen. Dies entspreche einer Fläche von 150 Hektar, sagte Bernd Wittmann. "An jedem der Eckpunkte soll der Verbiss aufgenommen werden." Jede der Flächen muss mindestens 1300 Pflanzen pro Hektar aufweisen, die zudem mindestens 20 Zentimeter hoch sind.

Strecke wird in fünf jeweils gleiche Abschnitte gegliedert

Gezählt werden nur die Verbissschäden durch Wild, nicht durch Hasen. Denn die Langohren gehören nicht zu den Waldtieren, für die es Abschussquoten gibt. Festgehalten wir die Art des Baumes, und ob der Leittrieb beschädigt wurde. Für die Aufnahme wird dann eine Strecke von etwa 40 bis 80 Metern, die sich mindestens fünf Meter vom nächsten Weg befindet, abgemessen und in fünf jeweils gleiche Abschnitte geteilt. An diesen werden insgesamt 75 Einzelbäumchen mit mindestens 20 Zentimetern Höhe untersucht. Vom Mittelpunkt der Strecke aus wird gezählt.

"Auf diese Weise wollen wir erkennen, wie hoch in diesem Areal der Äsungsdruck ist", erklärte Reinhold Hoyer. "Das Forstliche Gutachten stellt jedoch keine Schadensaufstellung dar. Über die Höhe des Schadens und den jeweiligen Ersatz müssen sich die Waldbesitzer mit den Jägern selbst einigen." Die Förster hätten gar kein Interesse daran, die Ergebnisse zu manipulieren", betonte Wittmann. So können die Jäger und Jagdpächter ohne Weiteres selbst mit dabei sein, wenn die Förster die Erhebungen machen.

Die so gewonnenen Daten werden der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising übermittelt, wo sie zentral ausgewertet werden. Die so statistisch gesicherten Daten gehen dann wieder zurück zum Amt für Landwirtschaft und Forsten, wo ein "Forstliches Gutachten zur Situation der Waldverjüngung" erstellt wird. Es gibt neben anderen Aspekten vor allem eine Empfehlung für die Abschussplanung der Hegegemeinschaften ab. Eine solche Hegegemeinschaft umfasst etwa 30 Reviere. Hoyer: "Sie stellen eine wesentliche Entscheidungsgrundlage bei der Abschussplanung dar und liefern einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung in der Wald-Wild-Frage."

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren