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Graben

14.12.2020

Mitten im Weihnachtgeschäft: Streik bei Amazon in Graben

Die Amazon-Mitarbeiter im Logistikzentrum in Graben sind erneut zum Streik aufgerufen. Die Gewekrschaft Verdi fordert seit Jahren bessere Arbeitsbedingungen und die Einfühung eines Tarifvertrags.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Plus Für mehrere Tage sollen die Mitarbeiter des Onlineversandhändlers in Graben ihre Arbeit niederlegen. Viele ärgern sich über die Höhe ihrer Sonderzahlung.

Mitten im Weihnachtsgeschäft hat die Gewerkschaft Verdi die Mitarbeiter im Logistikzentrum in Graben erneut zum Streik aufgerufen. Mit Beginn der Nachtschicht am Sonntagabend sollen die rund 1800 Beschäftigten für mehrere Tage ihre Arbeit niederlegen.

„Die Beschäftigten am Amazon-Standort in Graben sind empört und verärgert", teilt Sylwia Lech, Gewerkschaftssekretärin für den Handel im Bezirk Augsburg, schriftlich mit. Statt Wertschätzung in Form eines tariflichen Weihnachtsgeldes hätten die Mitarbeiter im November lediglich eine Jahressonderzahlung in Höhe von 400 Euro erhalten.

Gewerkschaft fordert tariflich abgesichertes Weihnachtsgeld

Um das Weihnachtsgeschäft zu stemmen, stellt der amerikanische Versandriese jedes Jahr rund 500 zusätzliche Saisonkräfte ein. Wie Lech mitteilt, ist Weihnachten nicht nur für Amazon wichtig, sondern biete auch den Beschäftigten und ihren Familien einen kurzen Zeitraum der Erholung und Besinnung.

Allerdings sei das Weihnachtsgeld für die meisten nicht zum Geschenke kaufen da, sondern es werde für aufgeschobene Zahlungen wie Zahnersatz, Brille, Autoreparatur oder offene Rechnungen benötigt. "Deshalb ist neben der tariflichen Vergütung nach dem bayerischen Einzel- und Versandhandel ein tariflich abgesichertes Weihnachtsgeld gerade für Amazon-Beschäftigte so enorm wichtig“, erklärt Lech.

Gewerkschafterin bezeichnete Logistikzentrum in Graben als Corona-Hotspot

Seit Jahren fordert die Gewerkschaft Verdi die Einführung eines Tarifvertrags bei Amazon. Auch die Arbeitsbedingungen beim amerikanischen Versandhändler geraten immer wieder in die Kritik. Lech zufolge werde immenser Druck aufgebaut, es gebe permanente Leistungskontrollen, eine schlechte Führungskultur und unzureichende Erholungszeiten.

Darüber hinaus bezeichnete die Gewerkschafterin das Logistikzentrum vergangene Woche als Corona-Hotspot. Demnach befänden sich bis zu 300 Mitarbeiter in Quarantäne, viele hätten sich mit dem Virus infiziert. Lech stützte sich dabei auf Aussagen von Beschäftigten und entsprechende Hochrechnungen. Die coronabedingten Infektionsschutzvorkehrungen nannte sie mangelhaft.

Dritter Streikaufruf bei Amazon in Graben innerhalb weniger Wochen

Amazon wies die Behauptung scharf zurück und sprach von einer bewussten Täuschung der Öffentlichkeit mit falschen Zahlen. Auch das Gesundheitsamt hatte nach eigenen Angaben keine Fallhäufungen bei Amazon verzeichnet, konnte aber auch keine konkreten Infektionszahlen nennen. Das Gesundheitsamt werde nur über Betroffene informiert, die im Landkreis leben, hieß es schriftlich.

Seit Sonntagabend sind die Amazon-Mitarbeiter nun erneut zum mehrtägigen Streik aufgefordert. Es ist der dritte Aufruf innerhalb weniger Wochen. Im Zuge der Rabatt-Aktion "Black Friday" Ende November hatten rund 300 Amazon-Mitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt. Um das Ansteckungsrisiko mit Corona zu mindern, fand der Streik wie auch jetzt ohne Kundgebung statt. Die Gewerkschaft hatte den Mitarbeitern nahegelegt, zu Hause zu bleiben.

Gestreikt wurde in Graben auch Mitte Oktober zum sogenannten Prime Day, an dem der Online-Händler mit Sonderangeboten lockt. Auch damals legten rund 300 Beschäftigte ihre Arbeit nieder.

Mehr zum Thema Amazon lesen Sie hier:

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14.12.2020

Amazon macht Umverteilung von Unten nach Oben. Der klassische Einzelhandel muß seine Struktur ändern oder rechnet sich nicht mehr.
Die einfachen Beschäftigten bei Amazon werden im Alter Rentenzuschüsse vom Steuerzahler benötigen. Im alten Manteltarifvertrag für den Einzelhandel gab es auch Tarife für Lageristen mit Urlaub und Weihnachtsgeld dieser Tarifvertrag war Allgemeinverbindlich.

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14.12.2020

Die Gewerkschaft schürt die Unzufriedenheit weil sie nicht nur einen Tarifvertrag fordern sondern den Tarifvertrag für den Einzelhandel. Amazon zahlt nicht schlecht - und das hat Verdi auch mehrfach zugeben müssen - aber die Firma orientiert sich daran was im Logistikbereich verdient wird.
In einer Zeit in der selbst im Einzelhandel sich nur noch 18 Prozent der Betriebe an den Tarifvertrag halten ist Amazon einfach ein "dicker Fisch" den Verdi erlegen will um ihrem Wunsch eines allgemeinverbindlichen Tarifvertrags für alle Unternehmen in der Branche näherzukommen.

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14.12.2020

Verdi schafft es nicht Amazon die die Knie zu zwingen. Amazon liefert immer pünktlich. Und wenn die Lieferung mal einen Tag später kommt - was solls. Für einen guten Service nehme ich das gerne an.

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14.12.2020

400€ Weihnachtsgeld als Sonderzahlung eine tolle Sache wenn man bedenkt das solch Zahlungen kein Muss seitens des Arbeitgebers ist sondern eher eine freiwillige Leistung. Und zu dem gibt's andere Unternehmen die Ihren Mitarbeitern noch weniger bzw. garnichts zahlen, da bekommt man nicht mal einen Händedruck zu Weihnachtszeit. Aber wie heißt es doch gleich noch im Volksmund ( Man reicht den kleinen Finger, und er nimmt die ganze Hand )! Und bedenke 400€ sind heutzutage viel Geld gerade in solch einer schrecklichen Zeit!!!

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14.12.2020

Was ist der Unterschied zwischen Weihnachtsgeld und Sonderzahlung im November? Sollen die Mitarbeiter in der heutigen Zeit doch froh sein, wenn sie einen Job haben und noch zusätzlich Sonderleistungen bekommen. Amazon zahlt selbst für total ungelernte Kräfte mindestens 12,12 Euro pro Stunde. Das bekommen viele mit Ausbildung in anderen Branchen nicht. Und Leistungskontrolle ist auch in anderen Branchen ganz normal. Selbst in Steuerkanzleien wird überprüft, ob die langjährigen Angestellten genug Umsatz machen. Aber die neue Halle in Graben wird ja auch mit Robotern bestückt, da braucht sich Niemand darüber wundern.

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14.12.2020

@Renate Frey
Hoffentlich haben Sie den Kommentar in der Zwischenzeit bereut.

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