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Königsbrunn

18.01.2019

Mit dieser Ausrüstung rettet die Wasserwacht Menschen

Der Wasserwachtswagen in Elfenbeinfarben ist ein Auslaufmodell - aber im Einsatz bewehrt er sich nach wie vor.
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Der Wasserwachtswagen in Elfenbeinfarben ist ein Auslaufmodell - aber im Einsatz bewehrt er sich nach wie vor.
Bild: Veronika Lintner

Die Wasserwacht Königsbrunn zeigt ihre Einsatzfahrzeuge und ihre Ausrüstung – zu Land und zu Wasser. Einiges ist veraltet, anderes hingegen topmodern.

Ein weißer Turm überragt den Ilsesee, das Ufer und die Bäume rundherum. Von dort oben, durch das Fenster in der Turmspitze, könnte die Wasserwacht Königsbrunn das gesamte Gewässer überblicken. Aber der Turm wird kaum noch genutzt. Stattdessen stehen, wenn denn die Wasserretter im Dienst sind, zwei Stühle am Ende des langen Stegs, der in den See hineinragt.

An diesem Wintertag gibt es jedoch nicht viel zu überwachen: Still ist es am Ilsesee, rund um die Station der Wasserwacht. Der See sei bis zu 15 Meter tief und werde von Grundwasser gespeist, erklärt Anja Happernagl, die Technische Leiterin der Wasserwacht. „Das bedeutet: Er ist sehr sauber und im Sommer kühl.“ Doch im Winter, wenn der See einmal zufriert, sei das Eis sehr trügerisch. Hier bricht es schneller als in anderen Gewässern. Auch in solchen Situationen, wenn es für Schlittschuhläufer gefährlich wird und die Eisschicht nachgibt, kommt die Wasserwacht zum Einsatz.

Taucher müssen im Wagen den Kopf einziehen

Im Schatten des Turms stehen die Einsatzfahrzeuge bereit: ein klassischer Rettungswagen und auch ein spezielles Wasserwachtsfahrzeug – es hat schon viele Einsätze hinter sich und ist einer der letzten Einsatzwagen in Elfenbeinfarben. Sobald sich die Schiebetür öffnet, sieht man, wie eng der Innenraum bemessen ist: Wenn sich die Taucher im Wagen zum Einsatz bereit machen, müssen sie den Kopf einziehen. Hinter den fünf Sitzen bilden zwei große Schränke, links und rechts, einen schmalen Gang. In Schubfächern und Kisten lagert dort die Ausstattung an Seilen, Geräten und Werkzeugen.

Die Taucheranzüge, die im Schrank hängen, sind mit einer Atemmaske ausgestattet, in der eine Funkausrüstung eingebaut ist. Zwischen den Vordersitzen ruht zwar eine alte, analoge Funkanlage, mit einem schweren, schwarzen Hörer. Doch gleich daneben liegt eine digitale Anlage und die mobilen Funkgeräte hängen griffbereit am Schrank. Das Fahrzeug ist alt, das Equipment modern. Ein neuer Wagen soll das Vehikel in Elfenbein jedoch bald ablösen und dann „Christel II“ ins Schlepptau nehmen. „Christel II“, so heißt das Boot aus Metall, das der Wasserwachtswagen auf einem Anhänger zum Einsatzort bringt.

„2000 bis 3000 Menschen kommen an einem guten Badetag hierher“, erklärt die Wasserwachtlerin Happernagl. Zum Vergleich: Am Augsburger Kuhsee sind es mehr als 10.000 Menschen. Dagegen ist der Ilsesee sehr überschaubar und die Zahl der Badebesucher geht weiter zurück. Happernagl erklärt, warum die Königsbrunner Einsatzgruppe dennoch immer wieder zur Hilfe kommen muss: „Die Schwimmkompetenz nimmt in unserer Gesellschaft stark ab.“ Das sei aber nicht das einzige Problem: „Oft führen gesundheitliche Vorbelastungen zu Unglücken im Wasser, und auch Alkohol spielt immer wieder eine Rolle.“

Wasserwachtler - ein anspruchsvoller Job

In einem kleinen Wagen-Anhänger liegen Sauerstoffflaschen, Haken und Schäkel, aber auch Ballons, die zum Beispiel verunglückte Fahrzeuge aus dem Wasser hieven können. Es ist ein anspruchsvoller Job - körperlich und auch psychisch, denn der Tod durch Ertrinken ist manchmal schneller als die Retter. Dabei birgt jeder Einsatz Risiken und stellt die Wasserwachtler vor schwierige ethische Fragen: Soll der Gruppenleiter die Einsatzkräfte in Gefahr bringen? Wann lohnt es sich, das eigene Leben zu riskieren?

Seit 1967 gibt es eine Wasserwacht in Königsbrunn, die Ortsgruppe zählt heute fast 300 ehrenamtliche Mitglieder. Happernagl erklärt die Strukturen: Im Einsatzdienst sind etwa 40 Männer und Frauen aktiv, knapp 30 weitere engagieren sich in der Schwimmausbildung oder in der Jugendarbeit. Eine Sanitätsausbildung und ein Lehrgang zum Wasserretter gehört jedoch zur Grundausbildung jedes Wasserwachtlers. Der Inhalt der Schulungen: Notfallmedizin, Rettungsschwimmen, Funk-Ausbildung, Rotkreuzwissen.

Im Ernstfall rückt eine Schnelleinsatzgruppe mit mindestens fünf und maximal 14 Kräften aus. Zu diesem Team gehören auch die Spezialisten der Wasserwacht - die Motorbootführer, die Taucher und ihre Leinenführer. Die Wasserwacht ist dabei nicht nur am See im Einsatz, sie kommt auch im Katastrophenschutz zur Hilfe, zum Beispiel bei Hochwassern. Doch diese Einsätze sind selten. Wasserwacht, das bedeutet im Alltag: Lange warten und wachsam bleiben, um im Notfall, schnell und effektiv, retten und bergen zu können.

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